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Linke in Amerika – Black Panther

Panther sucht Partnerinnen – [Allianzen der Black Panther Party]

Untersuchung über die Bündnispolitik der Black Panther Party [mit Ziel einer Revolution in den „USA“ in den 1960-er und 1970-er Jahren]

Seminararbeit von Roman Sigg; 8259 Kaltenbach; 1.10.1998; Historisches Seminar der Universität Zürich; Prof. Dr. B. Fritzsche: The Ballot or the Bullet. „USA“ in den 1960er Jahren, SS/WS 1998 / 1999.

Kommentar
Der vorliegende Text zeigt klar die vergeblichen Bemühungen der linken Alternativen in den „USA“ zur Zeit des Vietnamkriegs, eine Revolution gegen die weisse Kriegsregierung zustandezubringen. Dabei scheiterten die verschiedenen Gruppen auch an ihren kurzfristigen Strategien, am Misstrauen gegenüber dem politischen Partner oder an eigenen Rassismen. Ein paar wenige Bemerkung sind in [eckigen Klammern] angebracht.

Allgemeines:
In der Geschichte des Rassismus gegen Schwarze in den USA kam es in den 1960er Jahren zu den größten Bürgerrechtsbewegungen der schwarzen Bevölkerung. Malcolm X und Martin Luther King zählten zu den bekanntesten Bürgerrechtlern dieser Jahre.

Die Ermordung von Malcolm X 1965 löste landesweit schwere Unruhen aus, in deren Verlauf über 300 Schwarze von Militär und Polizei getötet wurden. Zwei junge Schwarze in West-Oakland, Kalifornien, Huey Newton und Bobby Seale, gründeten daraufhin Anfang 1966 die Black Panthers Party for Self-Defense, um die Ideen von Malcolm X umzusetzen. Dazu verteilten sie unter der Bevölkerung ein 10-Punkte-Programm, in welchem sie

  • Freiheit und Selbstbestimmung,
  • Beschäftigung,
  • ein Ende der Ausbeutung,
  • menschenwürdige Wohnungen,
  • ein reformiertes Bildungssystem,
  • die Freistellung vom Militärdienst,
  • ein Ende der willkürlichen Polizeigewalt,
  • die Freilassung aller schwarzen Gefangenen wegen Benachteiligung während der Verhandlungen,
  • faire Gerichtsprozesse vor schwarzen Geschworenen und durch schwarze Ankläger sowie
  • einen Volksentscheid unter der schwarzen Bevölkerung über deren nationales Schicksal

forderten. Kurz darauf waren schon 100 Leute Mitglied.

Im Oktober 1967 wurde der Mitbegründer Huey Newton von der Polizei in Oakland angeschossen und noch während der Operation massiv bedroht. Kurz darauf wurde er wegen Mordes an einem Polizisten verhaftet und angeklagt. Diese Verhaftung löste eine Protestwelle aus, an der sich auch Weiße beteiligten. Die Mitgliederzahlen wuchsen rasant an, es bildeten sich landesweit Ortsgruppen. Auch andere Minderheiten gruppierten sich, und aus dem Ausland kamen Sympathieschreiben und Gelder.

1968 wurde der Zusatz Selbstverteidigung gestrichen, weil die Panther sich nicht mehr vor der Polizei oder dem Staat verstecken mussten, der zum Gegenschlag ausholte. Das FBI (COINTELPRO-Programm) begann, Ortsgruppen zu unterwandern und einzelne Mitglieder willkürlich zu verhaften und mit gefälschten und echten Aussagen vor Gericht zu bringen. Der Chef der Behörde, J. Edgar Hoover, bezeichnete die Gruppe als größte Bedrohung der nationalen Sicherheit.

(COINTELPRO = COunter INTELligence PROgram:  steht für ein ehemals geheimes Programm der US-Bundespolizei FBI, das die systematische Überwachung, Unterwanderung und Störung von politischen Organisationen und politisch aktiven Privatpersonen innerhalb der USA umfasste. Hintergrund war eine allgemein stark antikommunistische Stimmung und die teilweise zwanghafte Vorstellung, vor allem von FBI-Chef J. Edgar Hoover, dass sich hinter jeder regierungskritischen Bewegung oder Person der Einfluss sowjetischer KGB-Spione verbergen könnte. Das Programm wurde nach seinem Bekanntwerden in den 1970ern zum Gegenstand parlamentarischer Untersuchungen und gilt als Begleiterscheinung bzw. Folge der so genannten McCarthy-Ära. Es umfasste zahlreiche illegale Aktivitäten, darunter die Strafverfolgung von Menschen aufgrund durch das FBI gefälschter Beweismittel, und willkürliche Gewaltanwendung bis hin zu politischen Morden an missliebigen Personen.)

Zwei Tage nach der Ermordung Martin Luther Kings am 4. April 1968 wurde das Panthermitglied Bobby Hutton ermordet. Die Verhaftungswelle rollte weiter. Auch die Waffengewalt eskalierte. Anfang 1969 wurden drei weitere Mitglieder von Agenten des FBI getötet und zwei verletzt. Im Dezember wurde der Vorsitzende der Ortsgruppe Chicago, Fred Hampton, und ein weiteres Mitglied der Black Panther getötet, drei weitere Mitglieder, darunter die schwangere Verlobte Hamptons, verletzt.

Illegale Hausdurchsuchungen und Verhaftungen wechselten mit Vergeltungsschlägen der Panthers. Polizisten und FBI-Agenten drangen in die Gesundheitsstationen ein und vernichteten Medikamente oder lösten die Frühstücksrunden auf. Allein die Verhaftungen (740) und die zu bezahlenden Kautionen (rund fünf Millionen US-Dollar) der Jahre 1968 und 1969 leerten die Kassen der Gruppierungen. Viele Aktionen mussten eingestellt werden, wie auch die meisten der Verfahren, diese allerdings zum Teil erst Jahre später. Zwischen 1967 und 1970 wurden rund 40 Mitglieder ermordet und über 85 schwer verletzt. Noch heute sitzen ehemalige Black Panthers – wie Ruchell „Cinque“ Magee, der zusammen mit Angela Davis verhaftet worden war – in Gefängnissen für Taten ein, die ihnen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten.

Anfang der 70er Jahre gab es rund 100 Ortsgruppen. Durch die Manipulationen des FBI wie gefälschte Briefe mit Drohungen, Infiltration, Versorgung mit Drogen zeigten sich erste Spannungen. Huey Newton, der erst kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war, nachdem die Anklage wegen Mordes endgültig fallengelassen werden musste, und die meisten Mitglieder des Hauptvorstandes gerieten zunehmend in Streit mit Ortsgruppen vor allem an der Ostküste. Dies führte 1971 zur Spaltung der Black Panthers in zwei Fraktionen. Eine sprach sich für legale Arbeit in den Stadtteilen, die andere für den bewaffneten Kampf aus. Zehn Jahre später trat die Bewegung nicht mehr öffentlich in Erscheinung.

 


Inhalt
1. Einleitung
1.1. Zeitumstände – 1.2. Fragestellung –
1.3. Vorgehensweise – 1.4. Literatur- und Quellenlage
2. Übersicht über einige bedeutende Bündnisse
2.1. Die Koalition mit der „Peace and Freedom Party“
2.2. Die Allianz mit SNCC („Stundent’s non-violent coordination committee“)
2.3. Die Beziehung zum SDS (Students for a Democratic Society)
2.4. Die Ablegerbewegungen
2.5. Die Frauenbewegung
3. Gruppen, mit denen keine Bündnisse geschlossen wurden
3.1. Die Kommunisten
3.2. Die kulturellen Nationalisten
4. Bündnis-Kriterien
4.1. Rassen?
4.2. Proletariat?
4.3. Geschlecht?
4.4. Politische Orientierung?
5. Wie funktionieren die Partnerschaften?
5.1. Partnerschaft oder Dominanz?
5.2. Misstrauen
5.3. Personenkult
6. Gründe für das Scheitern der Allianzen
6.1. Ideologische Differenzen
6.2. Differenzen in Sachfragen
6.3. Persönliche Differenzen
7. Taktik oder Strategie?
7.1. Taktische Bündnisse
7.2. Strategische Allianzen
8. Nachwort
8.1. Forschungsergebnisse
8.2. Weiterer Werdegang der BPP und ihrer Mitglieder9. Bibliographie (fehlt)
9.1. Gedruckte Quellen
9.2. Darstellungen
(S.2)

