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DDR Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen vor und nach 1945

Veröffentlicht am 5. Februar 2014 von

Gesundheit im Kapitalismus: Zahle oder stirb!

Gesundheit im Kapitalismus:
Zahle oder stirb!

Beispielgebend sei hier einmal die Situation wiedergegeben, wie sie vor und nach 1945 im deutschen Gesundheitswesen herrschte. Heute befinden wir uns (freilich auf erheblich höherem medizinisch-technischen Niveau als vor dem 2.Weltkrieg) wieder in einem Zustand, wo das Geschäft mit der Gesundheit Vorrang einnimmt vor der Sorge um den werktätigen Menschen. Heute ist der Patient wieder einmal der zahlende Kunde, dessen Gesundheitszustand und Heilungschancen wesentlich von seinem Geldbeutel abhängen. Selbst unheilbare Kranke werden aus Profitgründen so lange geschröpft, wie es die Apparatemedizin zuläßt. Die Pharmaindustrie ist einer der profitträchtigsten Wirtschaftszweige. Sehr deutlich wird hier der Unterschied zwischen dem sozialistischen Gesundheitswesen in der DDR und dem damaligen Zustand im Westen herausgearbeitet. Das System der Gesundheitsvorsorge und medizinischen Betreuung der Werktätigen, welches in der DDR für alle Bürger vollständig kostenlos zur Verfügung stand, war trotz aller materieller Mängel jener Zeit, trotz westlicher Boykottmaßnahmen und trotz der massiven Abwerbung unseres medizinischen Personals, vor allem in sozialer Hinsicht eines der am weitesten entwickelten Gesundheitssysteme der Welt.

Das Gesundheitswesen in der Zeit des Faschismus (1933-1945)

Bevor Hitler-Deutschland durch die Sowjetunion zerschlagen wurde, haben die Organe des deutschen Gesundheitswesens ihre eigentliche Auf­gabe, nämlich die Behandlung und Prophylaxe der Bevölkerung, zugunsten der Durchführung der faschistischen Politik vernachlässigt. Sie unterstanden dem damaligen Reichsministerium des Innern. In jedem Kreis wurde ein »Amtsarzt«, ein vom Staat besoldeter nazistischer Beamter eingesetzt. Ferner wurde eine nazistische Organisation für das Gesundheitswesen ge­schaffen, die politische Kontrollfunktionen auszuüben hatte und an deren Spitze ein Ärzteführer (Reichsärzteführer) stand. Als Anhänger der Rassentheorie stempelten die nazistischen Ärzte die Gegner des Faschismus zu Nerven- und Geisteskranken und ließen sie in Massen sterilisieren. Die meisten der Sterilisierten gehörten der Arbeiterklasse an (wie aus Unterlagen der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland hervor­geht, waren 61,3% der sterilisierten Personen Arbeiter, 18,3% Land­arbeiter und 7,9% Hausangestellte). Das Reichsgesundheitsamt hatte die Aufgabe, die Krankenstatistik zu führen, den gesundheitlichen Schutz der Grenzen zu gewährleisten und reichseinheitlich sanitäre Maßnahmen auszuarbeiten. Jedes Land besaß ein eigenes, nach dem gleichen Prinzip aufgebautes Gesundheitsamt. Die Krankenbehandlung befand sich in den Händen frei praktizierender Privatärzte. Die Behandlungskosten der Versicherten wurden nur zum Teil von den Krankenkassen getragen. Jedem Interessierten stand es frei, sich als Heilkundiger niederzulassen. Hier­aus erklärt sich die große Zahl von Kurpfuschern, die offiziell in den faschistischen Berufsverbänden zusammengefaßt waren und sich völlig gesetzlich mit der Krankenbehandlung beschäftigten.

Erhöhte Sterblichkeitsrate

Der Gesundheitszustand der Bevölkerung verschlechterte sich laufend, namentlich während des Krieges, als die Zahl der Tuberkulose- sowie der schweren Infektions- und Geschlechtserkrankungen sprunghaft zunahm. So entfielen nach amtlichen deutschen Angaben (die zweifelsohne frisiert sind) im Jahre 1938 in den Städten auf 100.000 Einwohner 133 Tuberkulosekranke, eine Zahl, die sich im Jahre 1944 auf 207 erhöht hatte. Die Zahl der Todesfälle durch Tuberkulose auf 100.000 Einwohner stieg im gleichen Zeitraum von 60 auf 81, d.h. um mehr als 30%. Besonders nahm die Zahl der Krankheits- und Todesfälle durch Tuberkulose in den Arbeiterbezirken zu. Die folgende Tabelle veranschaulicht das Anwachsen der Morbiditäts- und Sterblichkeitsziffer infolge Tuberkulose im Berliner Bezirk Wedding (umgerechnet auf 100.000 Einwohner):

Tbc-Erkrankungen 1938-45

Gesundheitswesen in der der sowjetischen Besatzungszone (SBZ)

Nach der Vernichtung Hitler-Deutschlands durch die Sowjetunion wurde in der Sowjetzone im Juli 1945 die Abteilung für Gesundheitswesen bei der SMA ins Leben gerufen. Auf demokratischer Grundlage wurden so­ wohl zentrale als auch städtische und provinziale deutsche Organe für Gesundheitswesen geschaffen. Die gesamte sowjetisch besetzte Zone wurde in Gebiete eingeteilt, in denen die Arzte verpflichtet waren, neben der Be­handlung Kranker auch vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Man ging daran, die ärztliche Betreuung der Arbeiter in den Betrieben aufzubauen. Umfangreiche Schutzimpfungen gegen Unterleibstyphus und Diphtherie wurden durchgeführt (bis Ende 1945 waren 9 Millionen Menschen gegen Typhus und 500.000 Kinder gegen Diphtherie geimpft). Ferner wurde ein Netz von epidemiologischen Stationen geschaffen. Dank dieser Maßnahmen konnte man der Unterleibs- und Flecktyphusepidemien rasch Herr werden; auch die Zahl der Diphtherie- und Ruhrkranken ging zurück.

