//
Ostdeutschland

Ossis in den Medien

Die Ostdeutschen in den Medien
Es war der 9. November 1989, als ein bis dato völlig unbekanntes Wesen durch ein Loch in der Berliner Mauer scharenweise den erschrockenen deutschen Westen überfiel: der Ossi. Bekanntlich existiert er bis heute als mysteriöses Fabelwesen in den Medien. Aber warum nur? – Dieses Buch verrät es.

Oder besser: Es erforscht, wie es zur Entstehung des Bildes vom Ostdeutschen in den Medien kam. Denn nach allen wissenschaftlichen Erhebungen gehört das Bild, das man sich vom „Ossi“ malt, ins Reich der Fabel.

Der Ossi wird wie ein mythologischer Zwerg im frühem Mittelalter von unterschiedlichsten Gelehrten durch mancherlei Gehörtem mit allerlei Deutungsmustern und Vorurteilen aufgeladen.

Das funktionierte nicht nur in Zeitaltern, in denen Nachrichten zumeist auf mündlichem Weg unterwegs waren, es funktioniert auch heute so.

Es sind die Seemannsgarn spinnenden Fahrensleute der heutigen Presse, die einem im Grunde friedlichen Geschöpf eine sagenhafte Gestalt verpassen. Auch die Freude am Fabulieren und Ausschmücken gehört dazu.

Und noch ein paar Dinge, die moderne Medien zu dem machen, was sie sind: Deutungsraster, Geschwindigkeit und Knalleffekt.

Der vorliegende Band enthält die Beiträge eines Projektworkshops, der 2007 am Institut für Geschichte der Universität Wien statt fand, gewissermaßen auf „neutralem Boden“ also. Drei Jahre lang hatten sich Forscher aus verschiedenen Disziplinen mit dem Thema „Die diskursive Konstruktion ‚der Ostdeutschen‘ in westdeutschen und österreichischen Medien als Quelle für kollektive Alteritäts- und Identitätsdiskurse“ beschäftigt.

Klingt hochwissenschaftlich. Heißt aber: Wie haben vor allem westdeutsche Medien ihr Bild von den Ostdeutschen geschaffen, wie hat sich das Bild verändert und wie wirkt das Bild bis heute in der gesellschaftlichen Diskussion?

Grundlage dafür ist die schlichte Tatsache, dass es fast ausschließlich im Westen Deutschlands beheimatete „Meinungsbildner“ sind, die für sich definiert haben, was „ostdeutsch“ ist, und damit die gesamtdeutsche Sicht auf die seltsame Spezies der „Ossis“ bis heute prägen.

Ja noch schlimmer: Sie prägen was der Ossi über den Ossi zu denken hat, zumindestens machen sie das allen glauben. Und die wenigen Ossis die überhaupt in den Medien was sagen dürfen, machen sogar mit.

Denn bis heute sind es dieselben Medien, die den gesamtdeutschen Diskurs bestimmen – große Tageszeitungen wie

  • FAZ und
  • Süddeutsche,
  • Der Spiegel,
  • der Focus,
  • Wochenzeitung,
  • Die Zeit,
  • die großen öffentlich-rechtlichen und privaten Sender,
  • Bild

Die Daten wer in Deutschland die Medien macht, sind für 2012 ermittelt von der Bayrischen Landesmedienanstalt und unter Medienvielfaltmonitor abrufbar.

Die Forscher, die in diesem Band zu Wort kommen, sind an den verschiedensten Hochschulen zu Hause – in Wien, in Jena, Berlin, München – oder sie arbeiten gar gleich an der Quelle wie Christian Kolmer bei Media Tenor in Bonn und Zürich. Der Verdacht, man könne hier eine bestimmte Schule von Soziologen vor sich haben, die nur eine Lehrmeinung gelten lassen, wäre also nicht begründet.

Sie näherten sich dem Thema nicht wie die meisten Journalisten mit einer fetzigen reisserischen Story aus der Ferne, sondern sind allesamt neutral die Archive der Zeitungen und Fernsehkanäle durch gegangen. Sie haben herausgesucht, was zum Thema „Ossi“ und „Wessi“ wann und wie veröffentlicht wurde und haben die unterschiedlichen Sichtweisen der Medien auf das Thema verglichen.
Wissenschaftliche Geduldsarbeit, die am Ende aber belastende Zahlen ergibt und sichtbar macht, wie die Schaffung eines Kunstkonstrukts in bundesdeutschen Medien funktioniert.