 

1. Einleitung

1.1. Zeitumstände [Kampf um Befreiung von Rassismus und Benachteiligung – die einzelnen Gruppen sehen verschiedene Wege]

Die Black Panther Party, nachfolgend mit BPP abgekürzt, wurde 1966  von Huey P. Newton und Bobby Seale in Oakland, Kalifornien, gegründet. Ihre Gründung fällt in eine turbulente Zeit der amerikanischen Innen- und Aussenpolitik.In den Südstaaten erkämpften die Schwarzen unter Führung von Dr. Martin Luther King die Überwindung der Rassentrennung. Im Norden zeigte sich die Situation für die Schwarzen etwas anders. Hier sind und waren sie nicht das Opfer eines staatlich geleiteten Rassismus, aber sie waren doch stark benachteiligt. Sie wohnten in Ghettos, hatten schlecht bezahlte Arbeitsstellen, schlechtere Schulbildung und so weiter.Aufgrund dieser nicht zufriedenstellenden Situation setzten sich die Schwarzenbewegungen neue Ziele. Es ging nicht mehr darum, die Gleichberechtigung vor dem Gesetz zu erlangen, sondern von den Menschen gleichberechtigt behandelt zu werden.

Einige Bewegungen versuchten, den Schwarzen durch die Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln ein neues Selbstbewusstsein zu vermitteln, in der Annahme, dass nur die[jenigen] Menschen sich gleich behandeln, die sich auch gleichwertig sehen. Den Schwarzen sollte ihr „Sklavenbewusstsein“ genommen werden.

Die andere Gruppe sagte sich, dass die Schwarzen in einem Land mit weisser Mehrheit nie als gleichberechtigter Partner angesehen werden würden. Sie folgerten aus dieser Annahme, dass die Schwarzen ökonomisch und politisch für sich selbst sorgen müssten. Wie diese Selbstverwaltung auszusehen hätte und ob Weisse als Partner oder Mitbewohner der Schwarzengebiete geduldet werden würden, darüber hatte jede Gruppierung ihre eigenen Ansichten.

[Weisse Demokratiebewegungen: Studenten in Berkeley und Hippies in San Francisco]
Aber nicht nur die Schwarzen waren auf der Suche nach neuen Ideen und Ansätzen zur Lösung ihrer Probleme. Die weisse Jugend hatte genug vom amerikanischen Traum. Es entstanden neue Parteien, Gruppen und Lebensphilosophien. An dieser Stelle müssen vor allem die Students for a Democratic Society (SDS) mit Hauptsitz in Berkeley und die Hippies, deren gelobtes Land San Francisco war, hervorgehoben werden, da die Zentren dieser Bewegungen in unmittelbarer Nähe zu Oakland, dem Hauptquartier der BPP, lagen.

1.2. Fragestellung

[Koalitionspolitik und Bündnispolitik der BPP: Warum das dauernde Scheitern?]
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Koalitionspolitik der BPP liefern. Es soll dabei gezeigt werden, welche Besonderheiten sich im Vergleich zu anderen Bewegungen der 1960er Jahre sich dabei ergeben. Wenn ich versuche zu erklären, auf welcher Basis die Koalitionen (S.3) zustande kommen, muss ich dabei auch die ideologische Grundlage oder die realpolitischen Entscheidungen der Partnerbewegungen berücksichtigen, so dass sich die Arbeit nicht allein auf die BPP konzentriert.

Die Arbeit soll klären, wie sich die BPP ihre Partner aussuchte, wie die Zusammenarbeit funktionierte und welche Gründe angegeben werden können, warum die Partnerschaften oft bald wieder zerbrachen.

Eine weitere Frage, die ich zu klären versuchen will, ist, ob die Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen für die BPP jeweils eher aus taktischen, auf ein kurzfristiges Ziel gerichteten, Erwägungen, oder aus strategischem Kalkül aufgenommen wurden.

1.3. Vorgehensweise

Im Hauptteil werde ich zunächst chronologisch auf die Beziehungen mit den verschiedenen Bewegungen und Parteien eingehen. Danach werde ich versuchen, diese Koalitionen zu systematisieren und nach den oben genannten Fragestellungen zu untersuchen.

1.4. Literatur- und Quellenlage

Die Quellenlage ist als gut zu betrachten. Allerdings besteht das Problem, dass viele Quellen hier in der Schweiz nicht verfügbar sind, z.B. die Ausgaben der Parteizeitung „The Black Panther“.

Es wurden auch viele Darstellungen über die BPP geschrieben, aber auch hier muss wieder einschränkend angemerkt werden, dass amerikanische Innenpolitik der 1960er Jahre nicht zum Hauptsammlungsschwerpunkt schweizerischer Bibliotheken gehört. Zumindest sind kaum Bücher spezifisch über die BPP zu finden. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass mehrere Personen gleichzeitig eine Arbeit über verschiedene Teilaspekte der BPP geschrieben haben, so dass man häufig auf ein Buch warten oder verzichten musste (S.4).

2.1. Die Koalition mit der „Peace and Freedom Party“ [in San Francisco]

Als erstes Bündnis der BPP kann die Koalition mit der „Peace and Freedom Party“ bezeichnet werden, obwohl in der Literatur einige Wissenschaftler anderer Meinung sind. Die „Peace and Freedom Party“ war ein Zusammenschluss verschiedener weisser radikaler und liberaler Gruppen vor allem im Gebiet rund um San Francisco (Bay Area). Diese war mit dem Ziel gegründet worden, eine Alternative zu den zwei bekannten Wahlparteien (Republikaner und Demokraten) zu bieten.[Gemeinsame Wahlliste – Kandidaten Huey P. Newton und Bobby Seale – die Motive: Die BPP braucht Geld – die „Peace and Freedom Party“ braucht Wählerstimmen]
Die „Peace and Freedom Party“ sollte durch die Zusammenarbeit auf die Wahlliste kommen, da die BPP dafür sorgen würde, dass sie von den Schwarzen unterstützt würde. Im Gegenzug würden sie die Kandidatur von Huey P. Newton für den Kongress und von Bobby Seale für das Repräsentantenhaus unterstützen und Geld für die Verteidigung von Huey P. Newton bereitstellen. Dieser sass im Frühjahr 1968, als die Koalition entstand, bereits unter Mordanklage im Gefängnis.Bei dieser Zusammenarbeit hat man das Gefühl, dass hier zwei Gruppen am Werk waren, die sich gegenseitig übervorteilen wollten. Die BPP suchten Leute, die Geld für die Verteidigung von Newton spendeten,  und die anderen brauchten genug Unterstützer, so dass sie auf die Wahlliste gesetzt wurden.[Die BPP braucht Geld – will aber keine Wählerstimmen hergeben]
Die BPP waren sich von Anfang an im Klaren, was sie von den anderen wollten:“Eldridge (Cleaver) rief mich an und bat mich, zu ihm herüberzukommen, damit ich ein paar Leute kennenlernte, die uns Geld als Hilfe für Hueys Befreiung geben wollten. Als ich zu ihm kam, erzählte er mir, dass eine Organisation, die ‚Peace and Freedom Party‘, auf die Wahlliste zu kommen versuchte, und sie fragte uns, ob sie in die schwarze Wohngemeinde gehen und dort Leute als Parteimitglieder gewinnen könnte.“[1]Das wollten die Panther eigentlich nicht, da die schwarzen Wohngebiete ihr Revier waren. Andererseits wollten sie aber auch die Unterstützung der Weissen für ihre Anliegen gewinnen. So kam es zum Zusammenschluss. Die BPP meinte, dass sich die Schwarzen besser ihrer Organisation anschliessen sollten. Sie betrachteten „die ‚Peace and Freedom Party‘ als eine überwiegend weisse Organisation für die Weissen.“[2][Die Zusammenarbeit lockert sich bald]
Bald zeigte sich aber, dass die beiden Organisationen nicht lange zusammenarbeiten würden. Das Hauptziel der BPP zu dieser Zeit war, dass Huey P. Newton aus dem Gefängnis freikam. Die „Peace and Freedom Party“ stand nach Meinung der BPP zu wenig hinter ihren Zielen. Darum wurde die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen bald weniger eng (S.5).2.2. Die Allianz mit dem SNCC („Student’s Non-Violent Coordination Committee“)[3]

[Die BPP will vom landesweiten Netz des SNCC profitieren]
Die BPP waren noch eine recht junge Gruppierung, als es im Frühjahr 1968 zu dieser Allianz kam. Die BPP wollte vor allem von der Erfahrung von SNCC profitieren, wie man eine Gruppe landesweit organisieren kann. Daneben wollten sie ihren Einfluss auch ausserhalb von Oakland verstärken, da das SNCC landesweit operierte. Die BPP war zu dieser Zeit immer noch eine Gruppe, deren Mitglieder sich vorwiegend aus Oakland rekrutierten.