Am 1. April 1946 gab es in der sowjetischen Besatzungszone:Medizinische Versorgung  (SBZ)05_19h23m00s_002_92% aller Krankenhausbetten befanden sich im Kompetenzbereich der örtlichen Selbstverwaltungsorgane, 5% waren im Besitz von religiösen Gemeinschaften und 3% gehörten Privatkrankenhäusern. Die ärztliche Hilfe für Wöchnerinnen und Kinder wurde bedeutend verbessert. Man gründete den Fachausschuß zur Bekämpfung der Tuberkulose, schuf ein Netz von Fürsorgestellen für Geschlechtskranke und baute die medizinische Industrie wieder auf. Bei der Deutschen Verwaltung für Gesundheitswesen wurde der Wissenschaftliche Beirat gebildet und die Entnazifizierung durchgeführt. Ferner wurden die medizinischen Fakultäten reorganisiert sowie 5 Schulen für mittleres medizinisches Personal wiederaufgebaut und 100 neu eröffnet. Auf diese Weise gelang es, ein gut aufeinander abgestimmtes System der ärztlichen Hilfe zu schaffen das allen Schichten der Bevölkerung offensteht.

Das sozialistische Gesundheitswesen der DDR

Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober 1949 entstand das Ministerium für Arbeit und Gesundheitswesen, dem sämtliche Institutionen der Abteilung für Gesundheitswesen unterstellt wurden. In der DDR nimmt der Wohlstand der Bevölkerung weiter zu, und Ihre ärztliche und sanitäre Betreuung wird laufend verbessert. Zwischen 1948 und 1950 erhöhte sich die Zahl der Arzte von 10.326 auf 11.604, von denen 5.313 im Staatsdienst standen. Außerdem waren Ende 1949 etwa 5.000 frei praktizierende Privatärzte gleichzeitig in den Organen des Gesundheitswesens tätig. Die Zahl des mittleren medizinischen Personals stieg von 40.138 auf 46.528. Auch die Anzahl der Krankenbetten nahm beträchtlich zu. Zahlreiche neue Polikliniken und Ambulatorien wurden errichtet. 1950 zählte man 348 kommunale Polikliniken, davon 36 auf dem Lande, ferner 112 Ambulatorien in Krankenhäusern und 49 an Universitäten, 60 Polikliniken in Krankenhäusern, 36 Landambulatorien sowie 738 mit Ärzten und 1.093 mit Schwestern besetzte Betriebssanitätsstellen. Zahlreiche Werke erhalten eigene Polikliniken und Ambulatorien.

Mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung in der DDR nehmen die Geschlechts-und Infektionskrankheiten sprunghaft ab (so ging die Zahl der Erkrankungen an Syphilis von 12-13 auf 10.000 Einwohner im Jahre 1946 auf 3 im Jahre 1949 zurück, die Zahl der an Gonorrhöe Erkrankten verringerte sich im gleichen Zeitraum von 25 auf 5). In der DDR wird energisch gegen die Tuberkulose angekämpft. Die Zahl der Institutionen zur Tuberkulosebekämpfung erhöhte sich von 280 im Jahre 1946 auf 391 im Jahre 1950. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Betten für Tbc-Kranke in Krankenhäusern von 8.180 auf 21.921 und in Sanatorien von 7281 auf 13.729.

Die Sorge um das Wohl der Werktätigen

In der DDR wurde das Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz verabschiedet. Die Anzahl der Betten für Wöchnerinnen vergrößerte sich. Für werdende und stillende Mütter wurden Erholungsheime gebaut. Nach der Reorganisation des Kurortwesens standen die Kurorte und Sanatorien den Arbeitern und Angestellten zur Verfügung. Während 1948 über 100.000 Kranke die Kurorte besucht haben, wurden im darauffolgenden Jahr innerhalb von 9 Monaten bereits über 240.000 Werktätige zur Kur verschickt. Im Zuge der Apothekenreform entstanden neben Privat- auch Staatsapotheken. Um die ärztliche Betreuung der Werktätigen zu verbessern, wurde die planmäßige Umgestaltung des Gesundheitswesens in Angriff genommen.

Der Ausbau des Gesundheitswesens in der DDR

In der DDR gibt es 6 medizinische Fakultäten, und zwar je eine an den Universitäten Berlin, Leipzig, Jena, Halle, Greifswald und Rostock, ferner über 100 Schulen für mittleres medizinisches Personal mit 5.000 Studien­plätzen sowie 15 Institute, die sich sowohl mit Forschungs- als auch mit praktischen Aufgaben befassen. Dazu gehören u.a. das Institut für Sozial- und Industriehygiene in Berlin, das Institut für Biologie und Medizin bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, die Geschwulstklinik an der Berliner Humboldt-Universität, die Röntgeninstitute in Leipzig, Chemnitz und Gera, das Institut für funktionelle Atmungstherapie in Berlin sowie das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. Im Fünfjahrplan zur Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR von 1951-55 ist auch der weitere Ausbau des Gesundheitswesens vorgesehen.

