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Poststraße
Gefahren, Lobby, Medien, Meinungsmanipulation, Monopole, Partei-Einheitsbrei, Verblödungsmedien

Die Medien zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen (Vorsicht: Ironie!)

Sendungen wie US-Tagesthemen oder CIA-heute sind längst schon nicht mehr als „Nachrichten“ im Sinne von unpateiischer Berichterstattung über das aktuelle Weltgeschehen zu betrachten. Eher schon, um es mit den Worten eines osteuropäischen Mitarbeiters eines deutschen öffentlich-recht(s unheim)lichen Senders zu sagen, sind es „propagandistische Nägel, die wir unseren Zuschauern ins Gehirn hämmern“. Oder, etwas nüchterner formuliert, eine Sequenz von Meta-Botschaften, suggestiven Impulsen, die, in bestimmte optische und sprachliche Formen gegossen, ins öffentliche Bewusstsein vermittelt werden.
Unter diesem Blickwinkel erschließen sich die Nachrichtensendungen der ARDel und des ZDeFl (offensichtlich mediale Kopien von eRTeL und Teletubbies) viel sinnvoller, als wenn man ihnen mit dem frechen Anspruch kommt, über das Geschehen in Deutschland und der Welt einfach informiert zu werden.
Die jüngste heute us-journal–Sendung war in diesem Sinne eine besonders lohnende Zwischen-den-Zeilen-Lektüre.

HJ Aufmacher
Der Aufmacher war der ISIS-Vormarsch im Irak. Der Bericht dazu, anscheinend in der Redaktion aus Agenturen-Medlungen und -Filmmaterial sowie YouTube-Videos zusammengestellt, war ein Mainzer Stubenhocker-Stück und enthielt für mich keine Aussage.
ZDF HJ 1
Danach aber wurde ein Experte Guido Steinberg von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (einer

Berliner Denkfabrik, die die Bundesregierung berät

(SIC!), so Moderator Claus Kleber) zugeschaltet. Und da ging es ergiebiger zu.
HJ Steinberg
Guido Steinberg Zitat 1
Der

Aufstieg von ISIS ging mit einer Stabilisierung der Herrschaft Assads einher

Hmm, war das nicht zufällig ein assoziativer Brückeschlag zwischen beiden unversönlichen Gegenern? Nach dem Motto „Gut für ISIS gleich gut für Assad“?
Guido Steinberg Zitat 2

Die USA und die westlichen Akteure sind von ihrem Ziel, das Assad-Regime zu stürzen, abgerückt

Stopp, give me a break! War denn nicht das Zeil der westlichen Akteure, u.a. Deuschlands, dem Blutvergießen in Syrien ein Ende zu setzen und weitere Opfer, Zerstörungen und Flüchtlingsströme zu verhindern?!
Mögliche Meta-Botschaften hier:
(A) Eine Nachlässigkeit! Gerade hat man sich verplappert, dass das wahre Ziel der deutschen Syrien-Politik, flankiert von den deutschen Medien, keine friedliche Konflikt-Lösung, sondern Sturz eines unliebsamen Staatschefs war. Autsch! War zwar ohnehin ein offenes Geheimnis, aber „Sturz“ klingt unschön und hat einen so einen ausgeprägten regime change- Beigeschmack, dass man kotzen muss. Gelbe Karte!
(B) Die deutsche Politik hält die rhetorischen Nebelkerzen für nicht mehr zweckdienlich und gibt unmissvertändlich zu, in einem inneren Konflikt eines souveränen Staates aktiv Partei ergriffen zu haben. No nonsense ab hier. Realpolitik. Und das ganze Entsetzen über die Zerstörung, die Opfer und das menschliches Leiden, na ja, ein Mittel zum Zweck eben. Aber wo bringt uns solche Unverblümtheit und Geradlinigkeit hin, wenn man etwa an die Ukraine denkt?!
Guido Steinberg Zitat 3
Die

Terrorismus-Bekämpfung rückt immer mehr in den Mittelpunkt westlicher Erwägungen und davon profitiert Assad

Botschaft 1 im Klartext: Bislang haben wir nicht gescheut, uns der Terroristen zu bedienen, wenn es opportun war.
Botschaft 2 Unsere Syrien-Politik samt späteren Folgen der „Befreiung“ Iraks und Libyens fällt uns jetzt so schmerzlich auf die Füße, dass Assad als kleineres Übel erscheint. Lieber Russen-Versteher Assad, als dass uns die Jihadis direkt auf die Pelle rücken.