Eine wesentliche These hat sich bei allen Untersuchungen bestätigt: Es sind westdeutsche Medien, die die Richtung und damit das Denken bestimmen. Bis heute. Sie kopieren und dublizieren permanent Vorurteile über Ossis.

Und dadurch entsteht auch das wichtigste Grundmerkmal des „Ostdeutschen“:

Es ist eine Definition des Anderen, der Fremden, in der sich zu aller erst der westdeutsche Journalist seiner selbst vergewissert, unzwar – wie gerade die Beiträge aus den frühen 1990er Jahren zeigen – vor allem als Zuweisung bestimmter Eigenschaften, die den „Ostdeutschen“ zu einer gesichtslosen Masse machen – und zu einer Spezies, die sich deutlich von ihnen (den Westdeutschen) unterscheidet.

Sie ernähren sich schlecht, arbeiten nicht, fleiss ist ihnen fremd, sie nörgeln viel und sind ungebildet und indoktriniert. Mit anderen Worten, allzuviel Gutes findet der Wessi an ihnen nicht, ausser das sie für weniger Geld arbeiten.

Ein Effekt, der verstärkt wird durch die geringere Präsenz Ostdeutschlands in den meinungsführenden Medien, ablesbar an den über die Jahre konstant geringen Anteilen an der Berichterstattung.

Luege als PrinzipNur besonders medienträchtige Ereignisse wie das Gipfeltreffen in Heiligendamm machen den Osten für einen kurzen Moment zu einem wahrnehmbaren Schauplatz der Ereignisse. Doch kaum sind die Staatsgäste abgereist, versank der ganze Landstrich wieder im Nirwana der medialen Nichtbeachtung.

Und da tritt dann Effekt Nummer 3 in Kraft: Dann entscheidet allein der Meldungscharakter, ob der Landstrich wieder Erwähnung findet.
Da funktioniert das simple Auswahlmuster der Agenturen – die in den deutschen Tageszeitungen für mehr als 50% aller Meldungen verantwortlich sind und – oh Wunder – alle aus dem Westen kommen. Und das heißt: Sex & Crime. Je oller desto doller, nur so schafft es die Nachricht in die News.

Ergebnis: Über 40% aller Nachrichten aus dem Osten Deutschlands beschäftigen sich mit Gewalt, der größte Teil davon mit rechtsradikaler Gewalt. Gleich danach gibt’s nur noch ein Thema, das die Redaktionen für wichtig halten, wenn sie aus dem Osten berichten: DDR-Vergangenheitsbewältigung.

Ein bisschen Politik gibt es noch, hauptsächlich die negative Darstellung der Linken die ebenso stereotypisch und durchaus beabsichtigt mit der Stasi in Verbindung gebracht wird.
Und nicht zu vergessen, was die Ostdeutschen den Westdeutschen angeblich so alles verdanken. Ganz offensichtlich mit der absurden Vorstellung, bei den Ostdeutschen sowas wie ein Dankbarkeits-Denken zu installieren, indem man sie an ihnen permanent Schuldbewusstsein suggeriert.

Doch schon beim Thema Wirtschaft geht es fast ausschließlich nur um Arbeitslosigkeit, womit wir gleich wieder beim nächsten Problem wären.

Was sollte man denn auch über ein Land berichten, in der die Wirtschaft sowieso komplett in der Hand Westdeutscher ist, die sich zudem gern in der Rolle derer darstellen, die den armen Ossis geholfen und „das Arbeiten beigebracht“ haben? Einer Region in der bis zum heutigen Tage jeder vierte arbeitslos ist, die übrigens ebenso negativ beurteilt werden.

Das ist logisch: Die großen Konzernzentralen, die aller drei Monate neue Quartalszahlen produzieren (oder irgendwelche netten Bonus-Geschichten) haben ihren Sitz fast alle in West-Deutschland oder Berlin.