Der Gesundheitszustand der westdeutschen Bevölkerung nach 1945

In Westdeutschland ist die Bevölkerung durch die drei Besatzungsmächte zu einem Hungerdasein und zum langsamen Aussterben verdammt. Ihr Gesundheitszustand sowie ihre ärztliche und sanitäre Betreuung verschlechtern sich laufend. Die Zahl der Tuberkulosekranken sowie die Tuberkulosesterblichkeit nehmen bedrohliche Ausmaße an. Die nachstehende Tabelle die auf Angaben der Fürsorgestellen beruht, zeigt das Anwachsen der Morbiditätsziffer (auf 100.000 Einwohner) in der englischen Besatzungszone:
Morbidität WestdeutschlandDie Sterblichkeitsziffer stieg dort von 70 Personen (auf 100.000 Einwohner) im Jahre 1945 auf 96 Personen im Jahre 1948. Im englischen Sektor von Berlin waren 1946 über ein Zehntel aller Gestorbenen der Tuberkulose zum Opfer gefallen. In der französischen Zone erkrankten gleichen Jahr von 100.000 Einwohnern 478 an Tuberkulose, während 284 von dieser Krankheit dahingerafft wurden. Von 1945-48 beobachtete man in Westdeutschland ein Anwachsen der Geschlechtskrankheiten. In der englischen Zone entfielen 1945 auf 10.000 Einwohner annähernd 10 Syphilitiker. Drei Jahre später waren es bereits 32. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich auch die Zahl der Erkrankungen an Gonorrhöe von 20 auf 32. In der amerikanischen Zone waren 1946 von 10.000 Einwohnern 90 mit Gonorrhöe behaftet. Die Geschlechtskrankheiten in Westdeutschland verdanken ihre Verbreitung der sich unter dem Besatzungsregime verstärkenden Arbeitslosigkeit und Verelendung der Massen sowie der zunehmenden Prostitution.

Quelle:
Große Sowjet-Enzyklopädie, Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1953, S.248-252. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
P.S. ausgestorben ist die westliche Bevölkerung zwar nicht, doch die Vorbildwirkung der benachbarten DDR bewirkte auch dort erhebliche soziale Verbesserungen.

Das Gesundheitswesen in der DDR

KrankenhausIm Krankenhaus

Das Gesundheitswesen in der DDR zählte zu den fortgeschrittensten in der Welt. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die kostenlose medizinische Versorgung und Betreuung der DDR-Bürger, die generelle Arzneimittelfreiheit und die Vorsorge am Arbeitsplatz. Die DDR war ein sozialistischer Staat, in dem mit der Krankheit eines Menschen kein Geld zu verdienen war. (An dieser grundsätzlich positiven Einschätzung ändern auch die lügenhaften und fachlich inkompetenten Beschuldigungen an die Adresse des DDR-Gesundheitswesens nichts, die DDR-Ärzten unterstellen, verantwortungslos irgendwelche riskanten Medikamententests für westdeutsche Pharmakonzerne durchgeführt zu haben. Das ist wieder mal so eine typische Luftnummer der Gauck-Birthler-Jahn-Behörde!) Heute, in der kapitalistischen BRD, sind die Ärzte in erster Linie Geschäftsleute, die mit ihrem Beruf, ihren technischen Ausrüstungen und den verkauften Medikamenten Gewinne machen müssen. Freilich – Ausnahmen bestätigen die Regel – auch hier gibt es ehrbare und besorgte Mediziner, denen in erster Linie das Wohl ihrer Patienten am Herzen liegt. Doch immer wieder tauchen in den Medien Skandalgeschichten auf, die vom Organhandel, von der Bestechlichkeit der Ärzte durch Pharmakonzerne, von Medikamentenmißbrauch und unnötigen Operationen berichten. Das alles gab es in der DDR nicht, denn die Gesundheitsvorsorge lag in den den Händen des Staates…

Prinzipien des sozialistischen Gesundheitswesens

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde ein umfassendes sozialistisches Gesundheitswesen mit staatlichem Charakter entwickelt und aus­ gebaut. Grundlagen des sozialistischen Gesundheitswesens stellen die von Lenin formulierten Prinzipien dar:

• Orientierung auf das konsequente Verhüten von Krankheiten sowie die Erhaltung und Festigung der Gesundheit
• Staatlicher Charakter des Gesundheitswesens und gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den Schutz der Gesundheit aller Bürger
• Einheitlichkeit der Leitung und Planmäßigkeit der Arbeit in allen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens
• Kostenfreiheit und allgemeine Zugänglichkeit medizinischer Hilfe für alle Bürger in Stadt und Land
• Einheit von Theorie und Praxis, von Forschung und Betreuungsaufgaben, von Grundversorgung und hochspezialisierter medizinischer Versorgung sowie Einheit von ambulanter und stationärer Betreuung
• Umfassende Nutzung der modernen Errungen­ schaften von Wissenschaft und Technik zur Er­ höhung der Qualität der medizinischen Betreuung
• Aktive Teilnahme der Werktätigen und Mitarbeit der Öffentlichkeit bei der Sicherung des umfassen­ den Gesundheitsschutzes.

Diese Prinzipien stellen auch die Grundlage für das sozialistische Gesundheitswesen in der DDR dar. Die prophylaktische Orientierung, die den sozialistischen Gesundheitsschutz kennzeichnet, macht die Medizin jedoch nicht als Heilkunde überflüssig, denn niemals können alle Krankheiten oder das Sterben verhütet werden. Auch die optimale Behandlung unvermeid­barer Krankheiten oder Körperschäden und die möglichst umfassende Wiedereingliederung des Patienten in das gesellschaftliche Leben stellen Grundanliegen des sozialistischen Gesundheits­schutzes dar. Die aktive Mitwirkung der Bürger bei der Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit sowie die Mitverantwortung der gesellschaftlichen Öffentlichkeit umfassen alle Maßnahmen der gesundheitsfördernden Lebensführung und Umweltgestaltung, der Ausschaltung von Risikofaktoren und der zielstrebigen Erhöhung der Leistungsfähigkeit. Sie gelten nicht als Aufforderung zur Laiendiagnose der zur Selbstbehandlung oder als Freibrief für unwissenschaftliche pseudomedizinische Heilpraktiken.

