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Poststraße
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Rassistische ostdeutsche Ausgrenzung ist „Selbstverständlichkeit“

Gericht beschäftigt sich mit "-Ossi" AbsageEin Tabu-Thema für Westdeutsche ist die Diskriminierung von Ostdeutschen als Bundesbürger zweiter Klasse. Und zwar tagtäglich, ununterbrochen.
Es ist so normal wie Butter auf Brot.

Nein, es geht hier nicht um die großen Vergehen, es geht vielmehr um die alltägliche, „vernachlässigbare“ Diskriminierung. Deshalb beklagt euch nicht, wir reiben euch das solange unter die Nase, bis ihr begreift, was ihr da tagtäglich von euch gebt. Und für jene Ossis, die illusorischerweise glauben, gleichwertig behandelt zu werden: es ist nie zu spät, klüger zu werden.

Menschenrechte für OstdeutscheSchon 1993 klagte man im Europäischem Parlament Menschenrechtsverletzungen der Westdeutschen gegen Ossis an. 25 Jahre später hat sich daran GAR NICHTS verändert.

Von den 500 größten Unternehmen der Bundesrepublik sitzen 478 in Westdeutschland und 22 in den neuen Ländern. Davon wiederum sind 14 in Berlin angesiedelt. Also ganze 8 größere Unternehmen sind von den mehr als 10.000 Unternehmen der DDR übrig geblieben und auch die gehören überwiegend Aktionären aus Westdeutschland. Den Ossis gehört nichts mehr vom einstigem Volkseigentum. In seinen Behörden sitzen Abteilungsleiter aus dem Westen und verwalten die Ossis. Sie besetzen Ostdeutschland nach wie vor. In der Agrarwirtschaft sieht es noch schlimmer aus. Dort entspricht der Zustand der Verteilung ziemlich genau dem Zustand der Verteilung im Feudalismus des 12.-18. Jhd.  Mit anderen Worten: es gibt fast gar keine ostdeutschen Bauern mehr.

Der Adel hat sich seine Landsitze rückübertragen lassen. Aus Erholungsheimen, aus Kinderheimen wurden wieder Rittergüter und Landsitze für den Adel. Den Palast der Republik, der dem Volk offen stand, hat man abgerissen, um den alten Preußensitz wieder aufzubauen. Bald stellt sich die Frage, welcher Kaiser von Deutschland da wohl einziehen wird. Das Volk wird es jedenfalls nicht sein.

Das alles spiegelt sich auch in der Zahl der Erwerbslosen wider, die fast doppelt so hoch sind, und hinter jedem Erwerbslosen steht auch eine Familie. Das ganze verdoppelt sich durch die Zahl der Niedrigstlohnverdiener und Lohnaufstocker und auch das fällt unter den Tisch. Und dann kommen noch die importierten armen Asylbewerber, die importierten Exknackis, Irrenhäuser und importierten  Billiglohnarbeiter hinzu, die den Pflegenotstand West beseitigen sollen.
Leistungsträger im Sinne der westdeutschen Definition kann man im Osten mit der Lupe suchen, obwohl all diese Leute viel und oft auch sehr schwer arbeiten. Aber die Leute sind arm und sie werden lausig  abgespeist, hegemonial bevormundet und vom Westen nach wie vor besetzt.

In Ostdeutschland ist das BGE der einzige Weg zu Leistungsgerechtigkeit.

Ostdeutschland wird auch 23 Jahre nach der Einheit von Beamten aus Westdeutschland dominiert.
Dies zeigen jüngste Recherchen von Werner J. Patzelt. Eine Erhebung unter den Ministerien und Staatskanzleien der fünf neuen Bundesländer ergab, dass drei Viertel aller Abteilungsleiter dort aus Westdeutschland stammen. Nur ein Viertel von ihnen wuchs in Ostdeutschland auf. „Das ist viel weniger, als ich gedacht hätte“, sagt Werner J. Patzelt, Politikwissenschaftler an der TU Dresden.
Da fragt man sich schon, mit welchem verklärtem Blick Patzelt bisher durch die Gegend lief?

Der westdeutsche Psychologe Hans-Joachim Maaz meint zu wissen: „Karriere- und Profilierungsstreben gehörten eben nicht zu den typischen Sozialisationsformen in der DDR. Der Geltungsdrang war nicht so ausgeprägt wie in der westdeutschen Konkurrenzgesellschaft.

Blöd - die Bild fürs blöde Volk, frisch aus Springers Druckerpresse

Blöd – die Bild fürs blöde Volk, frisch aus Springers Druckerpresse

Es ist ein zweifelhafter Ruhm der Profilierungssucht und die Blasiertheit von Besserwessis (netterweise als Geltungsdrang umschrieben) zu einer Tugend erklärt. Diese westdeutschen Profilsüchtigen sind geistig meist ziemlich flach, das belegt schon ein Blick in die Westliteratur oder ins Fernsehprogramm. Es gibt wohl kein Programm, was derart sinnfrei und hohl ist wie die von RTL, Pro7, Sat1, Kabel oder N24. Würde man die Glotze schräg halten, fließt da nur das reichlich verspritzte Blut und Gift heraus, das man auch von der Springer-Presse (Bild & co) kennt.

Überhaupt ist der ganze Westmüll völlig aufgepumpt, durch billige Tricks gestreckt und inhaltsleer wie z.B. die Lebensmittel, die von den Discountern verkauft werden. Der einzige Unterschied ist nur noch die Verpackung und das Preisschild. Kein Wunder, dass sie den realen Hersteller hinter Nummern verstecken müssen und die Lebensmittelampel wie der Teufel das Weihwasser fürchten.

Im Verhältnis 15:60 Mio ist der Ostdeutsche in seiner bescheidenen Art gegenüber dem Marktschreiern aus 
dem Westen immer unterlegen und das ist durchaus gewollt. Das ist Besetzungsstrategie, hegemonialer 
Oberbefehl, Kolonialismus, römisches Diktat aus Bonn. Es wird sogar durch ständige Wiederholung von 
Vorurteilen ständig neu befeuert.

Netterweise erklärt uns der Westdeutschem Psychologe Hans-Joachim Maaz auch was er unter „DDR-mäßig sozialisiert“ versteht. „Das bedeutet durch Einschüchterung und Unterordnung.“
Ah ja, jetzt holt er wieder die Vorurteile vom dummen Ossi hervor. Typisches Verhalten von Manchesterkapitalisten, ähnlich abfällig bestellten sie auch Arbeiter per Viehwagon-Menge, eine Erfindung der Marktwirtschaft.

Offenbar sieht ein Besserwessi nicht all die Arschkriecherei seiner westdeutschen Landsleute vor ihren Arbeitgebern. Die geistige Verflachung ihrer Bildungseinrichtungen, in der ja die DDR und damit auch die Bürger der DDR nur eine Platz haben: den der Bösen, deren Gesellschaftsordnung nur darauf aus war, das eigene Volk zu quälen.
Im Westen sind denkende Mitarbeiter unerwünscht, sie haben nur zu funktionieren, wie Maschinen. Tatsächlich ist es „rücksichtslose Selbstausbeutung“ – und wofür? Damit sich 1% der Gesellschaft jeden erdenklichen Luxus leisten kann, weil er es angeblich „verdient“ hat. Womit? Durch Selbstbedienung am gesellschaftlichen Reichtum?
Leider gehen diese Maschinen irgendwann mangels „schlechter Pflege“ kaputt. Die Menschen in Westdeutschland haben noch nie für den gemeinsamen Wohlstand ihres Landes und dessen Reichtum gearbeitet, in der die Wirtschaft dem Menschen dient und demzufolge regelmäßiger, ausreichender Lohn aber auch Erholung zum Gesellschaftskonzept gehörte.

a und Opa beim AbsaufenDas Leben im Westen wird von negative Attributen wie Geldgier, Arroganz und Oberflächlichkeit bestimmt. Sie beten den Mammon an und trällern permanent „Money, Money, Money„. Dafür wird auch die eigene Großmutter verkauft – sofern sie dafür einen Abnehmer finden. Tatsächlich werden Renter einfach ostwärts abgeschoben, oder sagen wir besser, bis zu ihrem Ableben in Bettenburgen „eingelagert“, weil sie sich eh nichts Besseres leisten können.

Zudem sind sie im Westen völlig unorganisiert, begreifen kaum Wechselwirkungen und Ursachen werden regelrecht zu Tode analysiert und damit atomisiert. Frei nach dem Motto: was so klein ist, sieht eh keiner mehr. Ansonsten gilt geistige Bewegungslosigkeit (Aussitzen) als Tugend.