[Motiv 1: Das Problem der BPP: Die BPP braucht kontrollierte Beziehungen im ganzen Land]
Das Problem der BPP war, dass sie durch einige Medienauftritte in der ganzen „USA“ bekannt wurde und aus vielen Städten der Wunsch an sie herangetragen wurde, auch dort Ableger zu gründen.

„Jemand fragt, ob er einen lokalen Ableger der Partei gründen darf. Wir werden den ganzen Tag lang angerufen. Des Moines, Virginia Beach, Atlanta. … Wir sind nicht daran interessiert zu wachsen, nur damit wir eine grössere Anzahl Leute sind.“[4]

Hier setzten die Probleme der BPP an, denn bisher war sie – wie oben gesagt – lediglich in Oakland verwurzelt, und die führenden Mitglieder der Partei waren sich zum grossen Teil durch langjährige persönliche Freundschaft eng verbunden (Seale und Newton kannten sich vom College, Newton und Hilliard waren zusammen aufgewachsen, etc.).

Aufgrund dieser Tatsache konnte die Partei bisher relativ einfach organisiert werden. Die Führer kannten einander, wussten, welche Fähigkeiten jeder hatte und vertrauten sich völlig; aber wie verhält man sich gegenüber Fremden, die ja auch Polizeispitzel sein könnten? Welche Aufgaben kann man ihnen delegieren etc.?

In diesen Punkten wollten die Panther-Führer auf die Erfahrungen des SNCC aus dessen längerer Geschichte zurückgreifen.

„Bei einer privaten Zusammenkunft erklärt uns James Forman [Chef des SNCC] die „ten-ten-ten“ Organisationsstrategie von SNCC. Jede Einheit ist dafür verantwortlich, mit einer anderen Kontakt aufzunehmen. Auf diese Weise kann ein starkes, flexibles Netzwerk von Parteikadern gebildet werden, die sich über Nacht mobilisieren lassen. Diese Idee übernehmen wir [BPP] schnell (und wenden sie während der ganzen Parteigeschichte an).“[5]

[Motiv 2: Die BPP will mit gemeinsamen Demonstrationen mit der SNCC den Führer Newton freibekommen]
Ein zweiter Punkt, der die BPP interessierte, war die mit den Panthern verglichen grosse Zahl der SNCC-Mitglieder. Diese Ressource sollte der BPP helfen, Newton zu befreien: einerseits durch Massendemonstrationen, andererseits durch Geldspenden, um Aktionen zu organisieren und Anwälte und Helfer zu bezahlen (S.6).

[Motiv 3: Die BPP will von der Popularität von SNCC-Führer Stokeley Carmichael profitieren]
Ein letzter Grund für die BPP, mit dem SNCC zusammenzuarbeiten, war die Popularität von Stokeley Carmichael. Die BPP brauchte dringend ein Aushängeschild neben Cleaver, um Massenveranstaltungen im ganzen Land abhalten zu können. So ernannten sie Carmichael zu ihrem „Prime Minister“. Zwei weitere SNCC-Vorstandsmitglieder wurden ins Zentralkomitee der BPP aufgenommen: James Forman als „Minister of Foreign Affairs“ und H. Rap Brown als „Minister of Justice“.

[Motiv des SNCC: Es will von der Popularität der BPP profitieren]
Auch der SNCC hatte gute Gründe, den Zusammenschluss mit der BPP zu suchen. Die BPP war dabei, das SNCC als die bisher bekannteste Organisation von schwarzen Nationalisten zu verdrängen.[6] Das SNCC wollte also von der aufstrebenden Popularität der BPP profitieren und seine Position in den schwarzen Ghettos stärken.

Bald gab es jedoch Probleme zwischen den beiden Organisationen. Es gab schon Diskussionen darüber, wie die Zusammenarbeit nun genau aussehe.

„Am 11. Februar 1968 verkündete Eldridge Cleaver, Informationsminister der BPP, die Fusion zwischen den Panthers und des SNCC.“[7]

Auf der anderen Seite beharrte Forman [Chef des SNCC] darauf, dass es sich um eine Allianz handle.

[Weisse arbeiten für die BPP – die BPP koaliert mit weissen Gruppen – das ist für das SNCC ein Problem]
Die SNCC-Führungsspitze hatte nicht damit gerechnet, dass es innerhalb ihrer Organisation zu einem Widerspruch gegen diese Zusammenarbeit kommen würde. Es ging dabei vor allem um die Rolle der Weissen für die BPP. Weisse wurden zwar von den Panthers nicht als Mitglieder aufgenommen, doch gingen sie mit weissen Organisationen Koalitionen ein und sie beschäftigten mit Charles R. Garry einen weissen Rechtsanwalt für die Verteidigung von Newton. Das war für die Leute von SNCC ein Problem.

[Das SNCC hat 1966 alle Weissen rausgeworfen]
Das SNCC war eine Gründung und Vereinigung von Schwarzen und Weissen. Lange Zeit jedoch spielten die Weissen in dieser Organisation eine führende Rolle. Erst mit dem Aufkommen der „Black Power“-Bewegung änderte sich die Zusammensetzung der Organisation. Nachdem Carmichael den Vorsitz der Bewegung übernommen hatte, war die Organisation 1966 von allen verbliebenen Weissen gesäubert worden.[8]

Die Mitglieder von SNCC fürchteten sich aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit vor einer engen Anbindung an Organisationen, in denen Weisse die Führungsrolle innehatten.

[Auflösung der Allianz BPP – SNCC 1968 – Untergang des SNCC]
Gegen Ende Sommer 1968 wurde die Beziehung zu der BPP vom SNCC aufgelöst. Keine der beiden Organisationen war stark genug gewesen, um die andere zu kontrollieren und für ihre (S.7) Zwecke einzusetzen.[9] Ein Jahr später spielte das SNCC übrigens auf nationaler Ebene keine Rolle mehr.

2.3. Die Beziehung zum SDS (Students for a Democratic Society)

[Sporadische Zusammenarbeit zwischen BPP und SDS je nach Situation]
Im März 1969 verabschiedete der SDS eine Resolution, in der die BPP zur Speerspitze der schwarzen Befreiungsbewegung erklärt wurde und der SDS die Partei und ihr Programm zur „Befreiung der schwarzen Kolonie“ vollständig unterstützte.[10] Nach der Theorie Fanons musste jede Gruppe, die eine „Kolonie von Unterdrückern“ befreien wollte, auch über eine Unterstützungsgruppe im „Mutterland“ verfügen. Für diese Rolle war der SDS vorgesehen.

Dennoch kam es nicht zu einer förmlichen Verbindung zwischen den beiden Gruppen. Die Zusammenarbeit erfolgte je nach Gelegenheit.

[Motiv der BPP: Gemeinsame Demonstrationen zur Freilassung von BPP-Führer Newton]
Im Vordergrund stand für die BPP, in der Anfangszeit auch den SDS in die Kampagne zur Befreiung von Huey P. Newton einzugliedern. Dies blieb bis zu Newtons Freilassung 1970 einer der wichtigsten Gründe, warum Partnerschaften eingegangen wurden.

[Die SDS spaltet sich z.T. wegen der BPP]
Dennoch nimmt die BPP in der Geschichte des SDS eine wichtige Rolle ein. Sie waren nämlich mit ein Grund für die Spaltung des SDS. Innerhalb des SDS hatten sich mehrere Fraktionen gebildet. Für diese Arbeit sind nur die Progressive Labor Party (PL) und die Weathermen relevant.