Und so formt sich für den Leser/Zuschauer ein seltsames Bild über den wilden Osten, in denen Neonazis, Arbeitslose und Täter aus DDR-Zeiten sowie Linke die Hauptrolle spielen.

Und auch wenn in einigen Medien – wie etwa beim Fernsehmagazin „kontraste“ – über die Jahre eine kleine Änderung des Bildes nachweisbar ist, in der Gesamtschau wirken die Stereoptype auch 20 Jahre nach dem ebenfalls zum Stereotyp gemachten „Mauerfall“ wie erstarrt, wie platt und wie eine neue Mauer.

Beispiel:
Hans Meiser´s RTL Talkshow vom 9.11.2000: Thema der Sendung „Sind Sie stolz ein Ossi zu sein?“
In der Sendung offenbart sich die totale Verachtung von „Ostdeutschen“ und der DDR sowieso.
Hier einige Auszüge seiner widerwärtigen Kommentare:
Als das Mikrofon im Gespräch defekt wurde: „Das Ding kommt wohl auch aus der DDR!“
sowie:
„DDR Bürger durften nicht einmal nach Polen fahren ohne ein Visum zu beantragen!“
„DDR Bürger mussten (Tschernobyl-) verseuchtes Gemüse aus Rumänien essen.“
„DDR Bürger konnten meist nur bis Mittag arbeiten und mussten dann auf neue Produktionsmittel warten.“
„DDR Bürger konnten halt nicht einfach mit 180 an die Arbeit gehen.“
usw. usw.
Der geäusserte Schwachsinn gipfelte in der Schlussaussage des Herrn Meiser,
als er einen ehemaligen NVA Genossen aus der Sendung werfen wollte, der nur eines tat, sachlich und ruhig die Wahrheit zu sagen.
Hans Meisers in Wut geäusserten Worte wurde natürlich zum Ende der Sendung ausgeblendet, damit war es unmöglich zu sehen oder zu hören ob es irgendwelche Reaktionen darauf gab.
„Im übrigen, finde ich, gehören die Zeichen der DDR genauso verboten, wie die des Nationalsozialismus!“

Nicht nur in den Köpfen der Journalisten und Redakteure, die immer wieder dieselben durch Umfragen und Statistiken widerlegten Vorurteile wiederholen, sondern auch in der öffentlichen Diskussion, in deren Inhalt die meinungsbildenden Medien dominieren.

Und ausgerechnet hier, in der stereotypischen Wiederholung gesiebter Agenturmeldungen vergewissert sich die politische Elite, ob sie „richtig tickt“. Hier holt sich die Wirtschaftselite genauso ihre Informationen wie ein Großteil der West- und Ostdeutschen. Und es entsteht sich ein illusorischer Eindruck voll im Westen angekommener „integrierter“ Ossis. Was sie wirklich denken erfährt man jedoch nicht im Westen.

Mit der kleinen Einschränkung: Gerade die großen westdeutschen Zeitungen klagen bis heute über geringe Leserzahlen im Osten. Aus gutem Grund: ostdeutsche Leser finden sich in diesen Zeitungen gar nicht wieder.

Es entsteht also ein bedenkenswerter Effekt: Westdeutsche Redaktionen bestimmen, wie sich die Ostdeutschen zu sehen haben. Das kann nicht funktionieren, doch Änderung ist nicht in Sicht.

Die Autoren belegen auch mehrfach, dass der Begriff des Westdeutschen oder „Wessis“ keineswegs so gattungsspezifisch genutzt wird, wie der des „Ossis“. In Ostdeutschland wird nämlich der „Wessi“ differenziert, zwischen jenen die einfach nur ahnungslos und desinteressiert sind und jenen die aktiv daran mitwirken.

Anders als dem „Ostdeutschen“, der ja laut Medien des Westens „irgendwie bis heute unter der Kollektiv-Sozialisation von gestern leidet, nicht teamfähig ist, mit Geld nicht umgehen kann und darauf wartet, dass die tollen Entwicklungshelfer aus dem Westen die Karre aus dem Dreck ziehen.“

Besonders makaber wirkt das Bild, wenn gerade Fernsehbeiträge aus der Zeit vor 1989 den Ostdeutschen ganz anders definieren – als selbstbewusst, kreativ, freiheitsliebend. Was ist daraus geworden?