Gesundheitsschutz verfassungsmäßig garantiert

Dauerhafte Gesundheit und uneingeschränkte Leistugsfähigkeit stellen einen alten Traum der Menschheit dar. In den Kampfprogrammen der internationalen Arbeiterbewegung waren seit jeher Forderungen nach wirksamerem Schutz der Gesundheit und nach sozialer Sicherheit bei Erkrankungen verankert. Die jahrtausendealte Entwicklung der Medizin als Wissenschaft und als praktische Heilkunde erbrachte eine Vielzahl von Möglichkeiten und Erkenntnissen, Krankheitsursachen auszuschalten und einstmals weltweit gefürchtete Krankheiten (Pest, Kinderlähmung, Pocken u.a.) praktisch auszurotten. Das allgemeine humanistische Anliegen der Medizin kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn die entsprechenden gesellschaftlichen Voraussetzungen vorhanden sind. Der sozialistische Gesundheitsschutz unterscheidet sich insofern von allgemeinen humanitären Idealen medizinischer Menschenfreundlichkeit, als er Verfassungswirklichkeit ist und gemeinsam mit allen staatlichen und gesellschaftlichen Kräften verwirklicht wird, also nicht entgegenwirkenden Interessen abgerungen werden muß.

In dem Bemühen um hohe Qualität und große Wirksamkeit aller medizinischen Maßnahmen und sozialpolitischen Beschlüsse vereinen sich die persönlichen Wünsche der Bürger mit den gesellschaftlichen Interessen. Gesundheit ist sowohl persönliches als auch gesellschaftliches Anliegen, ihr Schutz ist nicht nur Angelegenheit der Beschäftigten des Gesundheitswesens, sondern aller gesellschaftlichen Bereiche und des Bürgers selbst. „Das Streben nach Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude bis ins hohe Alter wird inuner mehr zum Bestandteil einer Von der ganzen Gesellschaft getragenen, vom sozialistischen Staat geförderten und vom Bürger selbst mitgestalteten Lebensweise.“ (E.Honecker auf dem IX. Parteitag der SED)

Staatlicher Charakter des Gesundheitswesens in der DDR

Den gesellschaftlichen Auftrag zum umfassenden Schutz der Gesundheit kann nur ein Gesundheitswesen unter sozialistischen Bedingungen erfüllen. Die Mehrzahl der Einrichtungen des Gesundheitswesens sind daher Volkseigentum. Ihre Unterhaltung, Ausstattung, Finanzierung, Rekonstruktion u.ä. werden mit staatlichen Mitteln realisiert und in den jeweiligen, Volkswirtschaftsplänen verankert. Die Einrichtungen unterstehen den Räten der Kreise (bzw. Stadtbezirke) oder Bezirke oder werden direkt vom Ministerium für Gesundheitswesen (zentrale Einrichtungen) geleitet. Medizinische Einrichtungen existieren auch im Leitungsbereich des Ministeriums für Hoch-und Fachschulwesen (Kliniken und Institute der Bereiche Medizin der Universitäten bzw. medizinischen Akademien), des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport (sportmedizinische Einrichtungen), an der Akademie der Wissenschaften der DDR sowie im Rahmen der medizinischen Dienste im Verkehrswesen, in der NVA und in der Deutschen Volkspolizei.

Insgesamt sind rund 440.000 Mitarbeiter, darunter über 40.000 Ärzte und Zahnärzte, in den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens beschäftigt (Stand 1977). Neben den staatlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens gibt es weiterhin private Ärzte in eigener Niederlassung und medizinische Einrichtungen sowie Pflegeheime, die von den Kirchen getragen werden. Diese nichtstaatlichen medizinischen Einrichtungen arbeiten in enger Abstimmung und Koorordinierung mit den Einrichtungen des Gesundheitswesens, so daß keine Disproportionen oder territoriale Überschneidungen entstehen und der gesamtstaatliche Charakter des Gesundheitsschutzes sowie die einheitliche inhaltliche Leitung gewährleistet sind.

Einheitlichkeit der Leitung

Trotz territorialer Besonderheiten und unterschiedlicher Unterstellung der verschiedener medizinischen Dienste wird das Gesundheitheitswesen nach einheitlichen Prinzipien geleitet und geplant. Das Ministerium für Gesundheitswesen besitzt die Gesamtverantwortung, die es in enger Zusammenarbeit mit den übrigen staatlichen Organen realisiert. Die einheitliche Leitung und abgestimmte Entwicklung garantieren, daß sich die medizinischen Fachgebiete den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechend und nach den territorialen Erfordernissen entwickeln. Die noch in manchen Ländern (z.B. auch in der BRD) übliche strenge Trennung zwischen ambulanter und klinischer (stationärer) Betreuung ist in der DDR nicht mehr vorhanden. Beide medizinische Leitungsbereiche sind gleichberechtigte Bestandteile, des einheitlichen sozialistischen Gesundheitswesens und haben spezifische Aufgabenbereiche, die jedoch eng miteinander verflochten sind.