[Motiv der Progressive Labor Party: Vergrösserung durch SDS für revolutionäre Arbeit]
Die PL wollte den SDS aus dem studentischen Milieu herauslösen und enger mit der Arbeiterklasse zusammenarbeiten, wobei der PL dabei natürlich die Rolle der revolutionären Avantgarde zufallen würde.[11]

[Motiv der Weathermen: Eine bewaffnete Jugendbewegung schaffen mit Ziel der bewaffneten Revolution – Anschläge]
Die Weathermen dagegen wollten eine klassen- und rassenübergreifende, revolutionäre Jugendbewegung schaffen. Sie legten besonderen Wert auf die bewaffnete Selbstverteidigung und betrachteten sich als weisses Pendant zu den Black Panthers.

Doch auch hier kam es bald zu Differenzen, da man sich nicht darüber einig war, ob der Zeitpunkt zur Revolution gekommen sei und welche Taktik nun anzuwenden sei. Die BPP war sich im Klaren darüber, dass man sich auf einem langen Weg befand und das Land noch nicht reif für eine Umwälzung war. Die Weathermen waren der Ansicht, dass nun der richtige Zeitpunkt für den Beginn des Guerilla-Kampfes gekommen sei, gingen in den Untergrund und begannen mit ihren Anschlägen.[12] (S.8)

2.4. Die Ablegerbewegungen

[BPP-Untergruppen anderer Hautfarbe und Indianerbewegungen im Schlepptau der BPP – Rassismus der BPP-Gruppen unter sich]
Schon früh bildete die BPP eigene Ableger unter den Angehörigen anderer Rassen. Es gab die „Brown Berets“ (Chicanos), die „Young Lords“ (Puertoricaner), die „Red Guards“ (chinesische Amerikaner), die „Young Patriots“ und die „White Panther“ (Weisse).[13]

Auch die „Emanzipationsbewegung“ der amerikanischen Urbevölkerung war vom Programm der BPP angetan. Das Verhältnis zu diesen Gruppen war für die BPP etwas einfacher, da hier ihr Führungsanspruch unbestritten war. Diese Gruppen übernahmen Philosophie, Programm und Regeln der BPP ohne substantielle Änderungen. Damit verfügte die BPP über revolutionär gesinnte Partnerorganisationen in allen Bevölkerungsgruppen.

Die Zusammenarbeit mit diesen Ablegerbewegungen war intensiver und länger andauernd, da diese keine eigenständige politische Philosophie entwickelten und immer von den Ansichten der BPP abhängig blieben.

Mit der Bildung dieser Ablegerorganisationen hofften die Panther, eines ihrer Probleme zu lösen. Sie konnten so für alle Rassen eine Organisationsbasis anbieten, ohne ihre eigene Partei für andere Rassen öffnen zu müssen, oder auf bereits vorhandene Organisationen zurückgreifen zu müssen.

[Oft nur beschränkter Einfluss der BPP-Untergruppen]
Andererseits muss festgehalten werden, dass einige dieser Organisationen nicht sehr erfolgreich waren, oder nur über begrenzten, lokalen Einfluss verfügten. Die „Young Lords“ [Puertoricaner] waren vor allem im Gebiet der Grossen Seen aktiv und warben als Parteimitglieder arme Weisse, die meistens aus den Appalachen zugewandert waren, und von den meisten anderen Organisationen als Hinterwäldler verachtet wurden. Die „Young Lords“ waren ursprünglich eine puertoricanische Strassengang in Chicago. Nach dem Vorbild des dortigen Panther-Ablegers wurden sie politisch aktiv und gründeten einen Ableger in New York.

2.5. Die Frauenbewegung

[Die BPP belächelt zuerst die Frauenbewegungen – Newton empfiehlt die Zusammenarbeit]
Auch die aufkommende Frauenbewegung akzeptierten die Panthers zu Anfang der 1970er Jahre. Bei früheren Gelegenheiten hatten sich die Panther noch mit verächtlichen Äusserungen gegenüber den Frauen ins Abseits manövriert. Sie hatten die aufstrebende Frauenbewegung im SDS öffentlich als „Pussy Power“ tituliert.[14]

Andererseits verfügte die BPP im Vergleich zur SNCC oder den Kulturnationalisten um Karenga oder Baraka über ein sehr aufgeklärtes und modernes Frauenbild. So verwundert es nicht, dass die BPP ein Arbeitsbündnis mit den „revolutionären) Frauen- und Homosexuellenbewegungen eingehen wollten.

Zu seinen Parteigenossen sagte Newton:

„Was auch immer eure persönliche Meinung und eure (S.9) Unsicherheiten gegenüber Homosexualität und die verschiedenen Bewegungen unter Homosexuellen und Frauen sein mögen (und ich spreche hier von Homosexuellen und Frauen als unterdrückte Gruppe), sollten wir versuchen, mit diesen [Bewegungen] in einer revolutionären Art zusammenzugehen.“[15]

[Motiv der Kommunisten: Mit der BPP wieder an Macht im Land gewinnen]
Die Kommunisten[16] wünschten sich eine engere Zusammenarbeit, da ihnen kaum mehr Einfluss auf die schwarze Gemeinde geblieben war. Historisch gesehen waren die Kommunisten Vorreiter der politischen und sozialen Integration der Schwarzen in die amerikanische Gesellschaft. Aber schon seit einiger Zeit fehlten der Kommunistischen Partei die schwarzen Mitglieder. Der schwarze Ruf nach „Black Power“ hatte diese Entwicklung noch verstärkt.Die Kommunisten hofften nun, mit Hilfe der BPP wieder zu mehr Einfluss unter den Schwarzen zu kommen. Ihre Hoffnung begründete sich primär darauf, dass sich die BPP als vom Marxismus-Leninismus beeinflusst bezeichnete.[Die Kommunisten propagieren die Rechte der BPP – aber die BPP findet die Kommunisten zu hierarchisch]
Die Kommunisten versuchten nun, sich der BPP als Bündnispartner anzubieten. Sie machten sich stark für die Anliegen der BPP. Die Kommunisten gehörten zu den ersten politischen Kräften im Land, die den Staat aufforderten, die brutalen Polizeiaktionen gegen die BPP einzustellen. Die Panther sprachen zwar davon, mit weissen Radikalen Allianzen einzugehen. Damit war aber nicht die Kommunistische Partei gemeint.Wie alle anderen Bewegungen, die sich zur „Neuen Linken“ zählten, hatten auch die Black Panthers extreme Vorbehalte gegenüber der „Alten Linken“, mit andern Worten: den Kommunisten. Hier ging es besonders darum, dass die „Neue Linke“ sich bewusst von ihren Vorgängern distanzieren wollte, da ihr diese zu hierarchisch und dogmatisch waren.[17][Die Schwarzen brauchen keinen erfolglosen Marx oder Lenin in den „USA“]
In den Vereinigten Staaten gab es einen weiteren Grund, warum man sich von der „Alten Linken“ distanzieren wollte. Die Kommunistische Partei Amerikas war für die meisten Leute der Inbegriff der Erfolglosigkeit. [Die kommunistischen Parteien wurden nach dem Auftauchen von Atombomben in der UdSSR in den 1950-er Jahren durch staatliche Verfolgung politisch systematisch vernichtet, mit langen Gefängnisstrafen gegen Funktionäre etc.]. Mit einer Partei, die keines ihrer Ziele erreicht hatte, und die in der breiten Öffentlichkeit (auch durch die Kommunistenhetze) über ein extrem schlechtes Ansehen verfügte, mochte sich keiner identifizieren. Eldridge Cleaver empfahl den Schwarzen, dass sie die Kommunisten zu den Grenzen der schwarzen Gemeinde (S.10) führen sollten, um sie davor zu warnen, mit ihrer Literatur und Propaganda nicht mehr zurückzukehren.[18]

3.2. Die Kulturellen Nationalisten

Die andere Gruppe, mit der sich die BPP niemals einlassen würde, waren die Kulturellen Nationalisten. Damit sind auch die Black Muslims gemeint [darunter Mohammed Ali etc.].[19]

[Uneinigkeit über Prioritäten: Klassenkampf oder Rassenkampf?]
Zwischen der BPP und den Kulturellen Nationalisten herrschte nicht nur Streit darüber, ob man mit Weissen zusammenarbeiten dürfe. Die BPP war der Ansicht, dass ihr Kampf für die Schwarzen zuerst ein Klassenkampf sei, den sie mit den anderen unterdrückten Klassen zusammen führen könne.