Haben sich allein die viel gelobten Bürgerrechtler diese Attribute angeeignet? Oft genug scheint es so.

Im Ordensregen der Verdienste um die Deutsche Einheit des Herbstes 2009 war gar nichts anderes mehr zu sehen von den einstigen DDR-Bürgern. Kein einziger Unternehmer made in East, kein Künstler, kein Wissenschaftler, kein Sportler.

Das ist auch kein Wunder, es gibt ja keine Überlebenden „Unternehmer made in East“ mehr. Wissenschaftler sind weitestgehend in unteren Ebenen verdrängt und bei Sportlern hatte man die Handvoll Ehemaliger inzwischen durch.

So kommt es das der Tag der deutschen Einheit mit Ostdeutschland inzwischen kaum noch etwas zu tun hat, man feuert und beweihräuchert sich pompös und bleibt ansonsten unter sich – unter Wessis. Fehlt nur noch das Schild „Ossis bitte draußen bleiben“.

Das ist es was man „die Reduktion auf das Nötigste“ nennt.

Doch weder die Wiedervereinigung ist eine Episode, noch ist es die Existenz von fünfeinhalb durchaus verschiedenen Bundesländern im Nordosten der Republik eine Randnotiz.

Die Mauer ist zwar abgebaut worden, aber die würde so mancher gern wieder hingestellt sehen, wenn er die (von Agenturen gesiebten) Nachrichten aus dem Osten sieht.

Fast jeder zweite Einwohner der südlichen und westlichen Bundesländer war bis heute nicht im Gebiet der ehemaligen DDR. Viele sind ganz gewiss abgeschreckt von einer Berichterstattung, die da zwischen Harz und Oder einen Menschenschlag vermuten lässt, der noch rückständiger ist als einst die Bewohner des Neandertals.

Es sind bis heute deutsche Medien, die aus diversen (in diesem Band nicht hinterfragten) Gründen ihre Vorurteile über die Ost-Deutschen und „den Ostdeutschen“ pflegen. In ihren Kommentaren lebt dieses versoffene, faule, undankbare Geschöpf, nicht hinterfragt, nicht differenziert. So wird „die geistige Mauer“ täglich neu errichtet. Ein Graben quer durchs Land, an dem sich die Guten im Westen von den Hinterwäldlern im Osten scheiden. Das hat nichts mit all den sinnlosen Debatten um „innere“ oder „äußere Einheit“ zu tun.

Wahrscheinlich würden wirklich neugierige Reporter beim Vordringen in die Wildnis entdecken, was Soziologen schon längst wissen: Die „terra incognita“ dort im fernen Osten gehört auf schnöde Weise einfach dazu zu dieser Bundesrepublik, die sich einer Vereinigung 1990 verweigert hat.

Man hat der kleinen de Mazière-Regierung mit einem Kredit einen bedingungslosen Beitritt zur Bundesrepublik abgefordert und wahrscheinlich gehofft, damit lösen sich diese schrecklichen 17 Millionen einfach auf im großen Bauch der Bundesrepublik.

Aber die Ostdeutschen sind noch da und haben leider ihre eigene Sicht auf die Wirklichkeit. Nach 20 Jahren „Demokratie“ haben sie größtenteils den „goldenen Westen“ satt. Sie sind in der Realität angekommen, nur leider nicht mit der Meinung, die man sich erhofft hatte.

Der „Realkapitalismus“ hat aus den Ostdeutschen weitaus bessere Sozialisten gemacht, als die SED Doktrin der vorhergehenden 45 Jahre. Der Ostdeutsche kennt nun beide Seiten der Medallie und sein Urteil über den Westen beruht nicht auf Propaganda und Indoktrination sondern auf Lebenserfahrung.

Es ist eben eine andere Perspektive, ob man zu den westdeutschen Professoren gehört, die an der Akademie der Wissenschaften in Berlin die Ostdeutschen allesamt „in die Freiheit“ entlässt, um dort seine eigene westliche Kultur wie einen Pilz sein Myzel zu verbreiten, oder ob man zu den ca. 150 ostdeutschen arbeitslosen Professoren gehört, die seitdem im Niedriglohnsektor zum Ost-Tarif beschäftigt sind.

