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moderne Jobnomaden

Was Mensch heutzutage auf dem Arbeitsmarkt erlebt, geht oft auf keine Kuhhaut mehr. Praktikantenkarrieren sind heute keine Seltenheit mehr, so wie auch Karrieren bei Maßnahmeträger. Natürlich gibt es auch Leute die viele Jahre bei einem Unternehmer angestellt bleiben, doch die werden immer seltener. In der Regel ist jeder Arbeitnehmer statistisch 5 Jahre arbeitslos. Das sich dies inzwischen auf die künftige Rente auswirkt, ist vielen noch nicht klar. Doch die Überraschung bekommen sie mit 65, wenn sie für ihre 800 Euro Rente 200 Euro Steuern zahlen sollen.
Doch nicht alle halten die Klappe.
Einer dieser Jobnomaden hat nun den Stier bei den Hörnern gepackt und seine Erlebnisse niedergeschieben.

Stephanie König nennt sie sich, 45 Jahre alt, Jahrgang 71 und mit der Erfahrung von 40 Arbeitgebern in 30 Jahren ist sie sehr wohl in der Lage einiges über ihre Jobs auszuplaudern. Das ist übrigens nicht ihr richtiger Name, nur ein Pseudonym unter dem sie schreibt, denn so mancher Arbeitgeber würde sie wohl verklagen, wenn er das Buch lesen würde. Aber das ist wohl nicht zu befürchten, denn gewöhnlich interessieren sich Unternehmer nicht für das Schicksal ihrer Angestellten.
1971 wird die Autorin in Viernheim geboren, als eines von sechs Kindern. Ihr erstes Geld verdient sie mit acht Jahren beim Zeitungsaustragen, mit 16 putzt sie im Schwimmbad um ihr Taschengeld aufbessern, wie so viele Schüler. So begann damals ihre zweifelhafte Karriere als Jobnomadin. Ok 30 Berufsjahre ist auch schon geschönt denn zählt man die Schülerjobs weg verteilen sich wohl 35 Jobs auf 25 Jahre, also jedes Jahr ein oder zwei neue Jobs.

Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, am liebsten aber Schriftstellerin. Nach der Schule gerät sie in die Künstlerszene von Regensburg. Die fanden es unheimlich spießig eine Lehre zu machen, also hat sich Stefanie bequatschen lassen ein „freies Leben“ zu führen. Zwölf Romane beginnt sie – alle landen unvollendet in der Schublade. Und so sucht sich die Junge Ungelernte einen Job.

Ohne Jammern und Wehklagen, dafür aber mit viel Humor erzählt Stephanie vom holprigen Überleben in der modernen Arbeitswelt wo sie unter anderem als nackte Schauspielerin, Stewardess, Reinigungskraft, Swingerclub-Thekenkraft und „Beinahe-Prostituierte“, Fremdsprachenkorrespondentin, Fleischverkäuferin, Missionarin, Schneiderin, Grabpflegerin, Küchenhilfe und Karatelehrerin.

„Es war nie mein Anspruch, mir im Büro bestimmte Aufstiegschancen zu sichern, Karriere zu machen“, entschuldigt sie sich – eine Schutzbehauptung, denn in Wirklichkeit schönt sie ihren Lebenslauf, damit er auf zwei Seiten passt.
Würde sie tatsächlich alle Jobs aufschreiben, die sie im Laufe ihrer etwa 25 Berufsjahre gemacht hat, hätte sie wohl niemand mehr eingestellt. Diese Vielfalt hat sie auch in Vorstellungsgesprächen nie im Detail erwähnt. Diesen Schock will sie den Chefs ersparen – wie rüchsichtsvoll. Da ist der Satz: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ voll aufgegangen. Nur leider hat der nichts mit der Wirklichkeit zu tun, denn mal eherlich, wären wir alle Schmiede unseres Glücks wären wir sicherlich nicht dort wo wir sind, sondern würden irgendwo am Strand liegen, uns ein nettes Eis genehmigen und Gott einen guten Mann sein lassen.

Das sie ihren Lebenslauf schönt, ist nicht etwa ein Armutszeugnis für Stefanie König, sondern eher für die heutigen Unternehmer die den Überlebenskampf den die junge Frau immer wieder aufs Neue in Angriff nahm, negativ bewerten.
Daher bietet das Buch intime Einblicke in den ganz normalen Wahnsinn des deutschen Büroalltags und man fragt sich, wie viele Menschen das täglich auf sich nehmen?