Die Kulturellen Nationalisten waren der Meinung, dass es zuerst um einen Rassenkampf gehe und [dass man] erst danach über eine Revolution zur Änderung der politischen, ökonomischen und sozialen Realitäten nachdenken könne.[20]

Was die BPP über die Kulturellen Nationalisten dachte, gibt wohl am besten das folgende Zitat von Linda Harrison aus dem „Black Panther“ [Zeitung] vom 2. Februar 1969 wieder:

„Kultureller Nationalismus stellt sich auf verschiedene Arten dar, aber alle diese Erscheinungsformen basieren grundsätzlich auf einer Tatsache: Eine vollständige Verleugnung und Ignorierung der aktuellen politischen, sozialen und ökonomischen Realität, und die Konzentration auf die Vergangenheit als Grundlage der eigenen Überzeugung. … Und Kultureller Nationalismus basiert zumeist auf Rassismus. Wir hören ‚Hasst Weissis‘ und ‚Tötet den Honkey‘ [Schreihals]. … In allen Fällen versucht Kultureller Nationalismus mitten im Kampf, eine rassistische Ideologie zu erzeugen.“[21]

[Die verschiedenen Ansichten über Rassismus – die BPP meint, Rassismus sei ein Mittel der Oberschicht, um die unteren Klassen gegeneinander auszuspielen]
Zwischen diesen Bewegungen gab es also unüberbrückbare ideologische Differenzen. Besonders der Rassismus-Vorwurf war von der BPP gegenüber den Kulturellen Nationalisten immer wieder hervorgehoben, was insofern nicht erstaunlich war, da die BPP von sich selbst behauptete, nach der Überwindung des Rassismus zu trachten.

In den Augen der BPP war der Rassismus nicht aus Böswilligkeit der Weissen entstanden. In ihrer Theorie war er ein Instrument der besitzenden Klasse,

„die Arbeiterschaft zu spalten, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen, den Klassenkampf zum Rassenkampf zu pervertieren und damit die (S.11) bestehenden Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse aufrechtzuerhalten.“[22]

Daraus folgte einerseits, dass der Rassismus soweit als möglich bekämpft werden müsse, um die unterdrückten Klassen zu vereinen (Bündnispolitik), und andererseits, dass das politische System geändert werden müsse, da sich der Rassismus nach Ansicht der BPP in einem sozialistischen System leichter bekämpfen liesse, da er dort de-instrumentalisiert sei.

4.1. Rassen?

Wenn man sich die vorhergegangenen Seiten durchschaut, fragt man sich bald: „Haben die überhaupt Kriterien, nach denen sie ihre Partner auswählen?“Diese Frage kann man sicher mit „Ja“ beantworten. Es fehlen aber die Kriterien, die man bei einer schwarzen Bewegung am Ende der 1960er Jahre, die sich noch dazu als nationalistisch bezeichnet, erwartet.Im Klartext heisst das, dass der BPP egal war, ob ihre Partnerorganisation mehrheitlich aus Weissen, Braunen, Roten, Gelben oder Schwarzen bestand. Bobby Seale meinte dazu:“Bündnisse zwischen verarmten, unterdrückten Völkern kommen leicht zustande. Die verarmten, unterdrückten Völker sind es ja, die ihre politischen Forderungen und Bedürfnisse dringend vorbringen müssen. Sie müssen erklären, was getan werden sollte und was nicht. Die Organisationen des Lumpenproletariats sind eben die, mit denen wir uns gut verstehen können.“[23][Es fehlt eine effiziente Partei gegen die weisse Rasse]

Und Eldridge Cleaver schrieb in seinem offenen Brief an Stokely Carmichael von 1969:

„Eine Sache, die sie (die Feinde der Schwarzen) wissen und die wir wissen, die euch (SNCC) zu entgehen scheint, ist, dass es da keine Revolution oder Befreiung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten geben wird, solange revolutionär gesinnte Schwarze, Weisse, Mexikaner, Puertoricaner, Indianer, Chinesen und Eskimos nicht willig oder nicht fähig sind, sich in einer funktionierenden Organisation zusammenzuschliessen, die mit der Situation erfolgreich umgehen kann.“[24]

[Die schwarz-rassistische BPP hat nur Schwarze hinter sich – Bündnisse mit anderen Rassistengruppen für eine „Revolution“]

Es zeigt sich in den oben angeführten Statements, dass sich die BPP bewusst war, dass auch im Idealfall wohl nur die Schwarzen hinter ihr stehen würden (10 % der Wohnbevölkerung). Die Realität sah noch düsterer aus. Newton musste 1970 einsehen, dass die Partei nicht von der Mehrheit der Schwarzen unterstützt wurde, sondern vor allem die Unterstützung von (S.12) radikalen Weissen genoss.[25]

Die BPP war sich der alten marxistischen Maxime bewusst, dass nur eine Massenorganisation eine Revolution herbeiführen kann. Da mit den Schwarzen alleine kein genügend grosses revolutionäres Potential vorhanden war, musste die BPP mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die ein ähnliches Ziel verfolgten.

4.2. Proletariat?

[Für den Marxismus der „Alten Linken“ ist das Proletariat nur eine Rangiermasse]

Die oben angeführte Äusserung von Bobby Seale zeigt aber auch sehr deutlich, dass die BPP sich vom orthodoxen Marxismus entfernt hatte und eine deutlich fanonistische Position eingenommen hatte.
Der orthodoxe Marxismus sieht im „Lumpenproletariat“ eher eine Gefahr für die Revolution als die eigentlich revolutionären Triebkräfte:

„Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft, wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert. Seiner ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu lassen.“[26]

[Fanon lehnt die Arbeiterklasse und die Stadtbevölkerungen ab, denn dort sei zu viel weisser Einfluss vorhanden]
Wie sieht das aber bei Fanon aus, der spezifisch die kolonialen Verhältnisse betrachtet hatte, die ja nicht unbedingt mit der europäischen Realität übereinstimmen mussten, auf der die Analyse von Marx und Engels basierte?

Fanon war der Meinung, dass im kolonialen Umfeld nicht auf die Arbeiterklasse oder die Einwohner der Städte als revolutionäre Klasse gezählt werden dürfe, da diese einerseits keine grosse Anzahl von Leuten darstellten und andrerseits von den Kolonialherren eher bevorzugt behandelt würden.[27]

Fanon sah als Revolutionsträger zwei Gruppen: Die bäuerliche Landbevölkerung und das Lumpenproletariat in den Städten.[28]

Da die BPP und ihre Partner ausserhalb der Städte kaum Rückhalt hatten, konzentrierten sie sich vor allem auf die Organisation des „Lumpenproletariats“. Vor allem die BPP räumte dem „Lumpenproletariat“ eine wichtige Rolle bei der künftigen Revolution ein. Diese Haltung führte teilweise zu Spannungen mit mehr studentisch-mittelständisch geprägten Organisationen wie SNCC oder SDS.

4.3. Geschlecht?

[Emanzengruppen sind problemlose Bündnispartner]
Wie wir gesehen haben, spielte das Geschlecht keine grosse Rolle für die BPP. Eine Arbeitsgemeinschaft mit der Frauenbewegung wurde etabliert. Eine genauere Analyse des Verhältnisses von Mann und Frau in der BPP ist Thema einer eigenen Arbeit, darum werde ich an dieser Stelle nicht weiter in die Tiefe gehen. Wir haben aber in der Übersicht über die (S.13) Bündnisse gesehen, dass die BPP keine Angst vor emanzipierten Frauen hatte. Die Frauenbewegung wurde von der BPP ebenfalls als Bewegung einer unterdrückten Klasse angesehen und passte daher in ihre Bündnispolitik.

4.4. Politische Orientierung?

[Gegenseitige Bündnisse mit allen Gruppen der „Neuen Linken“]
Alle Gruppen, mit denen die BPP eine Zusammenarbeit startete, gehörten zur „Neuen Linken“ oder zumindest zum „Movement“. Die BPP hat sich nämlich auch der Friedensbewegung und der Hippies bedient, und diese der BPP. Das heisst, dass nicht nur Bewegungen unterstützt wurden, die auf einen revolutionären Umsturz in den „USA“ hinarbeiteten.