Seit mehr als 60 Jahren haben sie es mit der Methode geschafft, kein einziges Problem zu lösen.

Fachliche Kompetenz wird darüber definiert, wieviel Denglisch man in einem Satz reinstopfen kann. Hauptsache, die leere Hülle auf Hochglanz poliert, umgeben von einer stinkenden Chemiewolke, die als lebensnotwendig angesehen wird.
Fleiß und Erfindungsreichtum ist im Westen vergebliche Liebesmühe. Hier haben der Leser, der Kunde und der Arbeitnehmer doof zu sein. Denken kann nur einer – der Chef. Deswegen braucht der auch Kameras, mit denen er seine doofen Arbeitssklaven überwachen kann.

Interessant ist, dass man Ossis permanent Untertänigkeit und Autoritätsgläubigkeit unterstellt, und das insbesondere gegenüber Jugendlichen. Was da so alles von Ossis behauptet wird ist geradezu eine Frechheit. Aber die Wessis merken das nichtmal.
Dabei waren es die Ossis, die rebelliert haben, und es sind die Wessis, die ihr Leben lang nach den großen Pfeifen des Politzirkus tanzen, weil sie längst aufgehört haben, Dinge zu hinterfragen.

Um mal aus einer „wissenschaftlichen Studie“ zu zitieren die sich mit der Erziehung in DDR-Kinderheimen beschäftigt:

Die „klassischen“ Herrschaftsmethoden in der DDR bereiteten „auf das Leben danach“ vor.
unzwar durch:

  • Abschotten vor unerwünschten Einflüssen (Westen, Reformen, Religion etc.) – Isolation
  • Organisation der Gesellschaft vorwiegend in Strukturen der Über- und Unterordnung – Disziplin
  • Strukturierung der sozialen Basis in funktionalen Gruppen – Kollektiv
  • Definition des Menschen über die Arbeit
  • Qualität von Bildung und Ausbildung abhängig von der Loyalität gegenüber dem System – Deprivation

Also wenn ich mir das so anschaue, seh ich da einen klassischen Wessi.

  • Abschotten vor unerwünschten Einflüssen (Osten, Kommunismus etc.) – Isolation
  • Förderung von Gläubigkeit (Christentum, Medienverblödung) – Isolation
  • Organisation der Gesellschaft vorwiegend in Strukturen der Über- und Unterordnung – Disziplin
  • Strukturierung der sozialen Basis in funktionalen Gruppen – Team
  • Definition des Menschen über die Arbeit
  • Qualität von Bildung und Ausbildung abhängig von dem gesellschaftlichem Status der Familie innerhalb des Systems – Deprivation (Entbehrung)

Wohlgemerkt es handelt sich um einen Wissenschaftler! Schulen sind generell ein Ort der Umerziehung, deswegen heissen sie ja auch Erziehungsanstalten. Und deshalb wird auch in Schulen West UMERZOGEN. Man macht aus den Kindern gute Staatsbürger – hüben wie drüben.

Unser Tip für Landsleute: Siehst du einen Wessi liegen, blas ihn auf und lass ihn fliegen.

Menschenrechtsorganisationen sind ja gewöhnlich Organisationen, die gegen Menschenrechtsverletzungen kämpfen, nur eben nicht für Menschenrechte der ostdeutschen Bevölkerung. Die existiert nämlich in den Augen dieser Organisationen nicht.
Das die Rechte der Ostdeutschen, wie z.B. ihr Recht auf Meinungsfreiheit, unterdrückt werden, so z.B. in der Wikipedia, bei Besetzung von höheren Positionen, in den Medien, vor Gerichten durch „unabhängige“ (sprich: West-) Richter, im Bundestag, bei Wahlen usw. –
all das existiert nicht.
Auch das Recht auf angemessene Entlohnung, Gleichberechtigung von Mann und Frau und Recht auf Selbstbestimmung, Recht auf den besten erreichbaren Gesundheitszustand und Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben wird in Deutschland ja spätestens seit der Agenda 2010 generell gebrochen.

Menschenrechte für OstdeutscheDass Ossis keine „Leistungsträger“ sind, wird erst angesichts der rund 30% Billiglöhner oder Lohnlosen klar.
Aber genau in diese Kerbe schlägt die AfD/NPD, die ja Gehalt und Rente grundsätzlich an Leistungsträger knüpft. Wie günstig, dass die alle nur im Westen sitzen.
Die östlichen AfD/NPD-Wähler kapieren kaum, das sie auf der falschen Seite Deutschlands geboren sind und von den Versprechungen nicht profitieren werden.
Sie sind nichts weiter als Kanonenfutter für jene Westdeutschen, die sich an die Macht putschen wollen. Sie werden leer ausgehen.

Der statistische Wert der „ausgetauschten“ Leistungsträger beträgt allein 1990 mind. 85%, die restlichen wurden dann die folgenden Jahre ausgetauscht, so dass es sage und schreibe nicht mehr als 1% ostdeutsche „Leistungsträger“ gibt.

Deutschland schuldet den Ossis Respekt, Wiedergutmachung, Autonomie und Aufarbeitung der 
Delegitimation und Zerschlagung der DDR. Das Bild der DDR in den Schulen ist reinste Dämonisierung.

Doch die regimetreue Zeit vermeldet stolz, „in Deutschland steigt die Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation der Bürger – vor allem im Osten den Landes.“
Zynischer und selbstherrlicher kann man sich die Welt wohl kaum zurecht lügen. Das selbe gilt für die Einheit. Überhaupt ist die CDU, nach deren Nazi-Planung der Osten quasi vollständig enteignet wurde, eine der Ossi-feindlichsten, antidemokratischsten Parteien im ganzen Bundestag.

Unter der CDU wurde die ethnische Säuberung von Ossis in allen Institutionen, Behörden, der Armee und 
sonstigen Einrichtungen organisiert. Geplant wurde dieses Machwerk von Alt-Nazis, die diverse Erfahrungen 
während der Hitlerzeit gesammelt hatten, wie z.b.  Dr. Friedrich Ernst, Reichskommissar für feindliches 
Vermögen und weitere Nazigrößen, die sich mit Diebstahl bestens auskannten. 
Dieser faschistische Enteignungsplan wurde 1990 von der Kohlregierung aufgewärmt und umgesetzt.

Aber ausgerechnet jene, die am wenigsten bekommen werden, spannen sich freiwillig vor den Karren von ostfeindlichen Parteien, die lautstark nach leistungsgerechter Anpassung rufen, wohlwissend, dass die Ossis ja keine Leistungsträger haben können.

Nicht umsonst bemüht sich die Bundesregierung eifrig, Ostdeutschland mit Einwanderern und Westdeutschen zu durchsetzen, um die kritische Meinung der Ossis zu „verdünnen“. Das gleiche hat man auch in Irland gemacht, was direkt zur Gründung der IRA führte.

Der Westen hat bis heute weder Unrechtsbewusstsein für seine Verbrechen gegen Ostdeutschland, 
noch begreift er, dass er sich im Osten Feinde gemacht hat, die nichts vergessen.
Die Mehrheit des Volkes (im Westen) sieht derweil die zweitklassige Behandlung als "völlig normal" an. 
Ossis gelten zwar als Deutsche, aber nur wenn es ihnen Vorteile verschafft, wie z.B. für die Dominanz in der EU.

Noch immer werden Ostdeutsche massiv bei der Vergabe von Chefposten benachteiligt, so z.B. im Unternehmen Viessmann. Obwohl die Firma erst aufgrund der (verschenkten) übernommenen Ostbetriebe überhaupt zu einem Globalplayer wurde, hält der Ex-IHK-Vorsitzende von Kleinkleckersdorf  in Hintertupfingen strikt an der Ideologie fest, ausschließlich Wessis in Führungspositionen aufsteigen zu lassen, obwohl er jede Menge hervorragender Ingenieure „Made in Ost“ beschäftigt, ohne die seine Firma längst zusammengebrochen wäre. Und das ist nur eines von vielen, vielen Beispielen. Ähnliches kann man über Redaktionen beim Fernsehen, z.B. in Mainz, Köln oder München, einschließlich und im besonderen beim MRD, RBB und den Privatsendern von RTL/Pro7/Kabel1 & co sowie bei nahezu allen Zeitungen, ob regional oder überregional, und ganz besonders bei Presseagenturen beobachten. Kein Wunder, dass dort Ossis regelmäßig besonders schlecht wegkommen. Die Ostdeutschen gelten als unzufrieden, misstrauisch und ängstlich. Und falls sie doch mal eine Meinung haben, schlägt man sie mit der Stasi-Keule tot.