Das Interesse an Ostdeutschland beschränkt sich nur die Verwertbarkeit. DDR-Kultur und DDR-Erfahrung gehörte nicht dazu. Tonnenweise Bücher hat man in alte Kieswerke gekippt, darunter auch Schulbücher der DDR über Chemie, Mathematik, Physik. Das ist die „demokratische“ Form moderner Bücherverbrennung. Ähnlich erging es fast allen Kultureinrichtungen, egal ob Kinos, Zoos, Theater, Opern, Rennbahnen, Sportarenen, Ferienlagern, FDGB-Heimen und so weiter.

Also was nun?
Das können die Forscher natürlich nicht sagen. Sie können nur zeigen, wie die Mauern in den Köpfen funktionieren.

Es sind die Medienhäuser selbst, die lernen müssen, die selbst errichteten Mauern wieder abzubauen. Die nicht nur vorurteilsbeladene Westdeutsche am Besuch der östlichen Bundesländer hindern, von deren Schönheit sie bis heute nichts wahrgenommen haben. Es dürfte für einige Westdeutsche durchaus eine Überraschung gewesen sein, das man in Ostdeutschland sogar Strom kannte.

Der typische Westbesucher war jedoch der Investor. Investoren kamen jedoch nur hierher um ihre Überproduktionen zu verscherbeln und die Konkurrenz aufzukaufen, was man übrigens hochwissenschaftlich bewiesen bei Wolfgang Engler nachlesen kann. Sie haben die Fördergelder abgegriffen und ihre Seilschaften in sämtlichen Führungspositionen installiert.
So haben sie sich in sich Grundstücke in bester Lage zum Schnäppchenpreis „organisiert“, sich mittels ihre „Ostfilialen“ Aufträge zugeschoben und sie gleich wieder an ihre „Firmenzweige“ im Westen weitergereicht. Und als nichts mehr zu holen war, haben sie ihre inzwischen heruntergewirtschafteten „Ostfilialen“ wieder dicht gemacht. Viele dieser „Firmenfilialen“ haben nichtmal 5 Jahre existiert.

Auf diese Weise sind seit 1991 sage und schreibe 1,3 Billionen Euro Transferleistungen nach Ostdeutschland geflossen und haben nach einem kurzen Besuch im Ostdeutsche Urstromtal gleich wieder den Weg Richtung Westen genommen. Zurückgeblieben sind ein paar Ruinen, die einst produktive Werke und Kultureinrichungen waren und natürlich Arbeitslose. Nicht nur ein paar – sondern gleich Millionen.

Siehe: zehn Jahren ökonomischer Transformation Ostdeutschlands

Angesichts der Rettungspakete die binnen 2 Jahren an Banken und EU geflossen sind, über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren – ist diese Zahl eher lächerlich.

Nachdem man ihre Arbeitslosigkeit verschuldet hatte, hält man ihnen jetzt praktisch vor, das sie sich nicht in Luft aufgelöst, sondern beim Arbeitsamt angemeldet haben. Na was für eine Überraschung? Hätte man sich das nicht denken können?

Ein paar von ihnen hätten natürlich wunderbar bei der Treuhand unterkommen können, die Zehntausende damit beschäftigte die Ostdeutschen von ihrem Erbe zu enteigenen, aber auch diese „Ostdeutsche Behörde“ wurde auf sämtlichen mittleren und oberen Ebenen fast durchweg mit Westdeutschen besetzt. Ostdeutsche wurden nur als Zureicher eingestellt.

Das sah dann in der Praxis etwa so aus: Ein Roland-Berger-Unternehmensberater betritt das Büro der Treuhand, fordert den Computer eines Ostdeutschen Mitarbeiters und bekommt ihn von der Westdeutschen Abteilungsleiterin gestellt, wofür er sich mit den Worten „Ach sie sind ja eine von uns“ bedankt. Das macht deutlich wie das System Treuhand in der Realität funktionierte. Die Ostdeutschen waren lediglich der „Beweis der legitimen Enteigung“.