[Zusammenarbeit der BPP mit der Friedensbewegung:
Motiv 1: Für Frieden in Vietnam – Ziel ist eine Wirtschaftskrise als revolutionäres Potential für einen Umsturz]
Die Zusammenarbeit mit der Friedensbewegung wurde getragen von der Hoffnung der BPP, dass mit dem Friedensschluss in Vietnam eine ökonomische Krise auf die „USA“ zukommen würde, die ein revolutionäres Klima schaffen würde.[29]

Huey P. Newton erklärte sogar:

„Wenn die Friedensbewegung versagt, dann wird auch die Revolution im Mutterland versagen.“[30]

Damit wurde die Unterstützung der Friedensbewegung zu einer revolutionären Notwendigkeit. Die BPP hatte natürlich noch andere Gründe, die Friedensbewegung zu unterstützen. Einer der Gründe war, dass man wünschte, dass die schwarzen Soldaten aus Vietnam zurückkehren würden, damit sie zu Hause in der kommenden Revolution für ihr eigenes Volk kämpfen sollten.

[Motiv 2: Frieden in Vietnam, um die schwarzen Soldaten zurückzuholen]
Ausserdem wollte man nicht, dass die Schwarzen als Kanonenfutter für die weissen Unterdrücker dienten.

[Motiv 3: Massendemonstrationen mit der Friedensbewegung für die Freilassung von Huey]
Ein weiterer Grund für die Unterstützung der Friedensbewegung vor 1970 war wieder die Werbung für die „Free Huey“-Kampagne. Schliesslich war die Friedensbewegung zahlenmässig eine der grössten sozialen Bewegungen der 1960er Jahre. Allerdings hielt sich die Begeisterung der Friedensaktivisten für die eigentlichen Anliegen und das gewaltverherrlichende Image der Black Panther meist in Grenzen, wie sich beispielsweise David Hilliard erinnert.[31]

[Zusammenarbeit mit den Hippies vor allem am Anfang]
Zu den Hippies bestanden Beziehungen über die Peace and Freedom Party und über persönliche Bekanntschaften zu wichtigen Figuren der Szene (Stew Albert, Judith Clavier, Abbie Hoffman, Jerry Rubin, etc.). Besonders in ihren Anfangstagen nutzte die BPP die geographische Nähe zur Hippieszene in San Francisco. Die Hippies gehörten zu den ersten Unterstützern der BPP:

„Eldridge (Cleaver) führte mich durch die Masse der obskur benannten und abgekürzten Parteien, Koalitionen, Kommunen und ähnlichen Gruppen. Hippies, Ideologen der Neuen und Alten Linken, Intellektuellen, die sind ein Wunder. … Sie stellen sich die ganze Zeit vor, wie sie ein Leben als Revolutionäre führen müssten, tun es (S.14) aber nie. … Sie zeigen sich als Genossen der Partei, obwohl sie völlig Fremde sind, helfen im Parteibüro, nehmen an Veranstaltungen teil, spenden Geld.“[32]

So mussten sich die Black Panthers ihre erste Lautsprecheranlage von den Hippies ausleihen, etc. Andererseits waren sie mit den meisten Hippies nicht einverstanden, da diese vor allem an ihrer spirituellen Vervollkommnung interessiert waren, aber selten an politischen oder sozialen Problemen. Ausserdem hatten die Panthers Probleme mit dem äusserlichen Auftreten der Hippies, das sie als ein Problem mit der Selbstdisziplin ansahen.[33]

5.1. Partnerschaft oder Dominanz? [Wer dominierte wen?]

Es stellt sich häufig die Frage, ob die Panther fähig waren, mit ihren Partnern zusammenzuarbeiten, oder ob es nicht eher so war, dass sie ihre Partner dominierten. Wenn man sich die Geschichte der verschiedenen Partnerschaften anschaut, zeigt es sich, dass die BPP dazu neigte, ihre Meinung als die einzig Wahre darzustellen. Schon bei der geplatzten Zusammenarbeit mit SNCC hiess es, dass hier wohl keiner der Partner stark genug gewesen war, den andern zu dominieren.Bei der Auseinandersetzung mit der Progressive Labor Party ging es vor allem darum, wer denn nun der wahre Anführer der Revolution sei. Die BPP nahm diese Rolle für sich in Anspruch.Die Grundlage einer Partnerschaft war für Newton, dass die andere Seite das Programm der BPP in vollem Umfang unterstützte.[34] Wie weit sie bereit war, für die Interessen der Gegenseite einzutreten, liess Newton offen.[Die BPP will immer die Führung der Revolution behalten – die anderen seien „nur“ Studenten]
Die BPP trat immer mit dem Anspruch auf, die wahre ideologische Führerin der sozialen Bewegungen zu sein. Dies begründete sie damit, dass sie als Organisation der unterdrückten Massen alleine die wahre revolutionäre Gesinnung vertreten könne, im Gegensatz zu den studentischen Gruppen wie SNCC oder SDS.[Am Führungsanspruch von Huey P. Newton scheitern alle Allianzen – und Ex-Bündnispartner werden verleumdet]
Wurde ihr Führungsanspruch und damit besonders derjenige von Huey P. Newton bestritten, zerbrach die Allianz meistens.Meiner Meinung nach ging die BPP mit ihren Partnern im Allgemeinen nicht sehr partnerschaftlich um. Sie diktierte, welche politische Richtung einzuschlagen sei und welche Ziele verfolgt werden müssten. Waren die Panther-Führer der Ansicht, dass diese Ziele von (S.15) ihren Partnern nicht enthusiastisch genug verfolgt würden, wurden aus den vor kurzem noch hochgelobten Partnern schnell Faschisten, Rassisten, Polizeispitzel usw. Genau so fleissig wie die BPP mit dem Werben um Partnerschaften war, war sie auch mit dem Verdammen ehemaliger Verbündeter.5.2. Misstrauen

[Wer ist der Polizeispitzel? – Handelt der Allianzpartner aufrichtig? – jeder verdächtigt jeden]
Ein ständiger Begleiter bei den Partnerschaften war das Misstrauen. Immer wieder wurde der Verdacht geäussert, dass dieser oder jener anscheinend ein Polizeispitzel, oder dass eine Organisation von Spitzeln durchsetzt sei. Dazu kam der Zweifel, ob es die Gegenseite wirklich aufrichtig meine, oder ob sie irgendwelche Hintergedanken habe. Dieses teilweise berechtigte Misstrauen wurde noch durch die Aktionen des Cointelpro verstärkt.[35]Ohne ein gutes Vertrauensverhältniss ist revolutionäre, politische Arbeit zwischen verschiedenen Organisationen kaum möglich. Durch die Cointelpro-Aktionen [?] wurde das Vertrauensverhältnis zwischen den Organisationen erheblich gestört und endlich sogar zerstört.Die Arbeit der Cointelpro-Verantwortlichen war so gut, dass einige ehemalige Mitglieder des BPP-Zentralkomitees immer noch voneinander glauben, dass der jeweils andere ein Polizeispitzel war.

5.3. Personenkult

[Allianzen für Massendemonstrationen zur Befreiung von Huey P. Newton – nach der Freilassung werden die Allianzen überflüssig]
Was hat der Personenkult mit der BPP zu tun und warum muss man ihn an dieser Stelle betrachten? Die Person Huey P. Newton ist von zentraler Wichtigkeit für das Verständnis der Partei. Nicht nur als ihr Verteidigungsminister, Chefideologe und oberster Diener des Volks, sondern eben auch als eine Figur, die zum Idol verklärt wurde.

Diese Person spielt eben auch eine wichtige Rolle in der Bündnispolitik der Partei, da in der Zeit, während Newton unter Mordanklage stand, viele Bündnisse zu dem Zweck eingegangen wurden, ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Was war aber, als dieses Ziel erreicht wurde? Dann war die Allianz überflüssig.

[Revolutionsführer Huey P. Newton kann keine Reden halten – einige Allianzpartner verlassen deswegen die BPP]
Im Rahmen der Aktivitäten zur Befreiung von Newton wurde dieser von der BPP zu einer Art Ikone hochstilisiert. Die Leute erwarteten von ihm, dass er ein politisches und rhetorisches Genie sein würde, ein charismatischer Führer, der die Revolution einleiten wird, mit anderen Worten, ein neuer Lenin.

