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DDR

Junkerland in Bauernhand

Von der Bodenreform in der SBZ bis zum Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft – Bodenpolitik gegen eine bäuerliche Landwirtschaft

In der ostdeutschen Landwirtschaft gab es 1989/1990 eine einmalige Situation. Ausgehend von der Bodenreform in der damaligen noch sowjetischen Besatzungszone (später DDR) verfügte die BRD über die Treuhand, später BVVG (Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft) über rund 2 Millionen ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, im Mittel 40% der Landwirtschaftsfläche Ostdeutschlands (s. dazu ausführlich Gerke, 2008, Kap. IV). Dazu kam im Laufe der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts aufgrund von Enteignungen einer sechsstelligen Zahl von Erben der Neusiedler ein Umfang von mehreren Hunderttausend ha landwirtschaftlicher Fläche im Eigentum der ostdeutschen Bundesländer. Damit konnte und wurde in Ostdeutschland Agrarstrukturpolitik betrieben. Die Akteure in den verschiedenen Bundesregierungen, gleich ob schwarz-gelb oder rot-grün haben diese Chance genutzt. Sie haben Agrarstrukturpolitik zugunsten von Großbetrieben betrieben, für LPG- Nachfolger, sowie Großbetriebsneugründungen von Nomenklaturkadern und westdeutschen Agrarfunktionäre organisiert und damit eine Agrarindustrialisierung eingeleitet, die kein Maß und keine Grenze mehr kennt.

Der Prozess der Bodenverteilung vor allem an wenige Großbetriebe ist fast abgeschlossen, und der größte Teil der BVVG- Flächen privatisiert. Dabei haben es die Akteure, Politiker aus allen im Bundestag vertretenen Parteien und der Deutsche Bauernverband (DBV) als der diesen Prozess treibende Lobbyverband verstanden, eine öffentliche Diskussion über diese Bodenpolitik weitgehend zu verhindern oder in unwichtige Nebengleise zu leiten. Dies erscheint erstaunlich angesichts der Tatsache, dass bei der verbilligten Verpachtung und dem verbilligten Verkauf der öffentlichen Flächen mittlerweile Subventionen von mehr als 20 Milliarden EUR angefallen sind und dies im Wesentlichen für wenige Tausend Profiteure (Gerke, 2012a).

Zwei Aspekte könnten jedoch zukünftig die Aufmerksamkeit auf die ostdeutsche Bodenpolitik und damit die klammheimliche Verteilung von mehr als 20 Milliarden € an wenige Eigentümer großer Agrarbetriebe lenken, zum einen eine neue Rechtssprechung zur Rehabilitierung von Opfern der Bodenreform, zum anderen eine Diskussion über den Ausverkauf weiter Teile der ostdeutschen Landwirtschaft an externe Investoren, die mit der Diskussion des Landgrabbing in Ländern der dritten Welt aufgekommen ist.
Beides Bodenreform und Landgrabbing in Ostdeutschland hängen eng zusammen.

 

Die Bodenreform in der SBZ im Prozess der Agrartransformation in SBZ und DDR

Die Bodenreform im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands wird auch heute noch, auch im vereinigten Deutschland als eine im Wesentlichen gelungene Umverteilung land- und forstwirtschaftlichen Bodens aus der Hand weniger Großgrundbesitzer in das Eigentum Vieler betrachtet. Jedoch, nach der friedlichen Revolution in der DDR und dem Anschluss an die Bundesrepublik befanden sich 1992, regional unterschiedlich zwischen 35 und 60% der landwirtschaftlichen Nutzflächen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR im Eigentum des Bundes (BVVG) oder der Bundesländer, also nicht mehr in breiter Eigentumsstreuung der Neusiedlerfamilien oder der Bauern. Die Bodenreform in der SBZ war nur der erste Abschnitt auf dem Weg einer Agrarstrukturtransformation, wie sie in der Sowjetunion vorgemacht wurde und von den meisten Staaten des Ostblocks, einschließlich der SBZ/DDR nachgeahmt wurde. Sie war der erste Schritt, dem fast direkt danach ab 1948 die Verfolgung der Großbauern (ab 100 ha) unter dem Motto „Junkerland in Bauernhand“ folgte, und ab 1952 die Kollektivierung und schließlich die Industrialisierung der Landwirtschaft in der DDR.

Von den fast 12.000 im Rahmen der Bodenreform 1945/46 enteigneten Betrieben waren fast 5.000 Betriebe unter 100 ha groß, über 7.000 Betriebe über 100 ha groß. Während für die Betriebe unter 100 ha gelten sollte, dass nur „aktive Verfechter der Nazi- Partei und ihrer Gliederungen“ enteignet werden sollten, galt für die Beitriebe über 100 ha pauschal, dass ihre Schuld in einer „Mitgliedschaft in der Bande des feudal und junkerlichen Großgrundbesitzes „ bestand. Die Enteignungen wurden von Bodenkommissionen entschieden und beschlossen. Sie erfolgten vollständig und entschädigungslos, verbunden mit der Verweisung der ganzen Familie aus dem Heimatkreis, in vielen Fällen verbunden mit der Inhaftierung von Familienmitgliedern in Lagern der Sowjetischen Militäradministration (SMAD).

Die Kriterien zur Enteignung von Betrieben über 100 ha in Kombination mit der entschädigungslosen Enteignung des gesamten Besitzes führte zu absurden Konsequenzen. Eine Familie mit einem 102 ha- Betrieb (die Enteignung im Rahmen der Bodenreform bedeutete auch Konsequenzen für die Familien) gehörte nach der Definition der SMAD zur Bande, die für Faschismus und Krieg verantwortlich war, eine Familie mit einem 98 ha- Betrieb nicht. Im ersten Fall erhielten die Nachkommen nach 1990 allenfalls einen geringen Ausgleich, im zweiten Fall erhielten die Nachkommen in der Regel nach 1990 den gesamten Betrieb zurück, unzwar mit allem was dazu gehörte, also auch dem Fuhrpark den das DDR-Volk bezahlt hatte. Wer sich mal so ein Mähdrescher leisten wil, wird schnell erfahren, das man den nicht für ein Apfel und ein Ei bekommt.

Nach 25 Jahren Einheitsdeutschland ist 95% des Bodens in Besitz westdeutscher Eigner, einschliesslich Bauernverbände sowie Sportverbände wie Reitervereine, Anglervereine, Museen usw. Aus den Großbetrieben die sich zu Erben der LPG´en machten sind hochprofitable Agrarunternehmen geworden, die den Westdeutschen Kleinunternehmer locker abhängen. Dies belegt auch, wie erfolgreich das Konzept der LPGen einst war, nur dienen sie heute nicht mehr dem Volke, sondern es hat sich eine neue Form von Feudalwirtschaft etabliert die unglaublicherweise der Feudalstruktur vor dem 1. Weltkrieg gleicht. Somit ist die Bevölkerung Ost erneut zu Lehnsarbeitern geworden und ihres Eigentums beraubt – legalisiert durch die Treuhand und organisiert durch die Bundesrepublik Deutschland .

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Junkerland in Bauernhand

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Die zwei Millionen Hektar haben „auch“ einen „Geldwert“ – etwa 20 Milliarden Euro, die durch „Kredit“ locker zu zwei Billionen Euro aufgebläht wurden.

    Verfasst von jauhuchanam राम अवत कृष्ण יוחנן אליהו | 27 Februar, 2016, 8:47 am

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Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
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