Quelle: Fette Beute v. Günter Heribert Münzberg, ehemaliger Mitarbeiter der Treuhand und Eheman der einzigen ostdeutschen Frau auf mittlerer Leitungsebene.
Diese Zahl von 1,3 Bio Euro stammen übrigens vom Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) das, sie ahnen es schon, auch zur Seilschaft West gehört, zu dem übrigens auch Werner von Unsinn vom Ufo-Forschungsinstitut gehört, der als Wirtschaftsexperte sämtlicher Fernsehsender den Feind heute noch in Ostdeutschen Schützengräben vermutet.

Stellen sie sich mal einen Moment vor was passiert, wenn Bremer Stadtmusikanten die Bayrische Metropole München übernimmt und ihre eigenen Ostfriesen mitbringen. Fischhändler marschieren in der Süddeutschen Zeitung als Chefredakteure ein und im Fernsehn laufen neben Küstennachrichten nur noch Berichte wie mies die Münchner gewirtschaftet haben, wobei sie als hinterwäldlerische Almhirten auf technischem Kuhglocken-Niveau dargestellt werden.

Völlig klar das denen „gehilft“ werden muss, weil sie ja nur „Käse“ produzieren können. Die neuen Helden der Einheit von Nord und Süd werden auf den Warften der Nordsee aquiriert und ziehen in hellen Scharen als Reconquesta nach Bayern.
Über Neuschwanstein weht die Flagge Hamburgs und man findet sicher einen Vorfahren aus dem dunklem Mittelalter der beweisen kann, das seine Vorfahren am Schloss mitgebaut haben.
Münchner Bürger werden in unteren Ebenen zu Handlangern oder sitzen auf der Straße. Aber um den Fortschritt zu demonstrieren werden eine Handvoll Münchner wie Zirkuspferde abgerichtet um alljährlich am Tag der Wiedervereinigung Erfolge zu präsentieren.

Den Rest des Jahres strotzen die Medien nur so vor Berichte, wieviel die Almbauern den reichen Bremern an Rente und Arbeitslosengeld kosten. Alles was sie jemals waren, sind, sein werden, wird negiert. Na, wie finden sie das?

Erschreckend? Wir auch.

Der Unterschied ist, wir erleben das täglich. Unsere Einheitshelden haben sich hier so gut
eingelebt und bedient, das sie überhaupt keine Lust mehr haben zu ihren Dörfern im Westen zurückzukehren.
Daher sind auch in der Politik Ostdeutschlands nur 60% der Politiker wirklich aus der Region. Die anderen 40% machen weiterhin Politik für den Westen.

Der für den Aufbau Ost zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht jedoch davon aus, dass es in zehn Jahren annähernd gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West gibt. Toll.
Leider fällt es uns zunehmend schwerer diesem Zitat ein Jahr zuzuordnen. Es wird seit 20 Jahren immer jünger und setzt dabei erfolgreich die Gesetze der Zeit außer Kraft. Einstein wäre wirklich verblüfft gewesen.

Die Ossis sind derweil in ihrem eigenem Land zur Unterschicht mutiert, von Wessi´s Gnaden.
Bestohlen um ihr Volkseigentum von gierigen Geschäftemachern aus dem Westen und belogen von Politikern die aus dem Westen kamen um „Aufbauhilfe“ zu leisten unzwar für Westfirmen und verdammt von einer Presse die ebenso ausschliesslich im Westen gemacht wird.

Inzwischen bleiben die Investoren aus, weil ja die junge Bevölkerung abgewandert ist. So kommt es das inzwischen der Altersdurchschnitt der ehemaligen DDR ganz erheblich gestiegen ist, wozu nicht unwesendlich der Zuzug von Rentnern aus dem Westen beigetragen hat.
Das einzige was boomt sind Asylbewerberheime, Atomabfall, Müllkippen und Altersheime und natürlich deren ausländischen Pflegekräfte. Alles was der junge dynamische Westen gern loswerden will, landet umgehend im Osten.