Kostenfreiheit der medizinischen Versorgung in der DDR

Bei Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe entstehen dem Patienten keinerlei Kosten. Sowohl ärztliche Beratung als auch Medikamente, Hilfsmittel (z. B. orthopädische Hilfsmittel), physikalische Behand­ lungert werden ihm kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch für aufwendige Operationen, Zusatzuntersuchungen (Röntgen, Endoskopie, psychologische Testung u.a.) oder Kuraufenthalte entstehen dem Patienten keine Kosten. Alle Kosten werden aus dem Staatshaushalt bzw. über die Beiträge zur Sozialversicherung beglichen. Auch die kompliziertesten und modernsten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren stehen damit – wenn sie ärztlich angezeigt sind – allen Bürgern gleichermaßen zur Verfügung. Dasselbe trifft für prophylaktische Untersuchungen und Maßnahmen (prophylaktische Kuren) zu. Jährlich werden in der DDR über 150 Millionen ärztliche Konsultationen durchgeführt. Im Durchschnitt besucht demnach jeder DDR-Bürger etwa neunmal pro Jahr den Arzt oder wird zu Hause betreut. Lediglich beim Mißbrauch ärztlicher Hilfsbereitschaft (z.B. Alkoholmißbrauch) müssen die entstandenen Kosten vom Bürger erstattet werden.

Allgemeine Zugänglichkeit

In der DDR wurde ein lückenloses Netz ärztlicher Betreuungseinrichtungen geschaffen, so daß trotz territorialer Unterschiede keine einzige Region medizinisch unterversorgt ist. Von jedem Punkt der DDR ist medizinische Hilfe in höchstens 20 Kilometer Entfernung erreichbar. Auch in ländlichen Gebieten sind mit Gemeindeschwesternstationen und Landambulatorien Bedingungen für eine gute medizinische Versorgung geschaffen worden. Alle ertorderlichen medizinischen Einrichtungen und Maßnahmen stehen jedem Bürger prinzipiell und ohne Rücksicht auf territoriale und soziale Herkunft gleichermaßen zur Verfügung. Daß bei medizinischen Spezialbehandlungen mitunter Wartezeiten erforderlich sind, hängt mit dein schrittweisen Aufbau hochspezialisierter Einrichtungen und mit der allmählichen Rekonstruktion der oftmals sehr alten Krankenhausbauten und ihrem Zusammenschluß zu größeren Einheiten zusammen. Gästen und Besuchern der DDR wird medizinische Hilfe entsprechend den zwischen den jeweiligen Herkunftsländern und der DDR abgeschlossenen Vereinbarungen kostenlos gewährt. Bestehen keine Vereinbarungen, ist medizinische Hilfe an Ausländer kostenpflichtig.

Vorbeugender Gesundheitsschutz in der DDR

Nicht nur das Heilen von Krankheiten, auch das Verhüten von Erkrankungen ist eine entscheidende Aufgabe aller am Gesundheitsschutz Beteiligten. Die Vorbeugung kann darin bestehen, daß Ursachen für Krankheiten beseitigt bzw. in ihrer Wirkung abgeschwächt werden oder der Organismus in die Lage versetzt wird, die krankheitsbegünstigenden oder -auslösenden Einflüsse besser zu überwinden (primäre Prävention, ursächliche Vorbeugung). Eine weitere Möglichkeit prophylaktischer Arbeit ist die gezielte Suche nach Frühformen einer Erkrankung (Screening) oder die Überwachung bzw. Betreuung von gefährdeten Personengruppen (Reihenuntersuchung, Dispensaire), um noch vor Auftreten schwerer Krankheitssymptome und Ausfallerscheinungen die Krankheit durch gezielte Maßnahmen bekämpfen zu können (sekundäre Prävention, Früherkennung von Krankheiten), Die Verhütung schwerer Komplikationen wird gelegentlich als tertiäre Prävention bezeichnet (Komplikationsprophylaxe), Maßnahmen der primären Prävention betreffen beispielsweise die hygienische Überwachung und Kontrolle, um krankmachende Mikroorganismen aus der menschlichen Umwelt auszuschalten und somit Infektionskrankheiten ursächlich zu verhüten. Die Gestaltung einer gesunden Lebensweise, Maßnahmen des Umweltschutzes, zweckmäßige Ernährung, Abhärtung und Sport stellen Maßnahmen zur primären Prophylaxe dar. Reihenuntersuchungen auf Tuberkulose (Schirm­ bild), zytologische Abstriche zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs der Frau, Streifentests auf Zuckerausscheidung u.ä. sind sekundäre Vorbeugungsmaßnahmen, die frühzeitiges therapeutisches Eingreifen oder gezieltere Diagnostik ermöglichen und somit die Heilungsaussichten steigern.

Wie war die Gesundheitsprophylaxe in der DDR?

Prophylaktische Untersuchungen und Maßnahmen sind Bestandteil des staatlichen Gesundheitsschutzes und werden gemeinsam mit anderen medizinischen Aktivitäten geplant und realisiert. Obwohl jeder Arzt grundsätzlich auch prophylaktisch tätig ist, gibt es einige medizinische Tätigkeitsbereiche mit ausgesprochen prophylaktischen Aufgaben: die staatliche Hygieneinspektion, das Impfwesen, das Betriebsgesundheitswesen. die medizinischen Dienste u.a.m. In wachsender Zahl werden den Werktätigen prophylaktische Kuren zur Festigung der Gesundheit zur Verfügung gestellt. In der Regel dauern sie drei Wochen. Die prophylaktische Arbeit wird von verschiedenen Massenorganisationen (Deutsches Rotes Kreuz der DDR, Volkssolidarität, Demokratischer Frauenbund
Deutschlands, Freie, Deutsche Jugend, URANIA u.a.) unterstützt. Über 260.000 Gewerkschafter arbeiten im Rahmen des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes ( FDGB ) als Bevollmächtigte der Werktätigen in verschiedenen Kommissionen und unterstützen gleichfalls die prophylaktische Tätigkeit.