Aber das geht sogar noch weiter. Wussten sie eigentlich, auch Norddeutsche werden bei Jobs in Süddeutschland benachteiligt. So hat ein waschechter Schleswig-Holsteiner schlechtere Karten, bei der Personalauswahl berücksichtigt zu werden, na, und wenn der gar aus Friesland kommt, dann ist das kein Witz mehr. Natürlich sagt man ihnen das nicht.
Das alles sieht man nur, wenn man die Zahlen mal vergleicht. (Weswegen die auch nicht veröffentlicht werden.)

Auf dem Weg nach oben haben Ostdeutsche auch heute noch schlechte Karten. 
Ähnlich geht es auch Norddeutschen in Süddeutschland. 
Und weil es nicht an ihnen liegt, wird sich das so schnell nicht ändern.

2009: Hat das Institut für Menschenrechte Menschen diskriminiert? Das jedenfalls behauptete 2009 ein CDU-Abgeordneter und entzündet damit einen Streit. Es geht um die Ausgrenzung von Ostdeutschen, die  nicht auf Führungspositionen vorrücken können, weil sie aus Ostdeutschland stammen.

In dieser Geschichte geht es um das Deutsche Institut für Menschenrechte in Berlin. Das Institut betitelt sich selbst als unabhängige nationale Einrichtung, die Menschenrechte fördern und schützen möchte,
aber offensichtlich nicht in seinen eigenen Reihen.

Genau das hat es nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz (CDU) nicht getan. Der Unionspolitiker der CDU sieht in der Wahl der neuen Institutschefin 2009 eine Verletzung des Institutsleitbildes. Er meint, dass aufgrund des Ausschreibungstextes Bewerber aus Ostdeutschland grundsätzlich von der Wahl praktisch ausgeschlossen waren.

«Es sind Menschen aus dem Osten in einem Alter, denen es vorenthalten war, eine entsprechende Qualifikation zu erlangen. Dass Ostdeutsche nicht in Führungspositionen kommen, ist in bestimmten Bereichen der Wissenschaft, im öffentlichen Dienst und auch der Medien schon lange gängige Praxis», sagt Vaatz.

Aber beim Institut für Menschenrechte sei es eben besonders pikant. Es sei mit der Wahl ein erster plastischer klarer Fall aufgetreten. «Er zeigt, wie mit Leuten, denen in der Vergangenheit systematisch Menschenrechte entzogen wurden, heute umgegangen wird.»
Die Bewerbungskriterien, unter anderem «profunde Kentnisse im Völker-, Verfassungs- und Europarecht» kombiniert mit «Leitungserfahrung» erfülle kein Ostdeutscher, sofern er noch bis zum Ende der DDR-Zeit seine Ausbildung beendet habe, da es hier um „nachgewiesene Qualifikationen“ handelt, die im Studium der DDR-Universitäten nun mal nicht enthalten waren. Die Ausschreibung wurde also bewusst und vorsätzlich so formuliert, dass kein Ostdeutscher dieser entsprechen konnte. Andererseits kennen sich Ostdeutsche selbstverständlich viel besser im osteuropäischen Raum aus, der genauso zu Europa gehört.

Das Institut selbst äußert sich zur Wahl der neuen Direktorin laut Sprecherin Bettina Hildebrand nicht. «Es war eine geheime Wahl», sagt sie und verweist auf das Kuratorium. Das Gremium besteht aus 16 Mitgliedern, übrigens alles Westdeutsche. Der stellvertretende Vorsitzende Rainer Huhle weist die Vaatz-Vorwürfe vehement zurück: «Die Aussagen von Herrn Vaatz sind abenteuerlich, es handelt sich um eine unverständliche Einzelmeinung.» Die Ausschreibung sei sauber verlaufen, wäre offen und allgemein im April in der Zeit veröffentlicht worden.

Angesichts dessen ist es verwunderlich, dass die Führungsriege des Instituts für Menschenrechte auch 2013, immerhin 4 Jahre nach den Vorwürfen, ausschliesslich aus Wessis besteht.
Das Kuratorium hat beschlossen, keine offizielle Stellungnahme abzugeben, inoffiziell gab es die jedoch schon. Der Unionsfraktionschef Volker Kauder, ein großer Freund aller Ostdeutschen, hat einen Brief vom Vorsitzenden des Kuratoriums, Eibe Riebel, bekommen. «Im Brief beschwert sich das Kuratorium über mich und meinen inakzeptablen Eingriff in die Unabhängigkeit des Instituts.» Laut Vaatz forderte ihn Kauder zu einer Stellungnahme auf. Wir können wohl davon ausgehen, das Vaatz (übrigens ein Ossi) nie wieder Diskriminierung von Ostdeutschen zu einem Thema machen wird und selbst wohl ein ziemlich belangloser Hampelmann innerhalb der CDU ist, der sich angepasst hat.

Es hat nach dem Vaatz-Vorwurf eine E-Mail unter den Kuratoriumsmitgliedern gegeben. Verfasser war Kuratoriumsmitglied Uta Gerlant (CDU).  In der internen Mail an das Kuratorium hatte Uta Gerlant (CDU) die vorsätzliche Ausgrenzung der Ostdeutschen bestimmter Jahrgänge mit den Worten begründet: Bei Zeitzeugen verstelle «das selbst Erlebte … mitunter leider den Blick auf andere Realitäten jenseits der eigenen Unrechtserfahrungen.» Vom eigenen Unrechtsbewusstsein Westdeutschlands kein Ton. Vaatz liegt nach eigenen Aussagen diese Mail vor. Es hat augenscheinlich ein Informationsleck gegeben. «Ich stand mit einem Kuratoriumsmitglied in Kontakt.»

2010: Eine Ostdeutsche, deren Bewerbung als Büroangestellte ihr mit dem handschriftlichen Vermerk „(-) Ossi“ von einer Firma in Baden-Württemberg zurückgesandt wurde, klagt vor Gericht, sie sei Teil einer Ethnie und als solche diskriminiert worden. Nun kann man trefflich darüber diskutieren, ob Ostdeutsche eine Ethnie im wissenschaftlichen Sinne sind. Aber raten sie mal, wer das begutachtet?
Eine Ethnie ist eine Gruppe von Menschen, die sich durch gemeinsame Bräuche, Sprache, Kultur, Vergangenheit von anderen abgrenzt oder abgegrenzt wird.

Glaubt man Politikern und Medien, gab es sie mal – die Ossis. Sie haben sich aber spätestens nach der Fußballweltmeisterschaft und der Wahl der ostdeutschen Kanzlerin (geboren in Hamburg) in ein gesamtdeutsches Team assimiliert. Die Jungen, so dieser Tenor, hätten die DDR in eigener Anschauung gar nicht mehr erlebt und seien von Geburt an Gesamtdeutsche. Natürlich redet man ihnen das ein, und trotzdem werden sie bei Gehaltsverhandlungen und Stellenvergaben bewusst oder unbewusst schlechter behandelt. Und das betrifft nicht nur sie, auch ihre Eltern werden so behandelt. Sie bekommen weniger Rente, weniger gute Arbeit, weniger Gehalt und das ist alles laut einer westdeutschen Verfassung absolut gerecht. Nur eben nicht für Ossis.

Übrig bleiben nach westdeutscher kompetenter Meinung regionale Unterschiede, die nicht dramatischer seien als die zwischen Nord- und Süddeutschen. Für diese Experten (made in West) ist die Sache damit erledigt. Die Ostdeutschen hätten gefälligst damit zu leben und die Schnauze zu halten.

Doch viele Westdeutsche, das zeigt der Stuttgarter Fall, wissen sehr genau zu unterscheiden. „Ossi“ prangte auf der Bewerbungsablehnung der Buchhalterin. Mehr brauchte er auch nicht zu schreiben.

Fast jeder Ostdeutsche, der die Wende bewusst erlebt hat, kann von dem Gefühl berichten, Bundesbürger zweiter Wahl zu sein; die falschen Klamotten, die falsche Frisur, die falschen Ansichten zu haben. Sie passten sich an: Dazu gehört es, die Einheit zu bejubeln und den Diebstahl des Volkseigentums zu verschweigen, die westdeutsche Demokratie zu bejubeln, während man die DDR als totalitäres Regime bezeichnet. Der gute Ostdeutsche hat unendlich mobil, unendlich multi-kulti und unendlich billig zu sein, er hat hochdeutsch zu sprechen und sich gefälligst wie ein Wessi zu benehmen. Doch egal, wie sehr sich Ostdeutsche oder deren „gesamtdeutschen“ Kinder auch anstrengen, offensichtlich sind sie nie gut genug, daher stagnieren ihre Karrieren, fangen sie erst gar nicht an und gleicher Lohn ist eine Utopie. Sie werden still und heimlich diskriminiert.
Zugeben wird man das im Westen natürlich nie.

