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Amerika, Berlin, BRD Legitimität, Gefahren, Geschichte, Gesundheitsgefahren, IQ, Kinder, Krankenkasse, Lobby, Medien, Meinungsmanipulation, Partei-Einheitsbrei, Patient

Amerikanische Schießübungen am Wannsee

Schüsse am Strandbad Wannsee

Zerschossene Fenster, Kugeln im Verwaltungsgebäude, Schüsse auf Dienstwohnungen,  laufend treffen seit Sommer 1951 verirrte Kugeln eines Truppenübungsplatzes das Strandbad Wannsee. Schliesslich trifft es auch Badegäste, doch nichts passiert, ganze fünf Jahre lang wird die Gefahr, die Schäden und die Opfer unter dem Tisch gekehrt. Nur Ostberlin meldet immer neue Vorfälle. Für den Westen Propaganda der bösen Kommunisten.

Juli 1951 – ein Mann wird direkt vom Wannsee ins Krankenhaus eingeliefert, Steckschuss in der Schulter.
5. August 1952 – ein 6jähriges Kind wird durch einen Schuss in den Hals eingeliefert, ein Infanteriegeschoss der US-Armee
1955 – Leberschuss, eine Frau wird schwer verletzt direkt vom Wannsee eingeliefert und kämpft wochenlang um ihr Leben, danach kämpft sie jahrelang um eine kleine Rente.

Ein Sommertag im Jahr 1952, die kleine Karla geht im Strandbad schwimmen. Plötzlich erwischt sie eine Kugel am  Hals, abgefeuert von US-Soldaten. Der Westen Berlins hatte einen Skandal.

Die Medien West stellen dies als Versehen und Unfall dar, „einmaligen unglücklicher Querschläger der Amerikaner“, doch die Medien Ost berichten von Dutzenden verirrten Kugeln die monatelang immer wieder durch das Strandbad Wannsee fliegen.

Schliesslich dichtet eine Kabarettistin 1952 den seit 1951 bekannten Gassenhauer „Pack die Badehose ein“ von  Conny Froboess kurzerhand um.

Der Tag, an dem die sieben Jahre alte Karla Jäger zu einer Figur des Kalten Krieges wird, ist ein Dienstag im Jahr 1952, der 5. August. Es ist heiß, 30 Grad, im Strandbad Wannsee ist schon früh am Morgen viel los. Insgesamt zählen die Schwimmmeister 17 198 Besucher an diesem Tag. Karla planscht wie viele andere Kinder im flachen Wasser. Sie ist braun gebrannt, ihre blonden Locken sind von der Feriensonne ganz ausgebleicht.

Sie hört nicht, was kommt. Niemand hört es. Sie spürt aber plötzlich einen stechenden Schmerz, hinten am Hals. Es tut sehr weh. Sie fasst hin und hat Blut an ihren Fingern. Weinend läuft sie zu ihrer Mutter, die sie in den Arm nimmt und tröstet. Ein Wespenstich vielleicht, denkt die Mutter, oder eine kleine Schnittwunde. An der Hand ihrer Mutter geht Karla zum diensthabenden Sanitäter. Der reagiert ungewöhnlich nervös.

In Karlas Hals steckt eine Kugel, ein Infanteriegeschoss der US-Armee. Das weiß da noch niemand, aber die Schwimmmeister ahnen es. Sie setzen das Kind und seine Mutter in ein Motorboot und fahren auf die andere Seeseite ins Krankenhaus Wannsee.

Fast 55 Jahre später sitzt Karla Jäger mit einer kleinen Mappe auf den Knien und erzählt ihre Geschichte.
Inzwischen wohnt sie längst am Rhein, hat geheiratet und Kinder großgezogen. Konopatzki heißt sie heute.
Die Narben sind unter der Bluse und den blonden Haaren zeugen von damals, nur wenn sie den Kopf hebt, sieht man sie.
Es ist ihr immer leichtgefallen, die wülstigen Narben zu kaschieren. Selbst wenn mal jemand die Wülste am Hals und hinten neben der Wirbelsäule gesehen hat, nur selten fragte jemand nach der Ursache. Die schwere Verletzung von einst sind glücklicherweise folgenlos geblieben.

Dass ihr Fall dagegen zu einem Kapitel des Kalten Kriegs wurde, als sich Amerikaner und Sowjets in Berlin  gegenüberstehen, ahnte sie damals nicht.
Sie öffnet die kleine Mappe mit Fotos, Zeitungsausschnitte, Teile der Krankenakte.

Die Ärzte im Krankenhaus Wannsee hatten damals große Probleme die Kugel aus dem Hals des Mädchens zu entfernen. Erst mit einem Magneten gelang es ihnen, das Geschoss herauszuholen. Dann stand auch zweifelsfrei fest: Es ist eine Kugel, wie sie in Berlin nur die Amerikaner benutzten.