Der kürzester Job dauerte dreieinhalb Stunden. Ihr Chef hatte einen so schlimmen Mundgeruch, der in jede Ecke des kleinen Büros drang – da hat sie es einfach nicht mehr ausgehalten.
Der ölige Chef mit der Sado-Maso-Macke war auch so ein Sonderfall, doch nicht minder exotisch ihre Arbeit für einen übergriffigen Hamburger Missionar: „Er wollte die Welt verbessern und ich wollte wissen wie er das anstellt. Das hat mich fasziniert und so hat er mich als Assistentin eingestellt. Da bin ich fremden Leuten mit der Gulaschsuppe hinterhergerannt“, um sie auf Teufel-komm-raus zu bekehren.“ Doch was in den elf Monaten noch alles passierte, war deprimierend, traurig und in zunehmendem Maße abstoßend. „Als er mir eines Tages die Kaffeetasse unter die Brüste hielt und kichernd um Milch bat, bin ich gegangen.“

Gepfeffert sind auch ihre Schilderungen von „gestörten Stammesoberhäuptern“ in Personalbüros. „Harmonie“ wünscht sie sich, auch am Arbeitsplatz. Eine naive Vorstellung auf dem Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts? Aber nicht weniger weltfremd als die Vorstellungen mancher Personalchefs, die z.B. Freude und Begeisterung  erwarten, obwohl Job bzw. Arbeitgeber eher das Gegenteil ausstrahlen. In welcher Welt leben die?
Nunja sie ist wohl nicht die Einzige die derartige Erfahrungen machen durfte.
„Großraumbüros sind der Horror für mich. Einmal habe ich in einem gearbeitet und mir schnell diese riesigen Baustellen-Kopfhörer zugelegt. Da saß ich dann mit dem orangenen Dings auf den Ohren, in Blazer und mit High Heels. Das sah schon merkwürdig aus.“

Am unglaublichsten war, das eine Büro-Kollegin vom damaligen Chef eine SMS mit der Einladung erhielt, ihn zu einer erotischen Begegnung zu begleiten. Das hat sie wirklich getan, wie im Buch nachzulesen ist.

Es wird immer mehr Flexibilität verlangt, auch von Arbeitnehmern mit Familie. Durch die ständig fortschreitende Technologie und das Internet sind viele neue Berufe entstanden. Passende Arbeitsstellen gibt es aber nicht überall so wie Handwerkertätigkeiten oder solche im Verkauf. Also reist man den Stellen hinterher. Früher war man quasi mit der Arbeitsstelle verheiratet, man erlernte einen Beruf und das tat man dann für den Rest seines Lebens. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute gibt es Leute die einen schweren Burnout durch ihren Job hatten und trotzdem noch daran hängen. Es ist vielleicht die Angst keinen Job mehr zu finden. Stefanie hat das Vertrauen, dass alles gut wird und bisher klappte das ja auch ganz gut. Notfalls macht sie eben auch Sachen die ihr nicht gut gefallen – als Übergangslösung.„Ich will – und muss – Geld verdienen.“

Doch der Umgangston ist rauer geworden seit sie ihren ersten Job begann, sagt die Wanderin nachdenklich. Kollegen benutzten stärker ihre Ellenbogen, Konflikte hätten an Schärfe gewonnen. Für eine, die sich vor allem als „zuverlässig“ beschreibt, als gewissenhafte und loyale Angestellte, ist das manchmal schwer auszuhalten. Inzwischen hat sie auch einen Beruf erlernt, als gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Derzeit arbeitet sie als Sachbearbeiterin in einem Büro und plant ein neues Buch. Diesmal geht es um  Beziehungsnomadismus, denn das Beziehungen nicht lange halten, wenn man ständig der Arbeit hinterher zieht, liegt auf der Hand.
Vielleicht wird Stefanie ja mit ihrem einunvierzigsten Job glücklich – Schriftstellerin.
Stephanie König
DIE BÜRONOMADIN
Die Geschichte einer Rastlosen

272 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-539-7
9,99 EUR (D)

Erschienen am 1. Februar 2016

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