DDRDer Osten und die Ostdeutschen sind keine „vollwertigen Bundesbürger“, weder in der Personalwahl, schon gar nicht in der Elite und erst recht nicht im Bundestag. Das weiß jeder, der sich einmal eine Politikerrede am Tag der Deutschen Einheit anhörte. Niemand weiß so recht, was man mit dem Osten anfangen soll, außer ihn möglichst schnell zu vergessen. Ungeliebte Themen fallen wie die ungeliebten Ossis unter dem Tisch.
So wird die Einheit des Westens bejubelt, mit der Ostdeutschland geplündert, mundtot gemacht und total dominiert wird. Und als Krönung des ganzen Theaters werden angebliche Bürgerrechtler ausgezeichnet, die während der Demonstrationen im Osten nie einer gesehen hat.

Forscht man nach, was für großartige Taten die Möchtegern-Bürgerrechtler getan haben, stolpert man darüber, dass man sie normalerweise unter egomanische Faulenzer und Selbstdarsteller sortieren würde, die sich von einem „DDR-Opfer“-Projekt zum anderen durchs Leben schmarotzen. Nachdem sie bei Fernsehen und Presse nicht mehr „verwertbar“ waren, hat man sie in diversen Museen und Aufarbeitungs-Programmen untergebracht, deren einziger Zweck es ist, die DDR zu dämonisieren. Dort stehen sie griffbereit für künftige Hetzkampagnen zur Verfügung und verbreiten ansonsten sagenhafte Schauermärchen unter Jugendlichen, die von der DDR folglich nur den schlechtesten Eindruck gewinnen können.

Westprivilegien im vereinten Deutschland

veröffentlicht von Urmila Goel auf ihrem Blog oder in telegraph 120/121, 2010, 8-15.

(Anmerkung der Redaktion: Das Blabla haben wir schonmal auf klein gestellt, das Wesendliche ließen wir groß, Ergänzungen sind grün)

Umfragen ergeben zudem immer wieder, dass sich viele Menschen im Osten Deutschlands als Bürger_innen zweiter Klasse in Deutschland fühlen. In diesem Artikel argumentiere ich auf Basis von machtkritischen Theorieansätzen wie der postkolonialen Theorie, der kritischen Weißseinsforschung und den Gender und Queer Studies, dass zur Analyse von Problemen im Vereinigungsprozess der Blick in den Westen Deutschlands gewendet werden muss. Es ist zu analysieren, über welche unbenannten Privilegien ausschließlich im Westen sozialisierte Menschen verfügen und wie sie auf deren Basis ständig Normen (re)produzieren, die im Osten sozialisierte Menschen als Andere konstruieren und so ausgrenzen. Im Einzelnen diskutiert der Artikel das Privileg der unmarkierten Norm, das Privileg der Kontinuität und Stabilität, das Privileg der Verschiebung von Problemen und das Privileg der Konstruktion der Abweichenden.
 
Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer
Das Jahr 2009 wurde begleitet von Feierlichkeiten zum zwanzigsten Jahrestag des Falls der Mauer. Deutsche Institutionen feierten letztes Jahr die fortschreitende Vereinigung und sich selbst. So lud, zum Beispiel, der Bundespräsident deutsch-deutsche Paare ein, um zu zeigen, wie weit die individuelle Vereinigung gegangen ist. Auch der Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer und sein Team haben das Jubiläumsjahr zum Anlass genommen, ihren jährlichen Bericht „Deutsche Zustände“ dem Stand des Vereinigungsprozesses zu widmen. Ihre statistischen Auswertungen bestätigen das, was auch viele andere Studien vorher schon festgestellt haben: Viele Bürger_innen Ostdeutschlands fühlen sich in Deutschland als Bürger_innen zweiter Klasse. Viele sind nicht zufrieden damit, wie sich der Vereinigungsprozess entwickelt hat und fühlen sich durch Menschen aus Westdeutschland nicht ausreichend als gleichwertig anerkannt. Zudem schließen die Wissenschaftler_innen aus den ihnen vorliegenden Daten, dass die Zustimmung zu diskriminierendem Verhalten gegenüber Menschen, die nicht als aus Deutschland stammend angesehen werden, im Osten signifikant höher sei als im Westen. (was wiederum nur eine Behauptung ist die durch ständige Wiederholung nicht besser wird) Mit diesen beiden Beobachtungen lassen sich jenseits der allgemeinen Feierstimmung zwei dominante Bilder aus der Westperspektive über die Menschen im Osten bestätigen: erstens, sind diese nie zufrieden mit dem, was sie haben (dies läuft auch unter dem Schlagwort ‚Jammerossi‘, kein Wunder, bei dem, was man ihnen gestohlen hat), und zweitens haben sie den Rechtsextremismus nach Deutschland gebracht. (Auch das eine Behauptung die mit der Realität in keiner Weise überein stimmt) In Zeiten der Wirtschaftskrise wird zudem zunehmend in Frage gestellt, dass der Osten Deutschlands weiter wirtschaftliche Zuwendungen aus dem Westen bekommen soll. (Nach dem Diebstahl von 3,5 Billionen Euro ist das das Mindeste) So hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Dezember 2008 gefordert, dass mehr Investitionen in den Westen fließen müssten und damit implizit Abstand vom ‚Aufbau Ost‘ genommen (obwohl sie selber im Osten sozialisiert wurde). Dieser Vorstoß stieß insbesondere unter Politiker_innen in Ostdeutschland auf so massive Ablehnung, dass Merkel ihren Vorschlag sehr schnell abschwächte. Viele Menschen im Westen werden ihrer Forderung aber zugestimmt haben.
Zur Vereinigung Deutschlands und der Entwicklung in Ostdeutschland gibt es zahlreiche Studien. Diese kommen zu unterschiedlichen (rein westlichen) Einschätzungen darüber, wie erfolgreich der bisherige Prozess war und wie, zum Beispiel, die wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland zu bewerten sei. Aber unabhängig davon, wie die Situation im Osten von den Wissenschaftler_innen eingeschätzt wird, bleibt der Eindruck, dass sich ein großer Teil der Menschen in Ostdeutschland als Bürger_innen zweiter Klasse fühlen. Auch hierfür gibt es wieder unterschiedliche Erklärungsansätze. Zentral dabei scheint, dass viele Menschen in Ostdeutschland sich und ihre Biographien im vereinigten Deutschland nicht ausreichend anerkannt fühlen.

Die fehlende Anerkennung ist – meiner (westlichen) Analyse nach – jene, die von Menschen in Westdeutschland und insbesondere von Politik und Medien, die von im Westen sozialisierten Menschen (Wessis) dominiert werden, kommen müsste. Es wäre daher zu analysieren, wieso im Westen Sozialisierte den im Osten Sozialisierten (Ossis) die Anerkennung verweigern – und ihnen wie im Falle der abgelehnten Bewerbung auch (und das seit 25 Jahren permanent) den Zugang zu Ressourcen verweigern. Ein systematischer Blick auf die westsozialisierten Menschen scheint allerdings in den meisten Studien über die Probleme des Vereinigungsprozesses zu fehlen. Die Diskussionen drehen sich in der Regel um die abweichenden Anderen (Ostdeutschland), während das dominante System und seine Vertreter_innen (Westdeutschland) als überlegen (im Verhältnis 15: 60 Mio) und an den Problemen unbeteiligt imaginiert werden. Es bleibt abzuwarten, ob das laufende Verfahren vor dem Arbeitsgericht hier eine Änderung bewirken wird. (was natürlich nicht der Fall war)

Perspektive
Ich wurde 1970 in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) geboren. Bis zum Fall der Mauer 1989 fuhr ich regelmäßig (erst mit meinem indischen Pass, später mit einem bundesdeutschen) in die DDR.

