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In Freiheit verblödet

DDR Ferienlager

DDR Ferienlager

„Endlich ist die Hexe tot, die ehemalige Bildungsministerin der DDR Margot Honecker.“ so oder so ähnlich jubelte kürzlich die Einheitspresse West, die ja zugern Jungpioniere als gedrillte Killerreserve der NVA hin stellt.
Dumm nur das die Ossis einfach noch nicht doof genug verbildet sind, um den neoliberalen Schwachsinn und deren Regierung endlich als Segen aufzufassen. Und das angesichts der endlosen Produktion von Anti-DDR-Dokus und reichhaltig finanzierter Gedenkstätten in denen das Volk darüber aufgeklärt wird, wie es seiner Regierung grausam gefoltert und dezimiert sein soll. Die sich ausbreitende Dummheit ist sicherlich förderlich, damit das von NSA/BND „frei“ beschnüffelte Volk auch künftige von Regierungsmonarchen verursachte Krisen als alternativlose Scheindemokratie hin nimmt.
Diesbezüglich las ich im Ossiblock jenen Satz den ich auch unseren Lesern unbedingt ans Herz legen wollte und der ursprünglich aus der Jungen Welt stammt.

„Was die Ostdeutschen an ihrem Bildungswesen hatten, wurde vielen erst später klar. Nach Jahren war dem Springer-Blatt „Die Weltverdrehung“ zu entnehmen, seit der »Wende« sei der Intelligenzquotient ostdeutscher Kinder von 102 (über dem europäischen Durchschnitt) auf 95 (westdeutsches Niveau) gefallen. Welche Überschrift sollte man da wählen? »In Freiheit verblödet«? Der Autor mutmaßte jedenfalls, dass die BRD mit dem DDR-Schulsystem im PISA-Ranking nicht hinten, sondern vorne gelandet wäre. Solche Anfälle von Ehrlichkeit dürfen als Ausnahme gelten.“

Und sollten sie demnächst mit ihren Kindern über die Bildung in der DDR reden, so werfen sie doch mal ein Blick hier rein.

Aber auch der Artikel der jungen Welt sollte der Nachwelt nicht vorenthalten werden. Damit verbinde ich eine Empfehlung sich die Junge Welt ruhig mal ins Haus zu bestellen, schon um mal Nachrichten jenseits der Einheitspresse zu lesen.

Jetzt darf gelacht werden

Das Bildungswesen der DDR bleibt maßgeblich: Margot Honeckers Erdenspur

Von Matthias Krauß
Wer kann schon mit einem Brief von seiner einstigen Volksbildungsministerin aufwarten? »Mit Interesse und Gewinn« habe sie mein Buch »Völkermord statt Holocaust« (2007) über den DDR-Literaturunterricht gelesen, schrieb mir Margot Honecker vor einigen Jahren. »In der so niveaulos geführten Diskussion über die Geschichte, über Faschismus, Rassismus und Antifaschismus in Deutschland ist Ihre Arbeit ein Lichtblick«.Von 1963 bis 1989 leitete diese Frau besagtes Ministerium. Als sie am 6. Mai in Chile starb, griffen die Qualitätsmedien hierzulande dankbar auf, dass sie im Spiegel einmal »Hexe« genannt worden war. Der Umgang mit ihr nach dem Mauerfall glich tatsächlich einer Hexenjagd.Selten genug werden Ostdeutsche gefragt, was sie von der DDR vermissen. Wenn doch, landet immer »das Bildungswesen« vorn. Dem liegt ein Vergleich zugrunde, der öffentlich nie stattfindet, der zwischen Margot Honeckers Fahnenappellschule und dem Bildungswesen von heute, in dem stattlich bezahlte Beamte keinen Zugang zu Kindern von Hartz-IV-Beziehern finden, wie auch? Wer arbeitslose Zwangsurlauber zu Eltern und Geschwistern hat, wird in Erwartung lebenslanger Armut kaum Interesse oder Freude am Lernen entwickeln.Die Polytechnische Oberschule der DDR kann als wichtigste Erdenspur Margot Honeckers gelten. Von dieser modernsten Schulform, die es je in Deutschland gab, ließen sich PISA-Leuchttürme wie Finnland inspirieren. Warum wohl ist das selten Thema?

Margot Honecker war als Kind über kommunistische Verwandte mit Wolf Biermann bekannt, der sie bei allen kaum gezügelten Hassausbrüchen gegen die SED praktisch nie angegriffen hat. Sonderlich beliebt war sie in der DDR nicht. Ihr Auftreten war das einer Schneekönigin, das Bild von ihr als lustiger Frau im »Jugendlexikon« eher untypisch.
Aber taugt das zum Vorwurf? Eine Volksbildungsministerin ist nicht dazu da, von möglichst vielen geliebt zu werden. Und was die Bildung des Volkes anbelangt, ist Margot Honecker nicht allzuviel vorzuwerfen. Das war zu DDR-Zeiten weniger klar als heute.

DDR Berlin-Mitte etwa 1983

DDR Berlin-Mitte etwa 1983

Kanzlerin Angela Merkel beispielsweise war ein Förderkind des DDR-Bildungswesens. In einer schwachen Stunde räumte sie mal ein, man habe damals als Schüler im Osten »ordentlich Physik und Chemie gelernt«. Doch sei Dankbarkeit »keine Kategorie, in der ich die DDR sehen kann«. Sich vorzugsweise an die unangenehmen Seiten ihrer Kindheit zu erinnern, steht ihr natürlich frei.