Das brachte die Behörden in Erklärungsnöte, denn die wussten längst, dass es bei den Schießübungen der Amerikaner im Grunewald immer wieder zu Unfällen kam.
Mal trafen verirrte Kugeln die Dienstwohnung eines Badangestellten, mal durchschlugen sie ein Fenster, mal lagen leere Patronenhülsen auf dem Platz vor dem Verwaltungsgebäude.
Im Juli 1951 wurde ein Badegast getroffen: Steckschuss in der Schulter. Die Behörden und die Schwimmmeister behielten das immer für sich und ließen die Berliner am Wannsee baden. Bis eben zu jenem 5. August 1952. Bis es das Mädchen Karla traf. Danach wurde das Schweigen gebrochen.

Die Vorgeschichte ihres Falles erfährt Karla Konopatzki aber erst jetzt, 55 Jahre später, als zum bevorstehenden 100. Geburtstag des Wannseebades viele Akten entstaubt und aufgeschlagen werden. „Von den anderen Fällen haben wir nie gehört“, sagt sie. „Wir fühlten uns durch die Amerikaner nie bedroht, sondern beschützt.“ Und sie sagt auch: „Hätten meine Eltern gewusst, wie gefährlich das Baden am Wannsee war, wären sie nicht mehr mit mir täglich dahin gefahren.“

Die Situation im Jahr 1952: Die Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) setzt auf die Westintegration der Bundesrepublik. Stalin bietet dagegen ein wiedervereinigtes, aber neutrales Deutschland an. Tausende Kilometer weiter östlich zeigt der Koreakrieg, dass die einstige Weltkriegsallianz von USA und Sowjetunion endgültig passé ist. Berlin ist noch nicht durch die Mauer geteilt, aber seit dem Ende der Blockade gelten die Westalliierten als Schutzmächte – vor allem die US-Truppen.

Die Amerikaner bauen in der ehemaligen Südkurve der Avus einen Übungsplatz. Den nennen sie Keerans Range. Dort trainieren die Schützen in speziellen Unterständen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.
Dass diese Übungen irgend jemandem im zu beschützenden West-Berlin gefährlich werden könnten, auf die Idee kommen die Truppen nicht.

Im Krankenhaus Wannsee erholt sich Karla mühsam von dem schweren Eingriff, 28 Tage liegt sie im Krankenhaus. Zurück bleiben dicke Narben am Hals und Rückrad. Das Mädchen hatte trotzdem Glück im Unglück: Die Kugel schrammte nur zwei Millimeter neben ihrer Halsschlagader vorbei.

Die Eltern haben, als ihre Tochter noch im Krankenhaus lag, nachgefragt: Wie konnte das passieren?
Eine Antwort bekamen sie nie.

Jahrzehnte später findet sich der Grund für die Untätigkeit.
Es ist die profane Angst davor, dass das Bad geschlossen würde.

Nach dem Krieg können sich nur die wenigsten Berliner teure Urlaubsreisen leisten, manche nicht mal eine Fahrt an die Ostsee. Das Strandbad Wannsee ist daher ihr wichtigstes Naherholungsziel.
Das wollen die Verantwortlichen nicht aufgeben.
Andererseits fürchten sowohl die Verwaltung als auch das zuständige Bezirksamt Zehlendorf, dass die Amerikaner auf keinen Fall ihre Schießübungen einschränken würden. Der Bezirksbürgermeister teilt nur lapidar mit, die Militärverwaltung habe sich bei früheren Vorfällen auf den Standpunkt gestellt, dass es sich „nur um irgendein verirrtes Geschoss handeln kann. Sie kann infolgedessen die Verantwortung für etwaige Unglücksfälle nicht übernehmen. “
Man teilt dem Bürgermeister mit „Sie müssten im anderen Fall auf der Schließung des Strandbades bestehen.“
„Da wir eine solche Maßnahme aber nicht verantworten können, haben wir nichts mehr unternommen.“ erzählt der Bürgermeister.

Damit ist mit Karlas Fall Schluss. Die Behörden sind aufgeschreckt und schließen das Bad. Zunächst tage-, dann stundenweise. Die Besucher stehen zu Hunderten in der Sommerhitze Schlange, um endlich hereinzukommen. Sie regen sich auf und schimpfen.

Allein die ostdeutschen Medien erfreuen sich an der Nachricht: Wannseebad geschlossen, weil die Amerikaner auf der Keerans Range das Schießen üben.

Das „Neue Deutschland“ macht aus dem angeblichen Querschläger einen „Mordanschlag“ der US-Besatzung.
Die „BZ am Abend“ (DDR-Ausgabe) versucht Familie und Kind im Krankenhaus Wannsee zu besuchen, muss aber feststellen dass der US-Geheimdienst Familie und das kleine Mädchen völlig abschirme. Es darf keinerlei Besuche empfangen.  Intensiv wird auch auf die Familie des Kindes eingeredet.