Ich erlebte die Grenzkontrollen, ging mit zum Registrieren bei der Volkspolizei und wusste sehr genau, dass die deutsch-deutsche Grenze menschenverachtend (Schulbildung West) organisiert ist. Vor allem auch weil sie nur sehr einseitig durchlässig war. Meine Großeltern konnten uns im Westen erst nach ihrer Pensionierung besuchen und eine meiner Tanten bekam gar keine Reiseerlaubnis. Der Fall der Mauer und die damit verbundene Reisefreiheit bedeutete daher für unsere Familie tatsächlich eine (Wieder)Vereinigung. Wir konnten uns gegenseitig besuchen, so oft und wann wir wollten, und haben bis heute einen sehr engen Kontakt.

Fünfzehn Jahre nach dem Fall der Mauer zog ich nach Ostberlin und lehrte an einer ostdeutschen Universität. Ich bekam mehr Kontakt mit im Osten sozialisierten Menschen und begann meine eigenen Privilegien als westdeutsch Sozialisierte im vereinigten Deutschland wahrzunehmen. Dies ist der Ausgangspunkt für diesen Artikel.

In diesem Artikel will ich die ungleiche Positionierung von im Westen sozialisierten und im Osten sozialisierten Menschen darstellen und problematisieren. Damit (re)produziere und betone ich unweigerlich diese Dichotomie (Entzweitheit = Mauer im Kopf) und ringe dabei immer wieder mit Begriffen. (Wenn es an Denglisch mangelt, wie wäre es mal mit Deutsch?) Ich benutze in Anlehnung an den zurzeit dominanten Gebrauch der Begriffe in Deutschland Westen für die Gebiete, die bis zum Fall der Mauer Teil der BRD und West-Berlin waren. Mit Osten bezeichne ich die Gebiete, die Teil der DDR waren. Ich spreche von im Westen oder Osten sozialisierten Menschen, um ihre Positionierung und nicht ein fiktives essentielles Sein zu betonen.

Machtkritische Theorieansätze
Um die Rolle der im Westen Sozialisierten im Vereinigungsprozess zu analysieren, hilft der Rückgriff auf machtkritische Theorieansätze wie die postkoloniale Theorie, die kritische Weißseinsforschung oder die Gender und Queer Studies. Die postkoloniale Theorie betrachtet unter anderem die Konstruktion der Anderen durch (post)koloniale Akteur_innen sowie die Reaktion der Kolonialisierten auf die (post)koloniale Hegemonie (Oberbefehl). Die kritische Weißseinsforschung betrachtet die hegemoniale Position in einem rassistischen System, die mit ‚weiß‘ bezeichnet wird. Die Gender und Queer Studies schließlich analysieren das Zusammenspiel von konstruierter Zweigeschlechtlichkeit, komplementären und hierarchisierten Geschlechterrollen sowie gegenseitigem Begehren. All diese kritischen Denkansätze hinterfragen die als selbstverständlich geltenden Normen, indem sie sie thematisieren und dekonstruieren. Der Blick verweilt nicht ausschließlich auf denen in der marginalisierten (unterdrückten) Position, also jenen die als Kolonisierte, Rassifizierte , Frauen, Trans* oder nicht heterosexuell lebende Personen als abweichend von der Norm konstruiert werden. Er wird auch zu jenen gewendet, die in der hegemonialen (befehlsempfangenden) Position sind (also Ostdeutschen in der Hegemonie Westdeutschlands) und die in der Regel nicht weiter benannt werden. So ist es, zum Beispiel, in deutschen Medienberichten nicht üblich eine Politiker_in als ‚weiß‘ oder männlich oder heterosexuell zu benennen. Wenn diese Politiker_in aber nicht ‚weiß‘ oder nicht männlich oder nicht heterosexuell ist, dann wird dies viel eher zum Thema öffentlicher Debatten. Die machtkritischen Theorieansätze analysieren, welche Privilegien mit dieser unmarkierten Norm verbunden sind, und hinterfragen ihre Legitimität. Betrachtet werden insbesondere als selbstverständlich erachtete Privilegien. Dazu gehört das Privileg zu wissen, dass man gemeint ist, wenn von einem allgemeinen „Wir“ gesprochen wird, oder das Privileg nicht befürchten zu müssen, aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kategorie, Diskriminierungen zu erfahren.
 

Diese Privilegien werden von jenen, die sie genießen, in der Regel nicht als Privilegien sondern als selbstverständlich wahrgenommen. Die Privilegierten merken selten, dass es genau diese Privilegien sind, die die Marginalisierten (Unterdrückten) weiter marginalisieren (unterdrücken), die ihnen den Zugang zu Ressourcen (z.B. Jobs, Aufstiegschancen) verstellen und die den Privilegierten die gesellschaftliche Macht (Hegemonie=Oberbefehl) sichern.

Die Selbstverständlichkeit der Dichotomie zwischen den als normal Betrachteten (mit einem privilegierten Zugang zu Ressourcen und Macht) und den als Andere Konstruierten (mit eingeschränktem Zugang zu Ressourcen und Macht) wird durch unterstützende Wissensproduktion naturalisiert und legitimiert. Innerhalb des dominanten Wissensarchivs und in den durch dieses geprägten Institutionen kann die Dichotomie daher kaum in Frage gestellt werden. Die machtkritischen Theorieansätze stellen die ‚Natürlichkeit‘ der Dichotomien (Entzweiung) in Frage, betrachten den Konstruktionsprozess und die unterschiedlichen Machtpositionen, die ihnen zu Grunde liegen. (Mit anderen Worten, sinnfreies westdeutsches Blabla verpackt in möglichst viel Denglisch und Grecoromanisch)

Dieses theoretische und methodische Vorgehen der Dekonstruktion von als normal Angesehenem nutze ich im Folgenden, um das Verhältnis von im Osten und Westen Deutschlands Sozialisierten zueinander zu analysieren.

Unmarkierte Norm
Ende der 1960er herrschte in Deutschland Pflegenotstand. Es wurden dringend Fachkräfte für den deutschen Gesundheitssektor gesucht“, schrieb ich vor ein paar Jahren in einem Artikel über die Migration von Krankenschwestern aus Indien in die Bundesrepublik Deutschland.
Welche Bilder, liebe Leser_in, entstehen in Ihrem Kopf, wenn Sie diese Sätze lesen?
Zweifeln Sie darüber, über welches Deutschland ich schreibe? Überlegen Sie, ob es in der BRD oder in der DDR (oder in beiden Ländern) einen Pflegenotstand gab? Oder ist es Ihnen klar, so klar wie es mir beim Schreiben war, dass ich über den Pflegenotstand in Westdeutschland schreibe? (und gar nicht weiß, ob in der DDR auch einer herrschte. Nein, da herrschte kein Pflegenotstand, weil Fachkräfte auch entsprechend bezahlt wurden.)

Bis zur Vereinigung war es in der BRD völlig klar, dass die Begriffe BRD und Deutschland als synonym verwandt wurden. Um genau zu sein, wurde im allgemeinen (nicht offiziellen) Sprachgebrauch eigentlich nur von Deutschland gesprochen. Die Abkürzung BRD war keine, die in Westdeutschland eine weite Verbreitung gefunden hätte (aber in der DDR durchaus) und auch der Zusatz West war kein notwendiger. Dass Westdeutschland für Deutschland steht war klar. So war es auch völlig klar, dass die deutsche Fußballmannschaft in der BRD zusammengestellt wurde. Es war klar, dass Menschen aus Westdeutschland auf Reisen im Ausland sagten, sie kämen aus Deutschland. Meist wurden sie dabei so verstanden, wie sie es auch gemeint hatten. Westdeutschland war die Normannahme, die nicht weiter zu benennen war. Wenn es um die DDR ging, dann musste das explizit gesagt werden. Die Mannschaft der DDR hätte nie die deutsche sein können – zumindest nicht aus der Perspektive der ‚westlichen‘ Welt.
(Tatsächlich war die DDR durchaus in 100 Staaten voll anerkannt, u.a. die Arabische Welt, Afrika, Südamerika, Asien und diese Staaten erkannten die BRD nicht an, z.b. Ägypten, da beide deutsche Staaten den Alleinvertretungsanspruch erhoben. Die Uno besteht aus 192 Staaten+3 Territorien, den gleichen Status hatten damals auch die beiden dt. Staaten in der Uno. Die BRD war also in weniger Staaten anerkannt als die DDR – erstaunlich oder?)

Dabei war es für die meisten Menschen in Westdeutschland auch klar, dass das Gebiet, das die DDR umfasst, auch zu Deutschland gehört. In Westdeutschland war es lange verpönt von der DDR zu sprechen. Stattdessen wurde die (delegitimierende, Vasallenstatus suggerierende) Abkürzung SBZ (Sowjetische Besatzungszone) benutzt, um zu betonen, dass dieser Staat (vom Westen) nicht (und von 100 anderen doch) anerkannt wird und dass er (nach Schulbilung West) widerrechtlich von der BRD abgetrennt wurde. (Und zwar durch die Ablehnung der Westmächte und die eigenmächtige Befehlsgründung der BRD, bevor die Bürger Deutschlands ihre Verfassung geschrieben hatten, die dann in Ostdeutschland in Kraft trat.)