Und mal unter uns, welcher junge Deutsche aus dem Osten will schon einen so mieserabel bezahlten schweren Job haben und dabei verwöhnte Rentner aus dem Westen betreuen, die nicht nur altersgemäß nörgeln, sondern auch noch Vorurteile pflegen, den Ossis ständig Vorhaltungen machen und sowieso alles besser wissen?
Diese antiken Prachtexemplare die sich mit reichlich Amerikanischen Aufbaudollars durch die schweren Nachkriegsjahre kämpften, fehlt praktisch jedes bisschen Verständnis für das, was hier passiert ist.
Da kann man die jungen Leute schon verstehen, das sie in den Westen gehenm wo sie bessere Arbeit finden und sich der allgemein unkreativen Kriecher-Prosecco-Gesellschaft anzupassen.

„Ja mein Chef, nein mein Chef, solls noch etwas Prosecco sein? Darf ich mich nochmal für die große Chance des unbezahlten Praktikums bedanken?“

Oder anders formuliert: Was mit viel Fördergeld aufgebaut wird und eventuell wider allen Erwartungen noch funktioniert, reißen selbstverliebte Medien mit der tagtäglichen Wiederholung von längst wiederlegten Vorurteilen erneut ein.

Aufrichtigkeit hat in diesem System keinen Stellenwert. Psychologie nennt man das.

Lesetips:

  • Wolfgang Engler: Lüge als Prinzip Der aufrichtige Gang
  • Ahbe / Gries / Schmale (Hrsg.): Der Ostdeutsche in den Medien
  • Günter Heribert Münzberg: Fette Beute

Buchempfehlung zur Verknüpfung von Medien und Politik
Um zu verstehen wie die 5. Säule der Demokratie funktioniert ist hier ein schönes Buch erschienen:

Neuerscheinung:

  • Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-­Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Von Uwe Krüger, 2013, 378 S., 30 Abb., 17 Tab., dt. Broschur, 213 x 142 mm
    ISBN 978-3-86962-070-1, 29,50 EUR

Journalisten brauchen Nähe zu den Mächtigen, um informiert zu sein – und sollen doch unabhängig bleiben. Eine Netzwerkanalyse untersucht die soziale Umgebung von 219 leitenden Redakteuren mit dem Ergebnis, dass jeder Dritte informelle Kontakte zu Eliten unterhielt. Das ist gut für die Informationsbeschaffung, aber verlieren Journalisten dadurch nicht die nötige Distanz?

Sie begleiten Politiker auf ihren Auslandsreisen, nehmen an Hintergrundrunden im Kanzleramt teil und sind zu Gast auf Geburtstagsfeiern der Wirtschaftselite. Die deutschen Leitmedien sind eng mit den Eliten aus Politik und Wirtschaft verflochten. Doch wird ihre Unabhängigkeit und damit ihre Kritikfähigkeit durch diese Kontakte nicht stark beeinträchtigt? Und umgekehrt: Ab wann beeinflusst die Meinung der Eliten die Auswahl der Nachrichten und die Stoßrichtung der Kommentare?

Im neuen Band Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse aus dem Herbert von Halem Verlag macht der Autor Uwe Krüger die Verflechtungen zwischen Journalismus, Politik und Wirtschaft durch eine aufwändige Netzwerkanalyse sichtbar. Dabei fallen vor allem die dichten Verbindungen von leitenden Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt und der Zeit ins NATO- und US-affine Elitenmilieu auf. Eine anschließende Frame- und Inhaltsanalyse zu außen- und sicherheitspolitischen Themen stellt die Konformität dieser Journalisten mit ihren Bezugsgruppen dar.

Meinungsmacht erscheint in der Reihe des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung (IPJ), herausgegeben von Prof. Dr. Michael Haller und gefördert von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig

Link zur Bestellung

Ein weiteres interessantes Buch ist:
Wolfgang Engler: Lüge als Prinzip Der aufrichtige Gang
Ahbe / Gries / Schmale (Hrsg.): Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990
Leipziger Universitätsverlag, 2009, 217 S.
ISBN: 978-3-86583-391-4
Preis: 24,00 €