Diese Erwartungen konnte er nicht erfüllen. Hilliard bemerkte dazu, dass dieser Mann, der dem Führungszirkel der BPP seine Ideologie klar und einfach darlegen konnte, bei Ansprachen an die Massen versagte.

„Huey ist grossartig bei kleinen Veranstaltungen, mitreissend, stark, witzig. Aber vor grossen Gruppen fürchtet er sich; seine (S.16) Stimme wird höher … und sein Vortragsstil wird steif. Er klingt akademisch, hört nicht auf zu reden. Er wird immer abstrakter und erfindet einen dialektischen Widerspruch nach dem anderen.“[36]

Er verstand es nicht, seine Botschaft zum Ausdruck zu bringen. Aufgrund dieses Umstandes wandten sich einige Sympathisanten und Organisationen wieder von der BPP ab, da sich nach Newtons Freilassung zeigte, dass er eben trotz allem kein neuer Lenin war.

6.1. Ideologische Differenzen

[Nicht einmal der „Befreiungskampf“ ist definiert – SNCC: Die Schwarzen sollen sich selber „befreien“ – BPP: Die „Befreiung“ muss auch eine Revolution beinhalten]
Hier könnte man Beispielsweise das Zerwürfnis mit dem SNCC anführen. Die Führer hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Rolle die Weissen im „Befreiungskampf“ der Schwarzen einzunehmen hatten, und wie die Befreiung der Schwarzen zu erreichen war.Das SNCC war der Meinung, dass ihre Befreiung ganz alleine eine Sache der Schwarzen sein sollte und die Befreiung möglichst auf legalem Weg erfolgen sollte, d.h., dass die Schwarzen sich organisieren sollten, um als politische Macht ins Gewicht zu fallen, oder sich auf lokaler Ebene selbst verwalten zu können.Die BPP wiederum war der Ansicht, dass es keine „Befreiung“ der Schwarzen ohne eine vollständige Umwälzung der politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen geben könne. Die „Befreiung“ der Schwarzen war für sie davon abhängig, dass das bestehende Gesellschaftssystem in einem bewaffneten Aufstand durch alle Unterdrückten (Rassenzugehörigkeit egal) zerstört würde und durch ein sozialistisches System, das nicht näher definiert wurde, ersetzt werden würde.6.2. Differenzen in Sachfragen

[BPP und SDS können sich über die Kontrolle der Polizei nicht einigen – Bruch]
Die BPP war sich mit dem SDS [Students for a Democratic Society] über eine ihrer zentralen Forderungen uneins. Dieser Punkt hat das Verhältnis der Organisationen zueinander nachhaltig gestört. Die BPP forderte, dass die Wohngemeinden die Kontrolle über die Polizei ausüben sollten. Der SDS war der Meinung, dass die Polizei dadurch noch stärker unter die Kontrolle von weissen Rassisten kommen würde. Daraufhin gingen die Organisationen getrennte Wege.[37][Der Streit zwischen BPP und Weathermen-Jugendguerilla um den Zeitpunkt des Beginns des bewaffneten Kampfes führt zum Bruch]
Ebenfalls als Differenz in Sachfragen kann man die Auseinandersetzung mit den Weathermen betrachten [die bewaffnete Jugendbewegung]. Hier bestand keine Einigkeit darüber, ob der geeignete Zeitpunkt zum Übergang zum bewaffneten Kampf gekommen sei. Die BPP war der Ansicht, dass die potentiellen (S.17) revolutionären Massen zuerst ausgebildet und organisiert werden müssten. Die Weathermen dachten, dass durch ihr persönliches Vorbild der bewaffnete Kampf ausgeweitet würde, dass die übrigen revolutionär gesinnten Gruppen dadurch angespornt ebenfalls zu den Waffen greifen würden.6.3. Persönliche Differenzen

[Die Panther mögen den SNCC-Chef James Forman nicht]
Als Beispiel für dieses Problem kann wieder die Allianz mit dem SNCC dienen. Die Panthers und James Forman verstanden sich auch schon auf persönlicher Ebene nicht besonders gut:“Da gab es … Spannungen zwischen SNCC und den Panthers, zwischen mir und Mitgliedern der Panthers, erzeugt durch ständiges Misstrauen und Verdächtigungen bezüglich der jeweiligen Absichten.“[38]Einige der Panther fühlten sich auch durch das Auftreten von Stokeley Carmichael beleidigt. Hilliard berichtet, dass er Bobby Hutton zurückhalten musste, damit er nicht schon beim ersten Treffen Carmichael an die Gurgel sprang.[39]

7.1. Taktische Bündnisse

[Bündnisse, um Geld für die Befreiung von Huey P. Newton aufzutreiben – und Gegenleistungen]
Vor allem in der Zeit, in der Huey P. Newton unter Mordanklage stand (1968-1970), ging die Partei einige taktische Bündnisse ein, da sie Unterstützung in ihrem Kampf zur Befreiung Newtons brauchte.Der Beginn der Zusammenarbeit mit der Peace and Freedom Party zeigt diesen Gesichtspunkt sehr deutlich: Man brauchte Geld für die Verteidigung von Newton. Dafür war man bereit, für den anderen etwas zu tun.[Die BPP erlernen vom SNCC Parteistrukturen und Parteiführungsarbeit]
Die Allianz mit dem SNCC erfolgte ebenfalls aus taktischen Gründen. Hier wollte man vor allem vom Know-how der anderen Organisation profitieren. Die BPP-Führer wussten zu diesem Zeitpunkt schon, wie man mit Waffen umgeht und Demonstrationen organisiert, aber wie organisiert man eine Partei? Wie schützt man sich vor Spitzeln? Wie betreibt man erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit? Alle diese Dinge hoffte die BPP von den SNCC-Leuten zu lernen (S.18).7.2. Strategische Allianzen

[Die BPP-Allianzen sollten eine Massenbasis für eine Revolution ergeben]
Hier kann man im Grunde alle Bündnisse der BPP angeben. Es ging immer darum, eine Massenbasis für die kommende Revolution zusammenzustellen. Dafür brauchte die BPP Koalitionspartner aus allen möglichen Ethnien und Schichten.Die BPP hat immer wieder klar gemacht, dass sie der Meinung ist, dass eine Befreiung und Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung nur möglich ist, wenn diese durch einen gewaltsamen Umsturz erfolgt.[Guerillataktik]
Eine der wichtigen Regeln für den Guerilla-Krieg lautet:“Es ist unbedingt erforderlich, auf der Seite der unterdrückten Massen zu stehen in ihrem Kampf gegen ausländische Invasion, gegen den Zwang einer schändlichen Diktatur usw. Ist diese Vorbedingung nicht erfüllt, so wird die Guerilla stets besiegt werden. Wer einen Aufstand gegen den Willen der Massen oder [gegen] ein populäres Regime anzettelt, wird scheitern.“[40]Die Panther wollten durch Allianzen erreichen, dass sie von einem grösseren Teil der Bevölkerung unterstützt wurden.

[Gewaltprovokationen provozieren staatliche Gewalt – und Sympathie in der Bevölkerung]
Als Nebenbemerkung möchte ich anfügen, dass auch ihr teilweise sehr provokatives Auftreten mit der oben genannten Äusserung im Zusammenhang steht. Durch ihr Auftreten konnten sie sicher sein, dass sich der Staat für sie interessieren würde und Gewalt anwenden würde. So konnten sie den Staat vor den Augen der Öffentlichkeit ins Unrecht setzen. Dies führte dazu, dass die BPP erst recht Zulauf erhielt.

Andrew Young, Mitglied des SCLC (Southern Christian Leadership Conference), meinte dazu:

„Die Panther hatten keine Unterstützung … , bis sie die Opfer der Verfolgungskampagne des FBI wurden.“[41]

Allianzen sind also nicht der einzige Weg, um breitere Unterstützung zu erlangen, aber vielleicht ein Weg, der mit weniger vergossenem Blut verbunden ist (S.19).