(Tatsächlich ist dies von der BRD falsch propagiert, die DDR hatte ihre volle Souveränität seit 1954 schriftlich, wie übrigens jeder Ostblockstaat. Dies beruhte auf den Tod von Stalin.)

Die Bürger_innen der DDR hatten ein Anrecht auf die bundesdeutsche Staatsangehörigkeit und das Grundgesetz der BRD formulierte in Artikel 23: „In anderen Teilen Deutschlands ist es [das Grundgesetz, ug] nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.“ (Stimmt auch nicht ganz aber ist nicht so wichtig)
Die bundesdeutschen Gesetzgeber_innen hatten sich selbst also schon im Grundgesetz (widerrechtlich) die Regelungsgewalt über den Osten Deutschlands (selbst) gegeben. Die Vereinigung erfolgte dann auch auf Grundlage dieses (ihres) Artikels, womit Ostdeutschland quasi Teil Westdeutschlands (und des Vasallenkonstruktes der Westmächte) wurde. Dieses Hinzukommen zu etwas Bestehendem setzt sich bis heute sprachlich in der Bezeichnung ‚neue Bundesländer‘ für das Gebiet der ehemaligen DDR fort. (Das den Osten als unselbstständiges Gebilde darstellt.)

Auch wenn durch den (durch Lügen und Medienpropaganda herbeigeführten) Beitritt das Gebiet der ehemaligen DDR 1990 Teil der BRD (nicht nach dem Einigungsvertrag, der aber kontinuierlich gebrochen wird) und damit Deutschlands im Sinne des Grundgesetzes (und der Machtelite um Kohl und den Westmächten) wurde, werden auch nach der Vereinigung die Begriffe Deutschland und Westdeutschland weiter als Synonyme verwandt. Geht es um den Zeitraum zwischen 1949 und 1989, dann verweist auch heute noch der Begriff Deutschland in der Regel auf die damalige BRD, so wie in meinem Zitat zum Pflegenotstand. Nur wenige hinterfragen das und überlegen, ob die getroffene Behauptung denn tatsächlich für das ganze Gebiet, das heute als Deutschland gilt, zutraf. So lernen Studierende in einer Vorlesung über die Migration nach Deutschland an meiner Universität, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR liegt, alles über die Migration in die BRD. Jene in die DDR wird weder von der Dozent_in noch von den Studierenden erwähnt und die Lücke auch nicht thematisiert. In Wissensspielen werden Kenntnisse über Ereignisse in Westdeutschland vor dem Fall der Mauer abgefragt (zum Beispiel in den Bereichen Entertainment, Sport oder Politik) und diese als gesamtdeutsches Wissen imaginiert.
Fragen über Ereignisse in der DDR werden so gut wie nie gestellt und wenn dann nur aus einer westdeutschen Perspektive heraus. Die Geschichte Deutschlands wird meist als die Geschichte der BRD und ihrer Vorgängerinnen gedacht. Die Geschichte der DDR wird, wenn überhaupt, dann als weniger relevanter Sonderfall angesehen, meistens aber ganz ignoriert.

Auch wenn über das (durch Betrug) vereinigte Deutschland die Rede ist, geht es in der Regel um Westdeutschland. In frauenpolitischen Diskussionen wird über das (west-)deutsche Modell der Versorgerehe gesprochen und kaum beachtet, dass im Osten Deutschlands die Berufstätigkeit von Frauen und Müttern die Norm war und immer noch als solche angesehen wird. In der Diskussion darüber, ob für Unter-Dreijährige eine Kinderbetreuung eingerichtet werden soll, wird davon ausgegangen, dass die westdeutsche Norm, dass die Kinder von ihren nicht-berufstätigen Müttern versorgt werden, die allgemeine deutsche Norm ist. Nicht sie scheint erklärungsbedürftig, sondern die abweichende Norm in Ostdeutschland, wo auch noch heute eine umfassendere Kinderbetreuung angeboten wird als im Westen. Die politisch diskutierte Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bezieht sich auf den westdeutschen nicht auf ostdeutschen Kontext.

Gerade in Bereichen wie der Kinderbetreuung könnten Erfahrungen aus dem Osten für die Weiterentwicklung der Situation im Westen produktiv genutzt werden. Aber es besteht wenig (keine) Bereitschaft von im Westen Sozialisierten, die ostdeutsche Geschichte als Anregung für heutige Regelungen anzusehen. Das dominante westdeutsche Bild von der DDR ist sehr eindimensional. Da es das konkurrierende und (vom Westen generell) verabscheute politische System war und da (nur) dort (nach Meinung Westdeutschlands) Menschenrechtsverletzungen begangen wurden (wobei die westdeutschen Menschenrechtsverletzungen aber verschwiegen werden), wird alles, was mit der DDR in Verbindung gebracht wird, pauschal abgelehnt.

Ostdeutschland ist heute nur dann Teil der Vorstellung von Deutschland, wenn es sich nahtlos in die westdeutsche Kontinuität einpasst (unterordnet). Alles was davon abweicht, wird entweder gar nicht oder als Abweichung (von der West-Norm), aber nicht als Teil der deutschen Komplexität (als Teil einer eigenständigem Besonderheit im Osten) wahrgenommen.

Kontinuität und Stabilität

Die selbstverständliche Kontinuität der eigenen Geschichte, des Systems, in dem man lebt, und vor allem der eigenen Biographie, ist wohl eines der größten und am wenigsten bewussten Privilegien der in Westdeutschland sozialisierten Menschen. Mit dem Fall der Mauer und dem Beitritt der ehemaligen DDR zur BRD hat sich das Leben für die meisten in Westdeutschland lebenden Menschen nicht existentiell verändert. Im Wesentlichen vergrößerten sich die Optionen, die ihnen zur Verfügung standen. Sie konnten nun mehr Kontakt mit Familie und Bekannten in Ostdeutschland unterhalten (oder auch nicht). Sie konnten neue berufliche Chancen in den ‚neuen Bundesländern‘ ergreifen (oder auch nicht). Sie konnten sich als Bürger_innen eines national-gestärkten Landes verstehen (oder auch nicht). Sie konnten von den neuen Optionen Gebrauch machen oder auch nicht. Eines der wenigen Dinge, denen sich die westdeutschen Steuerzahler_innen nicht entziehen konnten, war der Solidarzuschlag für den ‚Aufbau Ost‘. Über diesen (und über die angeblich „arbeitsscheuen“ Ostdeutschen) beschwerten sich dann auch viele, die einfach nur ihr Leben weiterleben wollten.

In dieser Kontinuität ihrer Lebensumstände unterscheiden sich die in Westdeutschland Sozialisierten grundlegend von jenen im Osten Sozialisierten. Für die letzteren hat sich das meiste im Leben geändert. Dinge, die für selbstverständlich gehalten wurden (z.B. kostenlose Gesundheitsbetreuung, Kindergartenplätze, gesamtdeutscher Lehrstoff in Schulen, günstiger Zugang zu Kultur, vom Staat vollständig finanzierte Lebens- und Ausbildungskosten der Studenten) sind es nicht mehr. Lebensplanungen wurden (nicht freiwillig, sondern durch über 85% Entlassungen) über den Haufen geworfen. Völlig neue Möglichkeiten und Unmöglichkeiten haben sich ergeben (und erwiesen sich als Illusion). Viele DDR-Bürger_innen haben mehr oder weniger aktiv dafür gekämpft, dass sich etwas in ihrem Land ändert. Sie sind auf die Straße gegangen und haben das System zu Fall gebracht (und nicht der Kanzler der BRD Helmut Kohl, der von vielen als Kanzler der Einheit gefeiert wird). Sie haben sich für mehr Freiheiten, für Demokratie, für die Möglichkeit zu Reisen und zu Konsumieren (das glauben offenbar auch nur Wessis, dass Ossis für Bananen auf die Straße gingen) und für vieles mehr eingesetzt.