Wissenschaftlichkeit der Medizin

Die Medizin hat sowohl naturwissenschaftliche als auch gesellschaftswissenschaftliche Wurzeln. Sie ist eine angewandte Wissenschaft, die sich dadurch auszeichnet, daß sie unmittelbar mit ihren Ergebnissen auf den Menschen wirkt. Viele Erkenntnisse der Medizin sind aus der Empirie, der Beobachtung von Erscheinungen und Zufällen, entstanden. Doch die moderne Medizin besitzt eioe gesicherte wis­ senschaftliehe Grundlage. Neue Erkenntnisse über Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen sowie der­ Einwirkungen der Umwelt auf den Menschen erschließen der Heilkunde neue Wege beim Verhüten, Erkennen und Behandeln von Krankheiten. Unwissenschaftliche, spekulative Heilmethoden, deren Unwirksamkeit in exakten Überprüfungen nachgewiesen wurde, haben im Rahmen des sozialistischen Gesundheitsschutzes keinen Platz.

Die Medizin als Heilkunde darf nur ausüben, wer als Arzt oder mittlerer medizinischer Kader eine ent­ sprechende Ausbildung erworben, in einer Prüfung die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen hat und eine staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde besitzt (Approbation). Durch eine umfangreiche Ausbildung während des Studiums, durch gesetzlich festgelegte Spezialisierung (Facharztweiterbildung) und durch systematische Weiterbildungsveranstaltungen für den Facharzt wird gesichert, daß allen Ärzten die modernsten wissenschaftlichen Behandlungs- und Diagnosemethoden vertraut sind. Ausübung von Heilmethoden ohne wissenschaftliche Ausbildung bedeutet stets eine Gefahr für den hilfesuchenden Patienten.

Freie Arztwahl in der DDR

Ein Prinzip unseres sozialistischen Gesundheits­ wesens ist, daß der Patient den Arzt seines Vertrauens wählen kann und nicht zur Einhaltung eines bezrenzten ärzthchen Einzugsbereichs verpflichtet ist. Das Prinzip der freien Arztwahl schließt nicht aus, daß die Territorien in Arztbereiche aufgegliedert sind, die von einem Bereichsarzt betreut werden. Der Bereichsarzt ist meist zugleich der „Hausarzt“, der die Familie und die Lebensumstände am besten kennt und bei therapeutischen Empfehlungen mit berücksichtigen kann. Im Interesse optimaler ärztlicher Betreuung ist allerdings der beliebige Wechsel des Arztes nicht möglich. Es sind zeitliche Bezrenzungen (Quartale) einzuhalten, und bei erforderlicher Beratung durch einen Spezialisten ist in der Regel die Überweisung des behandelnden Arztes notwendig, da der Patient selbst die Erfordernisse einer Spezialbehandlung nicht sicher abschätzen kann.

Quelle:
Kleine Enzyklopädie Gesundheit, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR), 1980, S.575-578. (Ausschnitte)

Siehe auch:
Prof.Dr. Karl Linser: Warum wir Ärzte in der DDR unserem Staat vertrauen
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie
Die Sozialpolitik in der DDR
Kinderkrippen in der DDR

Ärzte in der DDR

Linser

Prof. Dr. Karl Linser:
Warum wir Ärzte unserem Staat vertrauen

Auf der Tagung des Nationalrats der Nationalen Front des demokratischen Deutschland am 18. Oktober 1958 hielt Professor Dr. Karl Linser, Direktor der Hautklinik der Berliner Charite und Verdienter Arzt des Volkes, den folgenden, stark beachteten Diskussionsbeitrag:

Wenn ich mein bisheriges Leben betrachte, dann möchte ich nochmals ein junger Mensch sein und von den Ausbildungsmöglichkeiten Gebrauch machen können die heute in der Deutschen Demokratischen Republik in so reichem Maße gerade unserer Jugend zur Verfügung stehen.

Als Schüler besuchte ich einst das humanistische Gymnasium. Es war aber gar kein Humanismus, der dort gelehrt wurde. Man pflegte den Standesdünkel. Systematisch trennte man uns schon in der Schule von der Arbeiterschaft. Wir deklamierten: „Odi profanum vulgus et arceo“, d.h. „ich hasse das gemeine Volk und halte mich fern von ihm“. Immer wieder versuchte man, uns für ein Heldentum zu begeistern, von dem wir heute wissen, daß es Deutschland in den Abgrund gebracht hat. Wir saßen oft bis in die Nächte und schrieben Aufsätze über Kriegsherren, sogar über die Pferde, die den Tod des Achilles beweinten. Zu unserer Literatur gehörten auch die Kriegsgeschichten des Herrn von Liliencron. Endlich hatte man uns dann soweit, daß wir in das geplante Morden und Sterben geschickt werden konnten. Das war damals die sogenannte humanistische Erziehung.

Im Gegensatz dazu wird unserer heutigen Jugend nunmehr ein echter Humanismus geboten. Sie wird nicht, wie wir, für Raubkriege vorbereitet, sondern sie wird zur friedlichen Arbeit und zur Lebensbejahung erzogen. Nicht zuletzt vertieft der polytechnische Unterricht die Verbindung aller Schichten der Bevölkerung.