8.
Nachwort

8.1. Forschungsergebnisse

Wir können feststellen, dass die BPP wohl die einzige politische Bewegung von schwarzen Nationalisten war, die keine Kontaktscheu mit irgend jemandem hatte. Die Panthers waren bereit, mit jedermann Koalitionen einzugehen, solange die Gruppe entweder die „unterdrückten Massen“ vertrat, oder zur revolutionären Linken gehörte. Wichtig war dabei auch, dass der Koalitionspartner anerkannte, dass die BPP die einzig wahre revolutionäre Gruppe darstellte.Man kann sich fragen, ob die Fragestellungen bei diesem knappen Quellenmaterial, das zur Verfügung stand, wirklich gut beantwortet werden konnten, oder ob es nicht in Anbetracht der Dürftigkeit des Materials zu unzulässigen Vereinfachungen gekommen ist. Allerdings würde eine wirklich ausführliche Bearbeitung den Rahmen einer Seminararbeit bei weitem sprengen. Die Bearbeitung der Quellen müsste auch in den „USA“ vorgenommen werden, da nur dort alle Quellen vorliegen.8.2. Weiterer Werdegang der BPP und ihrer Mitglieder

[Spaltung zwischen Cleaver- und Newton-Fraktion – die BPP verliert jegliche Bedeutung – ein paar Sozialprogramme überleben]
Die BPP versank bald nach der Parteispaltung zwischen der Cleaver- und der Newton-Fraktion praktisch in der Bedeutungslosigkeit. Dabei ging es darum, ob der richtige Zeitpunkt für gewaltsame Aktionen gekommen sei (Cleavers Ansicht), oder noch nicht (Newtons Meinung).Obwohl die BPP als Organisation tot ist, haben zum Beispiel einige ihrer Sozialprogramme überlebt. Sie werden zum Teil sogar von der Regierung fortgeführt.[Die Ex-Exponenten: im Gefängnis – süchtig und ohne Aufgabe – zurückgezogen – oder woanders aktiv]
Was die ehemaligen Mitglieder und Parteiführer angeht, zeigt sich, dass einige immer noch aufgrund von eher zweifelhaften Gerichtsurteilen im Gefängnis sitzen. Anderen fehlte nach dem Zerfall der Partei die Lebensaufgabe und wurden drogensüchtig (Newton, Hilliard).Einige haben sich aus dem politischen Leben zurückgezogen und ihre Memoiren veröffentlicht. Andere sind immer noch in der Politik aktiv. Eldridge Cleaver ist heute Mitglied der Republikanischen Partei, genau der Mann, der 5000 Mädchen an einem katholischen College dazu gebracht hat, „Scheiss auf Reagan“ zu singen.[42] Er ist ein Beispiel  dafür, wie aus einem Revolutionär ein Verteidiger des Establishments wird.Andere pflegen immer noch das Andenken der BPP (Seale) oder das von Huey P. Newton (Hilliard).  (S.20).

Quellen

[1] Seale: Freiheit, S.183

[2]Seale: Freiheit, S.184

[3]Die folgenden Ausführungen beruhen im Wesentlichen auf Burns: Social Movements, S.49-50

[4]Hilliard; In: Cole: Glory, S.159. Originalwortlaut: „Someones’s asking to start a chapter. We get calls all day long. Des Moines, Virginia Beach, Atlanta. … We’re not interested in growing for the sake of numbers.“

[5]Hilliard; In: Cole: Glory, S.171; Originalwortlaut: „In a private session James Forman explains SNCC’s ten-ten-ten organizing strategy, each unit responsible for contacting another, creating a powerful, flexible network of cadre who can be mobilized overnight, an idea we quickly adopt (and that we employ throughout Party’s history).“

[6]vgl. Baccicco: New Left, S.201

[7]Baccicco: New Left, S.201; Originalwortlaut: „On 11 February 1968, Eldridge Cleaver, Panther minister of information, announced the merger of the Panthers and SNCC.“

[8]vgl. Rorabaugh: Challenging Authority, S.121

[9]vgl. Bacciocco: New Left, S.201

[10]vgl. Pinkney: Red, Black, and Green, S.119

[11]vgl. Bacciocco: New Left, S.220-221; und Hinckle, Guerilla-Krieg, S.123-124

[12]vgl. Hinckle: Guerilla-Krieg, S.124

[13]vgl. Pinkney: Red, Black, and Green, S.121-122; und Spichal: Black Panther Partei, S.176-177

[14]vgl. Bacciocco: New Left, S.224

[15]H. P. Newton am 15.8.1970, zitiert nach Pinkney: Red, Black, and Green, S.121. Originalwortlaut: „Whatever your personal opinions and your insecurities about homosexuality and the various liberation movements among homosexuals and women [are] (and I spieak of the homosexuals and women as oppressed groups), we should try to unite with them in a revolutionary fashion.“

[16]Die folgenden Ausführungen beruhen auf: Hutchinson: Blacks and Reds, S.263-266

[17]vgl. Burns: Social Movements, S.58

[18]Hutchinson: Blacks and Reds, S.265. Originalwortlaut: „Cleaver told the Communists that the Panthers would not allow them to function in the black community.“ He called them „interloopers“ and urged blacks to „escort them to the borders of the black community“ with a warning „not to return with their literature and propaganda.“

[19]Die folgenden Ausführungen basieren auf: Pinkney: Red, Black, and Green, S.122-126

[20]vgl. Pinkney: Red, Black, and Green, S.147ff.

[21]Zitiert nach Pinkney: Red, Black, and Green, S.124. Originalwortlaut: „Cultural nationalism manifests itself in many ways but all of these manifestations are essentially grounded in one fact: a universal denial and ignoring of the present political, social, and economic realities and the concentration on the past as a frame of reference. … And cultural nationalism is most always based on racism. We hear ‚Hate Whitey‘ and ‚Kill the Honkey‘. … In all cases cultural nationalism in the midst of struggle seeks to create a racist ideology.“

[22]Demny: Wut, S.54

[23]Seale: Freiheit, S.186

[24]Zitiert nach Pinkney: Red, Black, and Green, S.118. Originalwortlaut: „One thing they (the enemies of black people) know, and we know, that seems to escape you, is that there is not going to be any revolution or black liberation in the United States as long as revolutionary blacks, whites, Mexicans, Puerto Ricans, Indians, Cinese, and Eskimos are unwilling or unable to unite into some functional machinery that can cope with the situation.“

[25]Bacciocco: New Left, S.221

[26]Marx; Engels, Manifest, S.30

[27]King: Civil Rights, S.180

[28]King: Civil Rights, S.185

[29]Pinkney: Red, Black, and Green, S.120

[30]Zitiert nach Pinkney: Red, Black, and Green, S.120. Originalwortlaut: „If the peace movement fails, the revolution in the mother country fails.“

[31]Hilliard; In: Cole: Glory, S.260

[32]Hilliard; IN: Cole: Glory, S.145. Originalwortlaut: „Elddridge guides me through the maze of obscurely named and initaled parties, coalitions, communes, and affinity groups. Hippies, new- and old-left ideologues, intellectuals, they are a wonder. … They are always figuring out how to live their lives as revolutionaries, never doing it. … Complete strangers, they present themselves as comrades to the organization, helping at the office, turning up at rallies, pledging money.“

[33]Hilliard; In: Cole: Glory, S.147-148

[34]Hinckle: Guerilla-Krieg, S.182

[35]vgl. O’Reilly: „Racial Matters“, S.303-305

[36]Hilliard; IN: Cole: Glory, S.302. Originalwortlaut: „Huey’s great in small sessions, enthusiastic, intense, funny. But before large groups he freezes; his voice gets high … and his style stiffens; he sounds academic, goes on incessantly, and becomes increasingly abstract, spinning out one dialectal contradiction after another.“

[37]Spichal: Black Panther, S.176

[38]James Forman in seiner Autobiographie, zitiert nach: Hilliard; IN: Cole: Glory, S.202. Originalwortlaut: „There were … tensions between SNCC and the Panthers, between myself and members of the Panthers, created by continuing distrust and suspicion of intentions.“

[39]vgl. Hilliard; In: Cole: Glory, S.171-172

[40]Alberto Bayo, zitiert nach Hinckle: Guerillakrieg, S.69

[41]zitiert nach O’Reilly: „Racial Matters“, S.302

[42]Seale: Freiheit, S.229-230

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