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DDR, Geschichte, Kultur

Westdeutsche Abstrafung Ostdeutscher Erinnerungen

Christoph Hein hat „Das Leben der Anderen“ kritisiert. In der öffentlichen Debatte dazu weicht man aber einer entscheidenden Frage aus: Wie authentisch kann die DDR noch sein, wenn die Fiktion überzeugender wirkt?

In der Zeitung erschien am 24. Januar 2019 ein Auszug aus Christoph Heins Buch „Gegenlauschangriff — Anekdoten aus dem letzten deutsch‐deutschen Kriege“. Er schildert darin, wie Florian Henckel von Donnersmarck im Jahr 2002 von ihm das „typische Leben eines typischen Dramatikers der DDR“ wissen wollte. Das Gespräch schildert Hein als Vorbereitung für „Das Leben der Anderen“. Der Film kam 2005 in die Kinos kam und Henckel von Donnersmarck führte Regie. Ausgezeichnet wurde der Film unter anderem mit dem Oscar.

Im damaligen Presseheft wird auf Seite 14 unterstrichen, dass „der Film bis ins kleinste Detail authentisch wurde“, man wollte „möglichst große Authentizität“ gewährleisten“. Dieser Anstrich des Authentischen wurde aufgenommen. Die Bundeszentrale hat 2006 ein Filmheft zu „Das Leben der Anderen“ veröffentlicht, gedacht zur Verwendung im Schulunterricht.

In seinem Text kritisiert der Schriftsteller Christoph Hein, dass sein Leben in Florian Henckel von Donnersmarcks Film Das Leben der Anderen (2006) entstellt worden sei. Er legte in einem Essay nahe, dass der Oscar-prämierte Film ihn selbst zum Thema mache. Donnersmarck, erklärt er, habe ihn zusammen mit dem Schauspieler Ulrich Mühe aufgesucht und ihn über sein Dramatikerdasein in der DDR ausgefragt. Während der Premierenfeier sei Hein dann stark verwundert gewesen: Der Held des Films sitze an einem Artikel über Selbstmorde, während er 1987 eine Anti-Zensur-Rede gehalten habe. Das allein sei nicht weiter problematisch, aber „alles, was ich ihm ein paar Jahre zuvor erzählt hatte, war von ihm bunt durcheinandergemischt und sehr effektvoll melodramatisch neu zusammengesetzt worden“. Donnersmarck habe ein „Gruselmärchen“ erschaffen, das nichts mit der Realität gemein habe. Weshalb Hein den Regisseur darum gebeten habe, ihn aus den Nachspann zu löschen.

Er meint schließlich:

„Das Leben der Anderen“ beschreibt nicht die Achtzigerjahre in der DDR

 

Die Diskussion dreht sich vor allem darum, welche Deutungshoheit Christoph Hein über seine eigene Erinnerung haben kann. Und schon führen die Medien eine Abstrafungskampagne gegen den Schriftsteller in der sie zahlreiche „Zeugen“ aufführt die aus Westdeutscher Sicht natürlich wunschgemäss antworten.

Thorsten Arend, ehemaliger Lektor von Hein meint z.b. diplomatisch: „Es muss natürlich möglich sein, auf seinen Erfahrungen zu beharren und sie ernstgenommen zu sehen. Wenn dann gleich der Vorwurf kommt, na ja, wir wissen es besser, und deine Erinnerungen sind falsch, dann tut man sie so beiseite, wie das eigentlich überhaupt nicht sein dürfte. Das scheint mir schon ein Ost‐West‐Problem zu sein“.

Nur wenige wissen, dass Hein zu jenen Schriftstellern in der DDR gehörte auf dem 10. Schriftstellerkongress der DDR mit einer aufsehenerregenden Rede die Abschaffung der Zensur zu verlangen, dafür brauchte man mehr Rückgrat, als die westdeutsche Fantasie heute hergibt.

Mit jeder Fiktionalisierung wird ein Geschichtsbild, ein Bild, eine Sicht geprägt und immer mehr muss man fragen, wie sehr dieses Bild der realen Geschichte der DDR entspricht.