Die meisten wollen vermutlich auf die erkämpften Freiheiten auch nicht mehr verzichten (wurden aber vollständig durch die kriminelle Planung der BRD zur Übernahme der DDR überrollt). Aber gleichzeitig ist es eine große Herausforderung, mit dem völligen Bruch im Leben umzugehen. Sie mussten sich in einem neuen System zurechtfinden, die neuen Selbstverständlichkeiten (und Grenzen der Demokratie und deren Überwachungswahn) lernen, ihr individuelles Leben auf die neuen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten (sowie der Armut und Arbeitslosigkeit) ausrichten. Einige sind damit sehr souverän umgegangen, andere sind daran mehr oder weniger gescheitert (wofür der Begriff Wendeverlierer_innen geprägt wurde). Keine und keiner aber konnte so weitermachen wie vorher.

Von verschiedenen im Osten Sozialisierten wird für diesen Umbruch das Bild der Migration ohne Wanderung benutzt. Die im Osten Sozialisierten migrierten mehr oder weniger freiwillig und mehr oder weniger bewusst in die BRD. Wie andere Migrant_innen ließen sie ein ihnen vertrautes System zurück und mussten sich in einem neuen zurechtfinden. Wie andere Migrant_innen auch wurden sie in dem Land, in das sie migrierten, als Andere wahrgenommen, die sich an das System anpassen müssen (was so aber nie vorgesehen war, daher gab es ja überhaupt einen Einheitsvertrag). Zudem mussten sie (erzwungen durch die westdeutsche Besetzung) wie viele andere Migrant_innen aus den Ländern des globalen Südens und den Ländern des ehemaligen Ostblocks feststellen, dass ihre Sozialisation, ihre Werte und ihre Geschichte von den Menschen aus dem Westen nicht gewürdigt (bzw. regelrecht  verachtet) werden. Das was sie bisher gemacht hatten, das an das sie bisher geglaubt hatten und das wonach sie gestrebt hatten, wurde weitgehend (vom Westen) entwertet von denen, die im vereinten Deutschland die Normen (re)produzieren.

Das Ausmaß der Veränderung in den Leben der im Osten Sozialisierten durch die Vereinigung ist den meisten im Westen Sozialisierten wohl kaum bewusst und noch weniger nachvollziehbar. Aus ihrer eigenen Stabilität und Sicherheit sehen wenige, was die im Osten Sozialisierten individuell leisten mussten und noch leisten. Anstatt das Vollbrachte und die Herausforderungen anzuerkennen, wird vor allem auf das (noch) nicht Geschaffte und die angebliche fehlende Dankbarkeit geschaut. (Wobei sich der Ossi fragt, wofür er dankbar sein soll, für den Diebstahl seines Volksvermögens, für Besatzung?) Aus dem Privileg der Kontinuität heraus lässt sich leicht und scheinbar zu Recht auf die (Ossis) herunter schauen, die nicht schnell genug (und in der für richtig gehaltenen Form) mit den Veränderungen zurechtkommen.

Probleme verschieben

Ein weiteres Privileg der im Westen Sozialisierten nach der Vereinigung scheint zu sein, dass gesellschaftliche Probleme in den Osten Deutschlands verschoben werden können. Die Investitionen in den ‚Aufbau Ost‘ werden verantwortlich gemacht für knappe öffentliche Haushalte. Den im Osten Sozialisierten wird (ausschließlich vom Westen) fehlende Arbeitswilligkeit und –produktivität (grundlos) unterstellt, um niedrige Löhne und höhere Arbeitslosigkeit zu begründen. Aus den Statistiken zu diskriminierenden Einstellungen, die von Heitmeyer und seinem Team analysiert werden, wird geschlossen, dass die im Osten Sozialisierten stärker zur Diskriminierung neigen. (Hat natürlich auch wieder ein Wessi festgestellt)
Rechtsextremismus und Rassismus wird schon seit den Brandanschlägen auf Asylbewerber_innenunterkünfte in Rostock und Hoyerswerda im Jahr 1992 als Phänomen Ostdeutschlands dargestellt. Selbst Kindstötungen durch Mütter werden in den Medien und von einigen Politiker_innen als ein ostdeutsches von der DDR verursachtes Problem (re)präsentiert.

In all diesen Fällen werden real existierende Probleme im Osten Deutschlands beschrieben. Gleichzeitig entsteht allerdings der Eindruck, dass diese Probleme nur im Osten bestehen und der Westen davon frei sei. Dabei gibt es auch im Westen hausgemachte wirtschaftliche Probleme. Das Jahr 1992 verzeichnete Brandanschläge auf Wohnhäuser von rassifizierten Personen im Westen Deutschlands. Nicht nur die Studien von Heitmeyer und seinem Team zeigen, dass Diskriminierungen gegen Marginalisierte im Westen Deutschlands ähnlich hoch sind wie im Osten. Es handelt sich dabei um deutschlandweite und nicht spezifisch ostdeutsche Ausgrenzungsmechanismen, die im ganzen Land bekämpft werden müssen und nicht als alleiniges Problem einer abweichenden Minderheit stilisiert werden können.

Zudem gibt es auch diskriminierendes Verhalten, zu dem die Zustimmung im Westen höher ist als im Osten. In der aktuellen Studie „Deutsche Zustände“ stellen Heitmeyer und sein Team dies für den Sexismus fest. Das aber wurde in den Medien kaum thematisiert. Zu vermuten ist, dass im Westen sozialisierte Menschen die sexistische Zuteilung von Geschlechterrollen als weitgehend selbstverständlich hinnehmen und dementsprechend auch Medien und Politik diese Form der Diskriminierung nicht als besonders relevant erachten. (Ganz im Gegensatz zum Osten, wo Gleichberechtigung als normal vorrausgesetzt wird) Die Bewahrung konservativer Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen scheint auch der Zuschreibung von Kindstötungen als strukturellem Ergebnis des DDR-Systems zugrunde zu liegen. So werden, zum Beispiel, liberale Abtreibungsregeln in der DDR für heutige Kindsmorde in Ostdeutschland verantwortlich gemacht und damit für strenge Abtreibungsregeln geworben. Im Westen hingegen werden Kindstötungen durch Mütter als bedauerliche Einzelfälle und keinesfalls als strukturell begründet verhandelt.

Diese Verschiebung von Problemen in den Osten erfüllt zwei Funktionen. Zum einen werden die im Westen Sozialisierten vom Verdacht gereinigt, dass sie auch Probleme verursachen könnten und sich um diese kümmern müssten. Zum anderen wird das westliche System als das ideale dargestellt, an das sich der Osten bedingungslos angleichen muss. So wird Kontinuität und Deutungshoheit bewahrt. Der Westen bleibt unhinterfragbare Norm.

Festschreibung als Andere

Im Fall der abgelehnten Bewerbung argumentiert der Anwalt, dass ‚Ostdeutsche‘ eine eigene Ethnie ausgebildet hätten. Dabei verweist er darauf, dass den im Westen Sozialisierten unbekannte Wortbildungen und ‚Sitten‘ entstanden seien (und setzt damit den Westen zur deutschen Norm). Der Begriff Ethnie ist (wie der der ‚Rasse‘) ein von Grunde auf problematischer. Er suggeriert, dass Menschen von Geburt an einer Gruppe mit gemeinsamer ‚Mentalität‘ zugehören. Eine kollektive auf Herkunft basierende soziale Identität wird allerdings erst im Prozess der Ethnifizierung konstruiert. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer kann ein solcher Prozess durchaus auch für in Ostdeutschland Sozialisierte festgestellt werden.

Obwohl die Menschen im Osten Deutschlands seit zwanzig Jahren von westdeutsch dominierten Institutionen wie den Bildungseinrichtungen und Medien geprägt werden, werden wahrgenommene Abweichungen von der westdeutschen Norm alleine der DDR und ihren Folgen zugeschrieben. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sowie die Interaktionen zwischen im Osten und im Westen Sozialisierten werden nicht zur Erklärung von Unterschieden herangezogen. Der Westen wird als unbeteiligt an den Entwicklungen im Osten (re)präsentiert. Selbst den jungen Menschen, die die DDR gar nicht mehr oder nur als Kleinkinder erlebt haben, wird eine von der DDR geprägte Mentalität attestiert. Es wird das Bild einer abweichenden ostdeutschen Mentalität konstruiert, die von den Eltern an die Kinder weitergeben werde und so in die Körper eingeschrieben sei. (Und die als Begründung für schlechtere Löhne und Aufstiegschancen benutzt wird.) In diesen Zuschreibungen gleicht die Konstruktion der ostdeutschen Anderen der Konstruktion von rassifizierten (insbesondere muslimischen) Anderen, denen auch ein Anderssein in den Körper eingeschrieben wird.