Zweifellos hat der DDR-Schulalltag mit seinen Appellen und Pioniernachmittagen disziplinierende Wirkung entfaltet. In Fächern wie Staatsbürgerkunde oder Geschichte und auch sonst fand eine geistig-weltanschauliche Beeinflussung mit dem Ziel statt, »vielseitig entwickelte sozialistische Persönlichkeiten« hervorzubringen, manchmal sogar »allseitig entwickelte«. Jetzt darf gelacht werden, aber diese Fröhlichkeit trägt ein dummes Gesicht. Denn geistig Pate stand hier das Menschenbild der Renaissance. Der Uomo universale, der allseitige Mensch.

Honeckers Wirken in einem deutschen Staat, der keinen Krieg begann, wird auf Staatsbürger- und Wehrkunde reduziert. Einen Einblick in die Übungen zur Zivilverteidigung an den DDR-Schulen gewährt Andreas Dresens Film »Als wir träumten« (2015). Es ging vor allem darum, wer bei der Mund-zu-Mund-Beatmung von den Mädchen der 10. Klasse geküsst wird. In der Hölle landeten viele Kinder erst nach 1989, vermittelt der Film.

Das DDR-Bildungswesen brachte klar denkende, selbstbewusste, den Mitmenschen achtende und politisch interessierte Bürger hervor. Mit einem Bewusstsein für Unterdrückung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Man kam nicht nur in Chemie und Physik ordentlich voran, hielt Antifaschisten in Ehren.

Was die Ostdeutschen an ihrem Bildungswesen hatten, wurde vielen erst später klar. Nach Jahren war dem Springer-Blatt DieWelt zu entnehmen, seit der »Wende« sei der Intelligenzquotient ostdeutscher Kinder von 102 (über dem europäischen Durchschnitt) auf 95 (westdeutsches Niveau) gefallen. Welche Überschrift sollte man da wählen? »In Freiheit verblödet«? Der Autor mutmaßte jedenfalls, dass die BRD mit dem DDR-Schulsystem im PISA-Ranking nicht hinten, sondern vorne gelandet wäre. Solche Anfälle von Ehrlichkeit dürfen als Ausnahme gelten. Der Siegeszug der DDR-Pädagogik vollzieht sich klammheimlich.
In den Ostländern wurden wichtige Elemente wieder eingeführt: Verhaltensnoten, Zentralabitur, Reifeprüfung nach zwölf Jahren. Lehrer werden wieder mit einem Erziehungsauftrag ausgestattet, richten sich nach verbindlichen Lehrplänen usw.

Platon zufolge ist die Erziehung der Kinder zu wichtig, um den Eltern überlassen zu werden. Mit Blick auf Teile der Jugend unserer selbstbestimmt-autistischen Spaß- und Klassengesellschaft ist man geneigt, ihm das Ohr zu leihen.

Die DDR-Erziehung beruhte auf der materialistischen Weltanschauung, appellierte dabei in hohem Maß an Uneigennützigkeit und Gemeinsinn, trug mithin sehr idealistische Züge. Anlehnungen an das Christentum waren offensichtlich. Es gab die zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik wie auch die zehn Gebote der Jungpioniere. Oft und geduldig wurde erklärt, dass das kommunistische Menschenbild im urchristlichen wurzelt. Die Kirche aber blieb vom Staat getrennt, auch vom Schulwesen. Das nahm die DDR fast so genau wie Frankreich.

Mit einem breiten Angebot an Arbeits- und Sportgemeinschaften nahmen Margots Schulen die umständlich und halbherzig eingeführte Ganztagsschule der Gegenwart leichten Schrittes vorweg. Alle Kinder lernten im DDR-Schulsport schwimmen, das ist heute so wenig garantiert wie die obligatorische Wanderfahrt jeder Schulklasse. Kinder, die nicht aus Akademikerkreisen stammten, wurden gezielt gefördert, nicht als »bildungsfern« eingestuft. Staatsdoktrin war die Brechung des bürgerlichen Bildungsmonopols. Nichts könnte weiter entfernt sein vom heutigen Streben der »besseren« Kreise, ihre Nachkommenschaft vor intellektueller Konkurrenz »von unten« zu schützen. Nirgends in Europa bestimmt die soziale Herkunft so sehr die Bildungsergebnisse wie in Deutschland. Die »neuen Bundesländer« sind da keine Ausnahme mehr.

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Über monopoli

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Diskussionen

3 Gedanken zu “In Freiheit verblödet

  1. Hat dies auf diwini's blog rebloggt.

    Verfasst von diwini | 25 Juli, 2016, 5:55 pm
  2. Schöner kommentar von Ihnen. DANKE.
    EINE INFO FÜR ALLE DEUTSCHEN BÜRGER.
    Mal reinschauen in diesen blog ,ist wichtig.
    MEDIENJOURNAL GARDY GUTMANN
    keiner besitzt Eigentum
    Gut erklärt was wir besitzen, laut Gesetze NICHTS.
    GRUNDBUCH EINTAGUNGEN, durch heimliches gesetz ungültig.

    Verfasst von mistkaeferchen | 28 Mai, 2016, 3:08 pm
  3. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

    Verfasst von Runenkrieger11 | 24 Mai, 2016, 8:38 pm

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