In einem Universitätsseminar erklärte ein Professor seinen Studenten, dass Hein als Autor seiner Anti‐Zensur‐Rede von 1987 nicht ins Gefängnis gekommen sei.

„Das sei unmöglich, beharrten die Studenten, so könne es nicht gewesen sein, sie wüssten das ganz genau, weil sie ja den Film ‚Das Leben der Anderen‘ gesehen hätten.“

Christoph Hein (der Autor der Rede) resümiert:

„Der Film wurde ein Welterfolg. Es ist aussichtslos für mich, meine Lebensgeschichte dagegensetzen zu wollen. Ich werde meine Erinnerungen dem Kino anpassen müssen.“

Die DDR existiert offenbar inzwischen vor allem als Fiktion, als ein Leben der Anderen in einer anderen Welt. Und an dieser Fiktion sind die Menschen, die die Realität dieses Landes kannten, kaum mehr beteiligt. So schreibt Adam Soboczynsk in seinem Artikel: „Auf dem 10. Schriftstellerkongress der DDR mit einer aufsehenerregenden Rede die Abschaffung der Zensur zu verlangen, dafür brauchte man mehr Rückgrat, als die westdeutsche Fantasie heute hergibt.“

 

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Westdeutsche Abstrafung Ostdeutscher Erinnerungen

  1. Ein Wesi frägt, waren Christoph Hein die Anti-DDR-Methoden nicht bekannt? Er lebte doch 40 Jahre in der DDR. Hat er nicht mitbekommen, wie mit menschenverachtenden „Unternehmungen“ der Westen die DDR von innen heraus zu destabilisieren versucht hat! Die DDR-Aufarbeitungsindustrie wird nie ohne Hetze beladene Berichte, Interviews, Filme usw. bringen. Dies muss sich jeder DDR-Bürger immer bewusst sein.

    Verfasst von Johann Weber | 18 März, 2019, 3:05 pm
    • Der normale Bürger im Osten hat nichts von den menschenverachteten Unternehmungen des Westens gegen die DDR mitbekommen, stattdessen haben sie immer nur Einschränkungen erfahren. Keine Bananen, keine Jeans, stattdessen Flaschen, Papier und Schrott sammeln und komplizierte Reden die immer nur von Planerfüllung redeten. Man hat sie nicht darüber aufgeklärt unter welchen Lebensbedingungen diese Jeans in Billigländern hergestellt wurden und das auf Bananenplantagen Menschen für Billiglöhne arbeiten von denen sie kaum leben können. Über die Medien kamen immer nur die schönen Seiten des Westens, nicht das es in den 80igern fast keine sauberen Flüsse und Bäche gab, das der Verpackungsmüll einfach verbrannt oder exportiert wurde.

      Christoph Hein und viele andere Ossis wollte die DDR nicht einfach abschaffen, sie wollten sie besser machen, aber diese Chance wurde ihnen durch die Machtübernahme genommen. Man hat die unerfahrenen frischen Regierungsvertretern im Osten genauso verarscht wie die Bevölkerung. Und einige haben sich benutzen lassen – zu ihrem eigenem Vorteil. Leute wie Merkel, De Maizière, Gauck, Thiel und andere.
      Der Rest wurde mit Stasi-Vorwürfen entsorgt.
      Heute hat der Osten nicht mal mehr DDR-sozialisierte Richter, er hat überhaupt keine Oberschicht, eine sehr sehr dünne Mittelschicht und der Rest ist abhängig von Jobs bei Wessis. Die verlieren ihre Jobs wenn sie ihren Firmen sagen würden das sie von ihnen um ihr Land – ihr Eigentum betrogen wurden. Sie sind Bürger zweiter Klasse die dem Westen ausgeliefert ist. Also richten sie sich ein, protestieren still durch Trotz und hoffen das irgendwann jemand kommt um alles zu ändern und diese westliche Vettern- und Koloniewirtschaft beendet. Aber da ist weit und breit niemand in Sicht und sozialisierte Wessis haben nicht mal ansatzweise Interesse ihnen ihr Eigentum, ihr Recht auf eigene Entwicklung und eigene politische Entscheidungen zurück zu geben, was ihnen per illegalem Einigungsvertrag genommen wurde. Denen wird dann eingeredet wir seien unbelehrbare Stasi-Genossen und Ostalgiker.