Als ich nach dem ersten Weltkrieg Medizin studierte, empfand ich noch in stärkerem Maße die Kluft, die absichtlich zwischen die Intelligenz und die Arbeiter gebracht wurde. Vorbilder waren uns Medizinstudenten damals die Ärzte mit einer reinen Privatpraxis. Den Kassenarzt betrachtete man als einen zweitrangigen Mediziner. Bemitleidet und bespöttelt wurde der Arzt im Arbeiterviertel. Verächtlich sprach man vom Bauerndoktor.

Wie hat sich das nun seit 1945 bei uns alles geändert?

Die Heilkunde in der alten überlieferten Form konnte in dem Nachkriegselend nicht das leisten, was das Volk in seiner Gesamtheit von ihr erwarten mußte. Das wurde mir und zahlreichen anderen Ärzten klar, als wir seinerzeit gegen den Seuchentod ankämpften, der unser Volk bedrohte. Begeistert setzten wir uns für die Errichtung moderner Ambulatorien und Polikliniken ein. Sie wurden speziell an den Brennpunkten der Produktion entwickelt. Ich selbst durfte jetzt eine der schönsten Hautkliniken in Deutschland bauen. In dieser Klinik kann ich wirklich frei arbeiten und mich ganz meinen Patienten, der Lehre und der Forschung in meinem Fachgebiet widmen.
DDR-Kinder
Das wollen die westdeutschen Professoren, die mich hin und wieder besuchen, einfach nicht glauben. Neulich besichtigte ein berühmter Dermatologe aus Westdeutschland unsere Einrichtungen. Ich hatte zuvor meinem Verwaltungsleiter gesagt, er solle mitkommen und dafür sorgen, daß die Besichtigung auch tatsächlich gut und reibungslos vor sich ginge. Der Kollege aus Westdeutschland war tief beeindruckt von dem, was er sehen konnte. Als er dann aber nachher mit mir in meinem Dienstzimmer allein war, fragte er mich: „War das nun Ihr Politkommissar, der Sie zu überwachen hat?“

Immer wieder wird man gefragt, warum trotz der skizzierten ausgezeichneten Arbeitsbedingungen immer noch Ärzte die Republik verlassen.

Ich habe vorhin schon auf die Fehlleistungen der früheren Erziehung hingewiesen. In unserer Jugend wurde uns die sozialistische Entwicklung als etwas ganz Gefährliches hingestellt. Noch immer leben manche Ärzte und auch ihre Kinder bedauerlicherweise in diesen althergebrachten Vorstellungen. Es fällt ihnen schwer, sich von ihnen zu trennen. Wir aber leben in der Gegenwart, und auch die Intelligenz, auch die Ärzte müssen sich, ob sie wollen oder nicht, schließlich der fortschrittlichen Entwicklung der Gesellschaft anpassen. Unmöglich können sie gleichsam im leeren Raum arbeiten, sonst geraten sie unweigerlich in Konflikte. Dies ist leider bei vielen Ärzten noch der Fall. Bei uns ist nicht etwa die Heilkunde in eine Krisis geraten, sondern der Arzt, der sie jetzt unter fortschrittlichen Bedingungen ausüben soll. Nun wurden bei uns tatsächlich da und dort der .Intelligenz und auch den Ärzten gegenüber Fehler gemacht. Auch ich habe mich über manches geärgert, wurde aber dann aktiv und vorstellig bei der Volkskammer oder bei Herrn Axen, d. h. bei der Presse, oder auch bei dem oder jenem Aktivisten, denn Aktivisten sind bei uns sehr maßgebende Leute. Man hat es natürlich leider zu Überspitzungen kommen lassen, und die erschwerten es, die Ärzte aus ihrer Konfliktsituation herauszubringen.

Natürlich ist eine klare Auseinandersetzung mit den Ärzten nötig. Es wäre falsch, dieser Auseinandersetzung etwa aus dem Wege zu gehen. Die Auseinandersetzung führt aber nur dann zum Ziel, wenn sie geduldig und auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgt. Am besten bewährt sich hier die Methode der praktischen Beispiele. Immer wieder soll man der neuen und erst recht auch der alten Intelligenz die großen Chancen zeigen, die sie bei uns in der DDR tatsächlich besitzen. Deshalb hat das Kommunique der Sozialistischen Einheitspartei zu den Fragen des Gesundheitswesens und der Medizin die Intelligenz, die Ärzte mit Genugtuung und mit Freude erfüllt.

Krisis in der westdeutschen Medizin

Im Gegensatz zu uns gibt es in Westdeutschland eine wirkliche Krise in der Medizin. Dort bestimmt immer mehr die amerikanische Atompolitik das gesamte Leben. Das aber wirkt sich auch auf die Tätigkeit der Ärzte aus. An den Universitäten wird ein innerer Strukturwandel beobachtet. Durch spezielle Aufgaben der den Kriegsvorbereitungen dienenden Industrie wird die notwendige Einheit von Lehre und Forschung immer mehr durchlöchert. Die Industrie bezahlt die Forschungen und zwingt zur Geheimhaltung der Ergebnisse. Das aber gefährdet die Freiheit der Forschung. Schon sprachen Voigt in Tübingen und Kiemen in München davon, daß die Risse an westdeutschen Universitäten immer größer werden, daß die Universitäten auseinanderfallen und anscheinend dem Untergang geweiht seien, sich zumindest immer mehr zu Fachschulaggregaten entwickeln.