Gleichzeitig war aber der Glaube an eine gesamtdeutsche Ethnie ein Teil des Selbstverständnisses der BRD und Grundlage für den Beitritt des Gebietes der ehemaligen DDR zur BRD. Auf Basis der imaginierten unteilbaren deutschen Nation war im Grundgesetz der Beitritt von deutschen Gebieten zugelassen worden und wurde in Westdeutschland (zumindest propagandistisch) auf eine Vereinigung hingearbeitet. Das konstruierte gemeinsame Deutschtum wurde als Garant dafür gesehen, dass das vereinigte Deutschland problemlos zusammenwachsen würde. Trotz aller Probleme wird diese Imagination auch weiterhin aufrecht erhalten.

Im Westen Sozialisierte merken den Widerspruch zwischen imaginierter Gemeinsamkeit und der Konstruktion der im Osten Sozialisierten als Andere kaum. In ihrer privilegierten Position können sie das eine behaupten und trotzdem das andere machen, ohne dass sie in Konflikte geraten. Die im Osten Sozialisierten aber erleben den Widerspruch immer wieder an den ihnen zur Verfügung stehenden Optionen. Sie erleben, wie sie gleichzeitig als gleich angesprochen werden und doch durch viele Handlungen als Andere abgewertet werden. Sie erleben sich als Bürger_innen zweiter Klasse, denen Anerkennung verweigert wird. Damit müssen sie umgehen und entwickeln unterschiedliche Strategien dafür (während die im Westen Sozialisierten dieses Problem ignorieren und sie daher als Jammerossi beschimpfen).

Wenn in dem Arbeitsgerichtsverfahren jetzt aber Diskriminierung aufgrund von „ethnischer Herkunft“ angeführt wird und in einem Zeitungsartikel von „Rassismus gegen Ostdeutsche“ gesprochen wird, liegt darin die Gefahr der Verharmlosung rassistischer Ausgrenzungspraxen gegen Ostdeutsche im vereinigten Deutschland. Denn auch wenn im Osten Sozialisierte Ausgrenzungserfahrungen durch im Westen Sozialisierte machen, so sind sie doch, zum Beispiel durch ihre deutsche Staatsbürgerschaft, im Vergleich zu den rassistisch Ausgegrenzten in Deutschland immer noch in einer sehr privilegierten Position. Das ungleiche Machtverhältnis zwischen West und Ost in Deutschland muss in seiner Spezifik thematisiert werden.

(Von wem, von Wessis? Die merken das doch nicht mal! Die ungleichen Machtverhältnisse von 15:60 Mio garantieren ein Fortbestehen der Befehlsgewalt, es sei denn, der Osten verhält sich genauso gegen Wessis wie sich Wessis gegen Ossis verhalten. Er erklärt sie kollektiv zu Dieben und Gaunern, was natürlich ebenso ungerecht ist wie die Darstellung das Ossis alle faul und arbeitslos sind. Das dürfte dann auch einige Wessis aufschrecken und zum Nachdenken anregen.)

Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

11 Gedanken zu “Rassistische ostdeutsche Ausgrenzung ist „Selbstverständlichkeit“

  1. Hat dies auf lotharhschulte rebloggt.

    Verfasst von lothar harold schulte | 20 Mai, 2014, 6:13 am
  2. Reblogged this on Treue und Ehre.

    Verfasst von Runenkrieger11 | 17 Dezember, 2013, 10:08 pm
  3. Der Film zum Text:

    Verfasst von Aufstieg des Adlers | 9 Oktober, 2013, 9:24 am
    • Super, Danke das du uns das zukommen lassen hast, der Junge ist genial und er hat vollkommen recht.
      Falls du ihn kennst, schön wäre auch wenn er sich mal die Reihe Märchen & Mythen, die Entstehung der BRD/DDR und die Erlernte Hilflosigkeit vornehmen könnte. Steht alles unter dem Menüpunkt Ostdeutschland und BRD Orga. Ein bisschen mehr Hirn und Vergleich kann der flachen Wessiwelt kann nicht schaden. Ergänzendes Belegmaterial steht unter DDR.

      Verfasst von monopoli | 9 Oktober, 2013, 3:54 pm
    • Nun ja, der Adler Aufstieg ist mein Kanal und das bin ich.

      Es wird auch noch ein Video von mir gemacht werden, indem ich nochmal gezielten Nachhilfeunterricht geben werden, genauso, wie in den anderen Videos in meinem Kanal.

      Ganz liebe Grüße an Euch

      Adler

      Verfasst von Aufstieg des Adlers | 9 Oktober, 2013, 6:23 pm
  4. Es gibt keinen Unterschied zwischen Ost-Deutschen und West-Deutschen ! Wir alle sind Deutsche die zusammengehören, das müssen wir endlich alle begreifen ! Und wir alle sind Menschen, die gemeinsam auf dieser Erde leben. Auch im Westen stimmt schon seit vielen Jahren nichts mehr, alles ist manipuliert. Jeder Ost-Deutsche der diesen Bericht liest wird aufgehetzt. Genau das spielt dem System (der NWO) in die Hände. Wisst ihr denn nicht, dass genau das schon seit vielen Jahren ihr Plan ist?? Jeder soll gegen jeden aufgehetzt werden, damit überall in jedem Land Unruhen entstehen. Sogar die Familien werden zerstört. Jeder soll für sich alleine dastehen, dann hat er weniger Macht als wenn sich alle einig sind. Lest euch mal die vielen Infos durch, die es über die NWO gibt und denkt einfach mal darüber nach.

    Verfasst von der Optimist | 7 Oktober, 2013, 7:25 pm
    • Ach hör doch auf, wenn es keinen Unterschied gibt, warum seid ihr dann nicht 1990 auf der Straßen gewesen, als man die Ossis enteignet und ihre Wirtschaft zerschlagen hat. Wo seid ihr denn wenn es um Tariflöhne Ost geht? Um Rentenangleichung und Aufstiegschancen.

      Wegen euch sitzen wir doch in der Scheisse, wir haben von eurem Kapitalismus die Schnautze voll.Also komm uns nicht mit dem Einheitsscheiss,
      der fällt euch nur ein wenn wir euren Hintern retten sollen.
      Das sind eure Verbrecher, eure Verbrechen, eure Banditen, schau doch rein in der Wikipedia was unter DDR steht. Wie ihr uns dämonisiert habt, als wären wir alles nur arme Schlucker gewesen die von der Hand in den Mund gelebt hätten.

      Schau dir diese Wessis an, haben selbst mal Brotsuppe gefressen, fressen heute noch Kunstkäse ala Scheibletten und Schnitzel ausm Toaster, Formfleisch und ähnlichen Dreck, von der klapprigen Ente mal ganz abgesehen, aber zerreißen sich das Maul über Jägerschnitzel und erkennen noch nichtmal nen einfachen Weißkohl.
      Die glauben doch noch das wir nichtmal Strom und Heizung hatten, solche Schwachköpfe beleidigen die Ossis Tag für Tag.
      DDR Experiment
      Ihr habt wirklich nichts ausgelassen euch bei euren Landsleuten im Osten so richtig beliebt zu machen.

      Verfasst von monopoli | 8 Oktober, 2013, 1:48 am
  5. Hier wird von Ostdeutschland gefaselt, sind denn Ostpreußen, Schlesien, Posen, Pommern usw. beigetreten ??
    Wo hat denn der Ostdeutsche Rundfunk seinen Sitz ??

    Ich kenne nur Mitteldeutschland, was auch den Mitteldeutschen Rundfunk hat, hängt wohl damit zusammen.
    Dieser falsche Sprachgebrauch sollte nicht noch unterstützt werden.

    Das es die sog.Widervereinigung gar nicht gab ist ja nun mal bekannt oder sollte es sein.

    Verfasst von Konfuzius | 7 Oktober, 2013, 8:40 am
    • Dafür das du so schlechte Orientierung und Geschichtskenntnisse hast kann ich nicht, aber der Ostdeutsche Rundfunk (ORB) fusionierte mit dem SFB zum RBB und sitzt noch immer in Brandenburg, genauer gesagt in Potsdam.
      Zudem kriegen wir es ja noch nichtmal hin unser eigenes Land von der kriminellen Vereinigung zu befreien und die eigenen Probleme in den Griff zu kriegen, geschweige denn auch noch böhmische Dörfer durchzufuttern.
      Lernt erstmal eure eigene Heimat zu befreien und gleichwertig zu behandeln, da gibts genug Probleme zu lösen.

      Verfasst von monopoli | 8 Oktober, 2013, 12:31 am

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