Zur selben Zeit treffen bei ihrer Familie Beileids-Briefe aus Ostdeutschland ein, die Karla Konopatzki in ihrer Mappe aufbewahrt:
Eine Einladung trudelt ein, vom Pionierlager „Walter Ulbricht“ aus dem kleinen Harzort Horla: Karla wird vorgeschlagen, sich dort von ihrer Verletzung zu erholen.  Doch davon wollte ihre Familie nichts wissen.

„Das waren alles Versuche, mich und meine Familie in die DDR zu lotsen“, ist sich Karla Konopatzki heute sicher. Als Grund vermutet sie Propaganda und unterstellt der DDR schlimmste Absichten.

„Wir waren froh über das, was man uns als Entschädigung zukommen ließ“, berichtet sie schliesslich.
Einen billiger Ballonreifenroller für das Kind und eine sechswöchige Kur in Badenweiler für Mutter und Kind inkl. Flug. Für Karla, die noch nie in einem Flugzeug saß eine echte Sensation, unvergessen ist das Abenteuer bis heute.
Karla hat längst vergessen, das ihr Leben am seidenen Faden hing.

Im Westen errichten der Senat für die Amerikaner nun einen Kugelfangzaun an der Keerans Range für 657 000 D-Mark. Als der fertig ist, dürfen die Berliner wieder uneingeschränkt im Strandbad baden.

Dass dennoch weiterhin Kugeln am Wannsee einschlugen, verhinderte der Fangzaun nicht wirklich.
Gut drei Jahre nach Karlas Halsschuss wird erneut eine Frau getroffen – diesmal in die Leber. Die Kugel kann nicht entfernt werden, wer sie abgefeuert hat, bleibt unklar.

Die Amerikaner machen die West-Berliner Polizei verantwortlich, die auch in Keerans Range übt;
die West-Berliner Behörden die Amerikaner. Später wird klar, auch das ist ein amerikanisches Geschoss.
Die angeschossene Frau erholt sich nie mehr. Sie wird berufsunfähig und prozessiert jahrelang, um eine kleine Rente zu bekommen.

Bis heute wurde nie gegen jemand Anklage erhoben. Die Bundesdeutsche Justiz vertuschte das.

Quelle: Matthias Oloew, 100 Jahre Strandbad Wannsee, Nicolai Verlag – das Buch
Tagesspiegel vom 29.4.2007 „Schüsse am Wannsee“
Längst sind sämtliche Seiten aus dem Internet verschwunden die dieses schwarze Kapitel beleuchten.

Gina Presgott – Schliess die Badehose ein

Wenn das Thermometer steigt,
und fast 30 Grad anzeigt,
ja dann zieht man aus Berlin
zum Strand vom Wannsee hin.
Kinder ist das ein Gewühl,
Oma kaut ein Eis am Stiel,
und die Planscherei,
doch damit ist’s jetzt vorbei:

Schließ‘ die Badehose ein,
laß das Baden lieber sein,
denn der Ami schießt am Wannsee.
Wenn die Sonne strahlend scheint
und das Schwesterchen auch weint
fahre bloß nicht an den Wannsee.

Ich kann schießen, sagt der Ami,
wie ich will und wo ich mag,
das erlaubt mir Adenauer
ja im Generalvertrag.

Kinder, woll’n wir doch mal sehen,
ob, wenn wir zusammenstehen
nicht die Amis eines Tages baden geh’n.

Will man sich erholen geh’n,
sieht man bloß Kanonen steh’n.
Und die Ami-Flinte knallt in uns’rem Grunewald.

Wer zum Strand will, ist entsetzt,
denn da sitzt der Ami jetzt
doch wir ham‘ parat,
für die Brüder einen Rat:

Pack‘ die Panzerwagen ein,
leg‘ paar Steine noch mit ‚rein.
Und dann rin damit, in‘ Wannsee.
Denn wir pfeifen auf das Glück,
auf ’ne Kugel im Genick.
Wir woll’n Frieden — auch am Wannsee.

Schließlich zieh’n wa‘, wenn wa‘ baden,
keene Panzerwesten an.
Denn Berlin ist nicht Chicago,
unser Bert, kein dritter Mann.

Keine Sorge, Hans und Klaus,
pack‘ die Badehose aus.
Ami geh‘ nach Hause,
mensch, sonst flieg’ste ‚raus.

 

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Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

3 Gedanken zu “Amerikanische Schießübungen am Wannsee

  1. Danke für den guten Artikel. In der rbb Doku „Geheimnisvolle Orte – Am Wannsee“ wurde das Thema gerade kurz angeschnitten.

    Verfasst von Schönes Berlin | 20 Januar, 2015, 9:18 pm
  2. Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Siehe, die Merkel hatte da später ihren Wohnsitz bei Ferienaufenthalten! Die Schlaumeier dachten, wir haben nur Tomaten auf den Augen und würden Schweigegeld mit Bonbons verwechseln! Glück, Auf, meine Heimat!

    Verfasst von Senatssekretär FREISTAAT DANZIG | 7 Dezember, 2014, 11:15 pm

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  1. Pingback: Amerikanische Schießübungen am Wannsee | volksbetrug.net - 18 April, 2015

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