Republikflüchtige Ärzte

Ich war jetzt in Düsseldorf, sah wieder die Oberflächlichkeit, in der zahllose Menschen in Westdeutschland dahinleben. Viele führen dort einen Tanz um das Goldene Kalb aus. Manchmal hat man aber das Gefühl, daß das nichts mehr als ein Tanz auf dem Vulkan ist. In Düsseldorf traf ich auch aus der DDR geflüchtete Ärzte. Sie klagten über die Arroganz, mit der man ihnen drüben immer wieder begegnet. So sprach ich mit einem Kollegen, der einst bei uns Chefarzt einer großen Klinik war. Er besaß ein herrliches Villengrundstück, und es ging ihm in jeder Beziehung gut. Es war Herr Dr. Wesner aus Gera. Er hat drüben das Krankenhaus nicht bekommen, das ihm der Abwerber versprochen hatte. Vergeblich hat er sich bisher um eine Kassenzulassung bemüht, ohne die ein Arzt drüben kaum leben kann. Es ist ein schweres, aber selbstverschuldetes Los für einen Vater mit zahlreichen Kindern.

Auch Herrn Professor Hämel habe ich gesehen. Er war recht bedrückt. Nie wird er in Westdeutschland die wissenschaftlichen Arbeitsbedingungen erhalten, die er bei uns einst besaß. Trotz seiner Flucht war übrigens die 400-Jahr-Feier der Jenaer Universität für alle die zahlreichen Professoren, die aus der ganzen Welt gekommen waren, ein Erlebnis, das allen Teilnehmern unvergeßlich sein wird. Es war ein erhebendes Gefühl, als wir Universitätslehrer von der Universität zum Volkshaus zogen und uns die Jenaer Bevölkerung zujubelte. Ganz besonders aber haben uns die Ovationen beeindruckt, die uns Zeiß-Arbeiter entgegenbrachten. Als dann die Professoren ihre Brillen abnahmen und sie in Dankbarkeit den Zeiß-Arbeitern, die die Brillengläser produziert hatten, entgegenhielten, konnte und mußte jeder sehen, daß bei uns in der Deutschen Demokratischen Republik die Verbindung der Intelligenz mit den Arbeitern eine reale Tatsache ist. Für mich Jedenfalls war das eine von Herzen kommende Demonstration, an die ich mich noch lange erinnern werde.

Abfuhr für Lemmer-Manöver

Wir in der Deutschen Demokratischen Republik arbeiten nämlich nicht gegeneinander, sondern wir arbeiten immer besser miteinander, weil der Arbeiter den Wissenschaftler und der Wissenschaftler wieder den Arbeiter braucht. Wie Sie heute aus der Zeitung entnehmen konnten, paßt Herrn Lemmer diese Harmonie nicht. Er sucht sie zu stören. Durch Anrufe sollten Dresdener Ärzte zur Flucht veranlaßt werden. Auch meine Frau in Berlin bekam vor wenigen Wochen zweimal hintereinander einen solchen Anruf, in dem ihr mitgeteilt wurde, daß ich in den nächsten Tagen verhaftet werden würde. Seien Sie überzeugt, daß der Anrufer bei seinem letzten Anruf wenigstens telefonisch die richtige Antwort bekommen hat. Unsere Ärzte lassen sich durch solche plumpen Manöver nicht mehr länger beunruhigen. Immer vertrauensvoller werden die Beziehungen zwischen der Intelligenz und der Staatsmacht. Die Regierung achtet uns, und wir achten unsere Regierung.

Diese schöne Zusammenarbeit könnte auch auf den gesamtdeutschen Maßstab übertragen werden. In ihrer Note an die vier Großmächte schlug unsere Regierung die Schaffung einer Kommission zur Ausarbeitung eines Friedensvertrags mit Gesamtdeutschland vor. Bei richtiger Überlegung werden auch die westdeutschen Ärzte diesen Schritt aus vollstem Herzen begrüßen. Auch dem neuen Vorschlag unserer Regierung an die Deutsche Bundesrepublik muß jeder westdeutsche Arzt seine Zustimmung geben. Die in diesem Vorschlag empfohlene Kommission aus Vertretern beider deutschen Staaten würde dem deutschen Volk die Möglichkeit geben, in seiner Gesamtheit mit den vier Großmächten zu verhandeln. So kommen wir endlich der Vereinigung unseres Vaterlandes auf demokratischer Grundlage näher.

Poliklinik

Die Dresdener Ärzte und Wissenschaftler Prof. Dr. Güttner, Rektor der Medizinischen Akademie Dresden und Direktor des Pathologischen Instituts, Prof. Dr. Sprung, Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Prorektor und Direktor der Chirurgischen Klinik an der Medizinischen Akademie Dresden, Dr. Stock, Facharzt für • Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten in eigener Praxis, Dresden, übergaben der Öffentlichkeit am 18. Oktober folgende wichtige Erklärung:

In Sorge um die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und um das Schicksal ihrer Berufskollegen wenden sich die Unterzeichneten an die Öffentlichkeit, um sie von folgendem in Kenntnis zu setzen:
In den letzten Tagen wurde mehrfach versucht, uns durch anonyme telefonische Anrufe und schriftliche Mitteilungen zu beunruhigen mit dem Ziel, unser Vertrauen zu den Staatsorganen zu untergraben. Durch Ankündigung von angeblichen Verhören oder Haussuchungen und durch Drohbriefe wurde versucht, uns unter Druck zu setzen. Wir haben uns persönlich davon überzeugt, daß alle diese Ankündigungen erlogen waren und jeglicher Grundlage entbehrten.
Wir teilen dies unseren Berufskollegen mit, um sie von solchen gewissenlosen Methoden in Kenntnis zu setzen, damit sie sich in ähnlichen Fällen nicht beunruhigen lassen und vor unüberlegten Schritten bewahrt bleiben.

Prof. Dr. Güttner
Prof. Dr. Sprung
Dr. Stock

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NATO verlangt 2% des Haushaltes
für das Militär auszugeben,

das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
Militär-Etat USA 2015: 1839,53$
Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

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