      Man könnte genauso gut fragen ob die Mexikaner nicht mitbekommen wie sie von den USA ausgenutzt werden und warum sie trotzdem ins „gelobte Land“ wollen, wohlwissend das sie da nicht besonders geschätzt werden, es sei denn als billige Arbeitskräfte. Aber wir können auch das Beispiel Afrika und die EU-Grenze hier zitieren. Auch die afrikanischen Flüchtlinge sehen in Europa das „gelobte Land“. Dieses Bild vermittelt der Westen und es wirkt echt, solange man nicht selbst darin lebt. Menschen sind Jäger sie jagen immer den Verlockungen von vermeintlichem Reichtum hinterher ohne zu erkennen das sie bereits reich sind. Aber das erkennen sie erst wenn sie es verloren haben.

      Die DDR-Aufarbeitungsindustrie benutzt gern gutgläubige gutgestellte Ossis, indem sie ihnen vorspiegelt wahrheitsgemäss zu berichten und schneidet dann die Interviews auf einzelne Sätze zusammen, die sie negativ auslegen können. Dazu stellen sie entsprechende Fragen. Die mischen sie mit anderen Sätzen anderer Interviews die auch zweideutig sind und unterlegt das ganze mit einem Kommentar der keinen Zweifel an der Negativen Auslegung lässt. So erzeugt sie „Zeitzeugen-Darstellungen“ die überhaupt nicht mehr dem entsprechen, was die Befragten eigentlich zum Ausdruck bringen wollten.
      Insbesondere Redakteure von SpEigel und Vokus bedienen sich dieser vorsätzlichen Umdeutungsmethoden um die DDR als Ort des Grauens darzustellen und sie zu dämonisieren. Auch eine Aufarbeitung von Aktivitäten der BRD gegen die DDR existiert nicht.
      Die echte Geschichte hat hier keine Chance auf Wahrheit.
      Kleines Beispiel was mir neulich auffiel:
      Vermummungsverbot in Hongkong => böses China => böse Kommunisten
      Vermummungsverbot in Deutschland => gutes Deutschland => gute Politik (aber das wird nicht erwähnt)
      Genau wie die anderen 230 BRD-Gesetze die die Bürgerrechte in den letzten 25 Jahren erheblich einschränkten.
      Die Erfahrung zeigt das Politiker und der dahinterstehende Geldadel der BRD immer wieder das Volk belügen, manipulieren und täuschen unzwar seit Beginn der BRD. Sie leben in einem Land das ihnen immerzu eintrichtert das es ihnen gut geht (z.b. verfälschte Arbeitslosenstatistik, legalisierte Sanktionswillkür, verdeckte Altersarmut, Abhörpraxis) wer die Guten und wer die Bösen in der Welt sind.
      Sie sollten sich mal fragen warum die Bösen immer jene sind ihre Multikonzerne, Globalplayer und Geldadel nicht kontrollieren konnte/kann (Russland, Venezuela, China, DDR usw).
      Im Grunde genommen ist der Westen ein römisches Reich derzeit unter Kontrolle der USA und all die Bösen sind die Barbaren die ständig versuchen in das von ihnen geraubte und kontrollierte Gebiet einzudringen.
      Aber wie auch zur Zeit des römischen Reiches belegen die Toten, wen es besser ging – den freien Barbaren.
      Nicht den besteuerten „Gallorömern“ mit den Hungerlinien auf den Knochen die für Roms Glanz und Gloria schufteten und in ihren „gerechten“ Kriegen starben.

      Verfasst von monopoli | 12 Oktober, 2019, 11:23 am

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