Bericht aus der Höhle des Zyklopen oder ZDF-Korrespondent begibt sich auf die Krim, um die russische Schreckenherrschaft zu dokumentieren.
Die Reportage des ehemaligen Moskau-Korrespondenten Roland Strumpf von der Krim war ein weiteres Bündel suggestiver Impulse. Und natürlich die Anmoderation dazu:

Kleber Anmod zu Krim

Zitat Claus Kleber:
Als

Russland sich vor 3 Monaten die Halbinsel Krim, sagen wir mal, zurückholte, ging das mit vergleichsweise zivilen Mitteln: einer Abstimmung unter betroffenen Bürgern, weder frei, noch fair, noch geheim, aber besser, als ein Waffengang

.
Botschaft 1 unser Reporter durfte zwar auf die Krim, aber die Ausbeute ist mager: kein echter Horror zutage gefördert, nichts richtig brauchbares hinter dem Eisernen Vorhang gefunden.
Botschaft 2 der Sprachgebrauch muss dem angebrachten Grad der Häme angepasst werden. Der amtliche Begriff Annektion weicht vorübergehend der Abstimmung.
Zitat Claus Kleber:

Damals köderte Russland die Bewohner mit großen Versprechnungen: eine Vervielfachung der Löhne und Renten. Unser Reporter Roldand Strumpf … kann nun Versprechungen und Realität vergleichen.

Botschaft 1 es ist also doch in der us-heute-Redaktion angekommen, dass auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle bei den Krimeanern gespielt haben, neben zügelloser Einschüchterung, roher Gewalt, propagandistischer Gehirnwäsche und Ausrottung jeder Meinungsabweichung.
Botschaft 2 Wir haben uns redlich bemüht. Aber selbst uns ist es nicht immer möglich, weiss als schwarz darzustellen, ohne lächerlich zu werden. Also muss grau heran.

Die Reportagehielt dann doch nicht mal das, was die Anmoderation so zurückhaltend versprach. Der etwas zaghafte Titel:
Krim: nach dem Anschluss an Russland
HJ Flotte
Der Reporter spricht zweimal von einkehrender Ernüchterung, aber der einzige Beleg dafür aus erster Hand ist ein O-Ton von Krim-Bewohnerin Jelena Somowa vor einem Obst-Stand auf dem Bauernmarkt:

Noch kommen wir mit den Preisen klar, aber wir vermeiden größere Anschaffungen.

HJ O-Ton Somowa
Wenn Aufschub größerer Anschaffungen die große Ernüchterung bedeutet, dann sind weite Teile Europas ja fast schon in freiem Fall, legt man den gleichen Maßstab an. Weiter spricht der Autor von ganzen Belegschaften, die in Betrieben gedrängt werden, russische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Zeigt aber keinen einzigen gedrängten.
Botschaft 1 ein Kamera-Team des deuschen Fernsehens darf sich nicht nur auf der Krim frei bewegen und ungehindert filmen, sondern kriegt sogar eine großzügige Drehgenehmigung für den Marine-Stützpunkt in Sewastopol. Sind die Russen bescheuert?! Oder nur so entspannt?..
HJ Offizier
Seltsamerweise fährt dabei der russische Presse-Offizier einem Kapitän-Leutnanten dazwichen, als er dem deutschen Journalisten gerade erzählen will, dass 9000 ukrainische Soldaten zu den Russen übergelaufen seien, weil sie von Kiew nichts mehr zu erwarten hatten. So heisst es im Bericht. Damit würgt er eigentlich eine für die Russen durchaus vorteilhafte Darstellung ab.

 

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Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Die Medien zwischen den Zeilen

  1. Hat dies auf LichtWerg rebloggt.

    Verfasst von LichtWerg | 13 Juni, 2014, 9:32 pm

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Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
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