Dieses Buch hat nach seinem Erscheinen ein kleines erhebliches Echo in den Medien, vor allem in ostdeutschen Medien und Foren, ausgelöst. Es zeigt – mit wissenschaftlicher Exaktheit und dem Renommee von internationalen Wissenschaftlern – ein Unbehagen an der Behandlung Ostdeutschlands und seiner Bewohner durch die überregionalen Leitmedien des bundesdeutschen Diskurses zu belegen. Diese Medien (Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung usw.) sitzen im Westen, sie beschäftigen in großer Mehrheit Journalisten mit westdeutscher Sozialisation und Berufsqualifikation, sie werden dominierend in Westdeutschland genutzt. Dass sie westdeutsche Identitäten stützen müssen und aus diesem Blickwinkel die Ostdeutschen als die „Anderen“ konstruieren, wird darin genauer analysiert. „Nicht was ARD und ZDF aus Ostland berichten, wenn sie’s mal tun, stört die Ostler, sondern daß es klingt wie Auslandsjournal“, meinte Christoph Dieckmann schon 1996 auf den Mainzer Tagen der Fernsehkritik. Damit sprach er ein Problem an, dass die Darstellung Ostdeutschlands durchaus richtig charakterisiert.

Eine weitere Empfehlung:
Marcel Machill, Markus Beiler und Johannes R. Gerstner (Hrsg.) (2010): Medienfreiheit nach der Wende. Entwicklung von Medienlandschaft, Medienpolitik und Journalismus in Ostdeutschland

Vor seiner Berufung als Journalistik-Professor im April 2002 leitete Machill die Abteilung Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung, einer der aktivsten Lobbyorganisationen Deutschlands. Damit weiss man auch schon wie diese positiv dieser Blick auf die Ostdeutsche Medienlandschaft ausfällt – nämlich grundsätzlich im Sinne des Westens.
Kritik dient hier als Alibi-Funktion um Glaubwürdigkeit herzustellen. Dieses mit Steuergeldern geförderte Projekt ist die Antwort auf den Umgang der Medien mit den Osten in denen eine Stimme nicht vorkommt, die der Bevölkerung im Osten.

Die Massenmedien verkaufen sich ja gern als Teil und Wegbereiter der friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Ostdeutschland. Neben dem politischen und gesellschaftlichen Umbruch 1989/90 fand in Ostdeutschland auch eine fundamentale Neuordnung des Mediensystems statt: Zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten gab es andere Medien, die sich als frei und unabhängig bezeichnen. Dies zu belegen dient diese Studie. Sie interessiert sich nicht dafür ob diese Medien von Ostdeutschen gestaltet wurden oder wie sie von Westdeutschen manipuliert und beherrscht wurden. Das die Ossis dank der Treuhand von ihren Medien enteignet wurden, kommt da auch nicht drin vor.

In dem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Journalistik II der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Marcel Machill stehen die Dokumentation der zwanzigjährigen Entwicklung des Mediensystems in den neuen Ländern und der Ausblick auf die Zukunft im Mittelpunkt. Allerdings begann diese 20 Jährige Untersuchung erst mit der Kritik an der Darstellung des Ostens in den Medien.
Die Autoren befassen sich mit den Medien, den Medienmachern und mit den Medienaufsehern. Nach westlichen Vorbildern sind beispielsweise die fünf neu gegründeten Medienaufsichtsbehörden entstanden und sie nehmen westliche Aufgaben wahr. Radikalen Umbrüche im Printsektor haben nach der Wende zu Monopol-Strukturen geführt. Das hat auch Auswirkungen auf den Journalismus.

Fazit, das Buch ist ein echtes Lobbywerk das mit neutraler Darstellung kaum was zu tun hat, auch wenn es neutral klingt. Lobbyisten sind Meister darin, mit Worten zu jonglieren und aus schwarz weiss zu machen. In diese Reihe passt auch dieses Machwerk, das durch die reichlichen Titel ihre Autoren aufgewertet werden sollte.

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ostdeutschland

  1. Der Gefaellt mir Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder habe ich ihn uebersehen?

    Verfasst von Vincent | 2 April, 2012, 6:51 pm

Was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archiv

NATO verlangt 2% des Haushaltes
für das Militär auszugeben,

das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
Militär-Etat USA 2015: 1839,53$
Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

Blog Stats

  • 704,569 hits
Follow monopoli on WordPress.com

Deutschland

Deutschland-DNA

RSS www.tlaxcala-int.org

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Pravdatvcom

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Lausitzer KlimaCamp

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.
%d Bloggern gefällt das: