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Armut, Geld, Senioren, Teuro

Alt werden – eine Frage des Geldes

a und Opa beim AbsaufenLässt der Staat die Armen im Stich?

Aus gegebenem Anlass, muss hier nochmals intensiv auf die Frage eingegangen werden, ob der Staat arme Menschen im Stich lässt?!

Am 12.05.09 gab es in der Sendung „Menschen bei Maischberger” eine interessante Gesprächsrunde. In dieser wurde ebenfalls über die Frage diskutiert.

Gäste waren:

Uschi Glas (Schauspielerin, Gründerin “brotZeit e.V.”)

Martina Wagner (Mutter von 5 Kindern und Hartz-IV- Empfängerin)

Sahra Wagenknecht (Linke, Europaabgeordnete)

Hugo Müller-Vogg (Journalist)

Hans Wall (Unternehmer)

Marianne Sladky (Rentnerin)

Frau Marianne Sladky machte den Anfang und legte ihre Berechnung der Einnahmen und Ausgaben offen und zeigte damit, wie sehr man als Rentnerin, bzw. als Rentner am Existenzrand leben muss. Es bleiben der älteren Dame maximal 230 Euro im Monat, für Essen, Medikamente und Freizeitaktivitäten. Oft kommt sie in die Situation, dass sie sich zwischen Medikamente und Essen entscheiden muss. Freibeträge gibt es wohl, aber keine Zahlung von “Medikamenten” welche nicht verschreibungspflichtig sind. Gerade diese sind jedoch oft effektiver und unschädlicher.

Bestandsaufnahme der Armut

Eine Frau, welche mit 75 Jahren noch ehrenamtlich in der Altenpflege und anderen Maßnahmen tätig ist und daher sogar ein Monatsticket selbst bezahlt, um die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können, muss in Kauf nehmen, dass ihre Gesundheit nichts mehr “wert” ist und Freizeitaktivitäten zum Luxusgut werden. Ein Mensch, welcher über Jahrzehnte hart gearbeitet und mit 50 Jahren noch eine zusätzliche Ausbildung gemacht hat, Schwierigkeiten gemeistert hat und indirekt viel für den Staat geleistet hat, kann sich keine entspannte Altersruhe gönnen?!

Mann-und-HundEin reicher Staat, wie Deutschland, lässt jene Menschen im Stich, welche viel geleistet und Anspruch auf sorgenfreie Tage im Alter haben. Frau Marianne Sladky ist kein Einzelfall, denn schon lange ist in Deutschland das Wort “Altersarmut” kein Fremdwort mehr. Die junge, nachfolgende Generation kann es jeden Tag sehen, was für eine Zukunft sie erwartet. Also ist es kein Wunder, dass sich hier über viele Jahre hinweg bereits Resignation breit gemacht hat. Die Sicherung unseres Lebens im Alter ist unsere Aufgabe vor dem Rentenalter und die Pflichtaufgabe des Staates ab dem Rentenalter. Viele Faktoren beeinflussen die Alterssicherung, und nicht jeder Mensch hat immer die Möglichkeit jedes Jahr vor dem Rentenalter in die staatliche Kasse einzuzahlen. Trotzdem hat der Staat die menschliche Pflicht, hier eine ausreichende Absicherung im Alter zu gewährleisten. Warum sonst brauchen wir ein Sozialsystem im Alter?

Gehen wir davon aus, dass diese Generation, zwischen 35 Jahre bis 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat und welche Renten real ausgezahlt werden, und dass viele Rentner die Rente nicht länger als 20-25 Jahre in Anspruch nehmen können, dann bleibt hier ein großer Überschuss. Zum einen aus dem Vergleich zwischen Einzahlungsjahre und die Jahre der Inanspruchnahme und zum anderen, aus dem zum Teil ungerechtfertigten, geringeren Auszahlungen, nur weil man die Rente krankheitsbedingt, oft einige Jahre früher in Anspruch nehmen muss. Alleine aus dem Rentensystem wären also genug Gelder vorhanden, um auch Menschen eine ausreichende Rente zu zahlen, welche aus verschiedenen Gründen nicht über einen so langen Zeitraum in die Kassen einzahlen konnten. Auch muss man an jene Frauen denken, welche ihren Erziehungsauftrag wahrgenommen haben und nach dem alten System als Hausfrau tätig waren, bzw. sind. Die Leistungen im Haushalt in der Familie, der Erziehung, müssen ebenfalls im angemessenen Maße berücksichtig werden. Hier wäre sogar eine gute, gesetzliche Mindestrente von Nöten. Ein Rentensystem stützt sich auch immer durch den Nachwuchs, und daher muss es wieder ins Bewusstsein rücken, dass Kindeserziehung eine sehr wichtige Tätigkeit ist in unserer Gesellschaft. Das Rentensystem wurde auf einer Solidargemeinschaft aufgebaut und sollte auch in diesem Sinne angewendet werden. Ansonsten könnte auch jeder Bürger für sich selber sparen und hätte dann vermutlich noch mehr. Mit der Einzahlung in die Staatskassen bekunden wir unser Vertrauen in den Staat. Dieser ist daher verpflichtet mit unserem Kapital so zu arbeiten, dass das Sozialsystem über Jahre hinweg angeglichen und gestärkt wird. Jede Arbeit, die wir leisten, bringt dem Staat Einnahmen und zwar über viele Jahrzehnte hinweg. Eine gute Altersabsicherung ist wohl das Mindeste, was von den Regierenden für uns getan werden kann. Großkonzerne fahren Milliardengewinne ein durch unsere Arbeitskraft.

bundesadler-neuUnd so zieht sich eine lange, schwarze Bahn durch unser System. Vom Säugling bis zum Rentner. Kinder können oft keine vernünftige Ausbildung absolvieren, obwohl die Fähigkeiten gegeben sind, weil die Eltern evtl. arbeitslos sind und Hartz-IV nicht ausreicht für eine vernünftige Schulbildung. Die Kinder werden bereits ab der Geburt in etwas hineingezogen, was sie gar nicht zu verantworten haben. Eine Perspektive ist hier nicht in Sicht. Auch eine gut gemeinte “Brotzeit e.V.” ist hier nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es geht ja auch darum, dass es große Unruhen gibt in Familien, in denen keine Perspektive mehr herrscht und in welcher die Armut jeden Tag aufs neue Narben hinterlässt. Dass Kinder in Deutschland hungern müssen, ist schlimm genug und hinterlässt bereits Schmerzen in der jungen Seele. Die Probleme, welche durch Armut zu Hause entstehen, verhindern jedoch ebenfalls jede positive Entwicklung. Die Lernfähigkeit und der Ehrgeiz entwickeln sich, wenn man sorgenfrei aufwächst und ab und an mal Schwierigkeiten lösen muss, welche zum Leben gehören. Von einem Leben in “Dauerproblematik” darf hier nicht die Rede sein bei Kindern und Jugendlichen. Leider ist es aber Realität. In der Diskussion hat man diesen Aspekt gar nicht berücksichtigt. Die Kinder sind also genauso wenig “Wert” wie ältere Menschen, und so schließt sich der Kreis der Generationen. Von Kinderarmut bis Altersarmut und dazwischen eine Generation, welche die Staatsfehler allein korrigieren soll.

Zeichen eines kaputten Systems

Folgende Frage wurde gestellt:

Könnten sie mit 800 Euro auskommen?

Antworten:

Sicher schwierig

Das auf jeden Fall

Ich glaube ja, wenn ich mir das richtig einteilen würde

Wenn man muss, geht es, aber im Prinzip ist es sehr schwer damit auszukommen

Definitiv Nein

Ich musste das, ich habe teilweise so gelebt, auch mit weniger

Wenn es sein müsste, dann könnte ich das auch

An dieser Umfrage stört ein wenig, dass man von 800 Euro spricht. Viele Menschen haben weniger Geld zu Verfügung. Es ist erschreckend, dass der Bürger sich scheinbar damit abfindet und mit dem versucht klarzukommen, was der Staat Ihnen gibt. Ohne zu hinterfragen und dabei zu erkennen, dass wir dieses Sozialsystem aufgebaut haben, als Gemeinschaft und so auch als eine Einheit, unsere Ansprüche geltend machen zu müssen.

Herr Wall hat es hier schon richtig erkannt. In einem reichen Land wie Deutschland darf es solche Armutssituationen nicht geben. Dem muss man einfach hinzufügen, dass jeder Arbeiter, jeder Angestellte, jeder Mensch, am Erfolg der BRD beteiligt war und ist. Durch harte Arbeit wurden Strukturen aufgebaut und jeder Bürger dachte, wenn er treu seiner Arbeit nachgeht oder sogar Arbeitsplätze schafft, wird für seine Sicherheit, in Krisenzeiten gesorgt sein.

Eine Frage der Verteilung

Dass der Staat von uns allen verlangt, in solch bitteren Verhältnissen zu leben, ist eine Schande. Natürlich ist es auch eine Frage der richtigen Verteilung. Es kann nicht angehen, dass die kleine, reiche Schicht eine Yacht nach der nächsten kauft und das Volk vor Armut nicht in den Schlaf kommt. Auch darf es nicht sein, dass mal eben 480 Milliarden Euro in kaputte Bankensysteme investiert werden, um Fehler der Oberschicht zu korrigieren, während der Bürger allein zusehen muss, wie er klar kommt. Schließlich sind es Volksgelder, welche hier lustig verteilt werden. Allein eine Millionärssteuer von 5% auf das Privatvermögen der Reichen würde hier 80 Milliarden Euro in die Staatskassen bringen, und schon wären die Probleme kleiner. So, Frau Wagenknecht. Stattdessen wird der kleine Mann weiter belastet und muss mehr und mehr Steuern zahlen.

Man ist von Staatsseite nicht mit der Zeit gegangen. Immer wieder verlässt man sich auf alte Regelungen, ohne diese den aktuellen Situationen anzupassen.

Ein Beispiel, an welchem man merkt, dass die Regierungen in den letzten Jahrzehnten geschlafen haben.

Wir leiden nun für die Fehler des Staates.

Immer wieder wird davon gesprochen, dass wir alle es selber in der Hand haben und es auch an uns liegt. Wir haben aber schon über mehrere Generationen unsere Pflicht wahrgenommen und haben uns immer gesteigert, wenn es von uns gefordert wurde, doch jetzt ist die Politik gefragt. Wofür haben wir Sie gewählt, wenn man sich für solch wichtige Staatsangelegenheiten nicht der Verantwortung gewachsen fühlt?

Der Staat hat uns alle in Stich gelassen und nicht nur die Armen. Nun ist es an der Zeit, daran zu erinnern, was wir alle geschaffen haben und was wir vom Staat erwarten.

Altern heutzutage: Fluch oder Segen?

Es mag zynisch klingen und dies erst recht, wenn man weiß, wie viel Leid außerhalb der wohlbehüteten Industrienationen weltweit herrscht, ausgerechnet dann sich dahingehend zu äußern, daß eine niedrige Lebenserwartung vorm gebrechlichen Altwerden sie dort bewahrt. Das Ergebnis eines unwürdigen Dahinsiechens dürfen wir in den Pflegeheimen betrachten, auch wenn bereits nach etlichen Skandalen so manch gravierende Schlamperei aufgedeckt und beendet wurde. Nach wie vor müssen sich die hilflosen, alternden Pflegebedürftigen alltäglich mit dem Personal auseinandersetzen, Pflegen im Minutentakt wird weiterhin praktiziert, für Menschlichkeit bleibt da nicht viel übrig, bis hin zu den noch unbekannten Mißständen, die sicherlich stattfinden, auch wenn dies geleugnet wird. Gleichzeitig muß aber auch vorneweg die mühsame Arbeit des Pflegepersonals gelobt werden, das trotz vieler Widrigkeiten mit großen Engagement seinen Job gewissenhaft ausübt und oft bis zum Rand der eigenen Erschöpfung sich nicht zu schade ist. Was läuft da verkehrt in unserer Gesellschaft?

Altwerden eine Frage des Geldbeutels?

Daß die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen ist, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Und nicht immer darf man davon ausgehen, daß Reiche älter werden und Arme früher sterben. Jedoch prinzipiell muß man es dennoch feststellen. Das hat ganz viel mit ärztlicher Vorsorge und Betreuung zu tun, mit dem Arbeitsleben, der Ernährung und ganz besonders auch mit der psychischen Belastung. Wer keine Geldsorgen zu beklagen hat, schläft ruhiger, dessen Seele wird nicht einem Dauerstress der Sorgen unterzogen. Gleichzeitig spielt der Lebenswandel eine große Rolle, um das Altwerden zu begünstigen oder eben mit dem Tod als Folge exzessiven Lebens: Kettenraucher, Alkoholkranke, Drogenkonsumenten, aber auch Workaholics, um nur einige Extreme aufzuzählen, gehören zu jenen Kandidaten.

Die Gerontologie (aus dem Griechischen für géron für „Greis“ und lógos für „Lehre“) beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Altern, wobei sie nicht umhin kommt, sich bei dieser großen Thematik auch mit der Geriatrie (Altersheilkunde), der Gerontopsychiatrie (Seelenheilkunde), Sozialarbeit und Altenpflege auseinander zusetzen. Doch wie reagiert unsere Gesellschaft auf ihre älter werdenden Menschen? Hat sie die richtigen Antworten, um ihnen einen menschenwürdigen Lebensabend zu gönnen? Die Politik weiß keine bessere Antwort, als die Rente mit 67 einzuführen, manche Politiker fordern sogar nonchalant die Rente mit 70. Ein Bauarbeiter sollte spätestens mit 60 in Rente gehen dürfen. Wer dennoch muß, riskiert erhebliche, gesundheitliche Schäden. Unser Körper wurde nicht von der Schöpfung geschaffen, um uns dermaßen unklug bis hinein in ein solch hohes Alter zu verschleißen. Wer diesen Umstand ignoriert, macht sich mitschuldig am Leid der Betroffenen.

Jugendwahn und Altersgesellschaft – paßt das zusammen?

Eigentlich überhaupt nicht. Und doch bleibt der Gesellschaft nichts anderes übrig, als die passenden Lösungen zu finden. Wer heute noch jugendlich dynamisch im Berufs- und Privatleben in vollen Zügen sein junges Leben genießt, darf sich dessen gewiß sein, daß er auch mal alt wird, vorausgesetzt, ihn ereilt keine schwere Krankheit oder ein Unfall. Aber gerade die derzeitig junge Generation hat deshalb auch die Möglichkeit, die eigenen „Weichen“ zu stellen in eine bessere Zukunft für ältere Menschen. Wenn schon das Altwerden heutzutage viel eher als ein Fluch zu bezeichnen ist, anstatt einem Segen, so wartet auf die folgenden Generationen ein enormer Nachholbedarf, um dies zu ändern. Das Klima sozialer Kälte hat schon lange Hochkonjunktur, denken wir nur an das Unwort des Jahres 1996 zurück, das da lautete: „Rentnerschwemme“ und auch an das zwei Jahre später gefundene: „sozialverträgliches Ableben“! Widerlicher kann eine Gesellschaft nicht das Verhältnis zu ihren alten Menschen offenbaren. Gleichzeitig muß man mit Schrecken all diese verzweifelten Bemühungen derjenigen beobachten, die bis ins hohe Alter dem Jugendwahn verfallen. Vom Botox Spritzen, Gesichtscremes bis hin zu gesichtschirurgischen Eingriffen wird alles versucht, um dem Altwerden entgegenzuwirken.

spd_durchbeissenDie Reform der Pflegeversicherung ist längst überfällig, und doch wagt die derzeitig verantwortliche Bundesregierung sich nicht daran, erst nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr soll verhandelt werden. Nicht nur hierzulande, sondern ein weltweiter Mangel an Ausbildungsplätzen im Pflegebereich haben mit zu diesem Notstand geführt. Obwohl demographischer Wandel zum Älterwerden schon lange kein Novum darstellt, wurde nicht entsprechend reagiert. Unsere Gesellschaft muß die passenden Antworten finden, und zwar schnellstmöglich, um das Leid unserer älteren, pflegebedürftigen Mitmenschen zu beenden. Dabei sollte nicht nur die Bezahlbarkeit eine Rolle spielen, sondern auch ein Überdenken der Praxis. Es kann und darf nicht sein, daß menschenunwürdige Zustände im Pflegefall Zeugnis unserer Humangesellschaft widerspiegeln, sie stellt sich damit sonst selbst in Frage.

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Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
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