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Merck & Schockemöhle setzen Genbakterien frei

Auf dem Hof von Paul Schockemöhle in Mecklenburg-Vorpommern will der Pharmakonzern Merck einen mittels Gentechnik hergestellten Impfstoff testen. Die Bevölkerung von Grabow protestiert.

Im Gestüt Lewitz des Ex-Springreiters Paul Schockemöhle in Südwestmecklenburg sollen 120 Fohlen mit einem Impfstoff behandelt werden, um sie gegen eine eitrige Lungenentzündung immun zu machen. Das geht aus einer Bekanntmachung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. In dem Gestüt mit 3500 Pferden und jährlich 650 Fohlen erkranken laut Antrag mehr als 50 Prozent der Fohlen an Lungenentzündung. Die Tiere infizieren sich mit dem Wildtyp des Bakteriums Rhodococcus equi.

Einst unterhielt die DDR im thüringischen Meura das größte auf Haflinger spezialisierte Gestüt Europas. Doch nicht einmal dort stellte diese Erkrankung ein Problem dar. Der Grund, die Tiere wurden annährnd halbwild gehalten.

Die ungewöhnlich hohe Zahl der Erkrankungen im Schockemöhle-Gestüt liegt also offenbar vielmehr an den ungesunden Haltungsbedingungen einer Massenzucht die mit „Pferdesport“ nichts mehr zu tun hat. Schockemöhle ist offenbar bereit jedes Ideal eines tierfreundlichen Reitsportlers aufzugeben, um alles aus den Pferden rauszuholen. Nach mir die Sinnflut, denkt sich wohl auch die Merck-Tocher das Unternehmen MSD Animal Health. Welche Wirkung die freigesetzen Genbakterien auf Menschen und Tiere haben wird ist ihnen egal und es ist absehbar, das die Pferde nunmal auch auf den Koppeln des Gestütes koten, wo sie von Wildtieren direkt in die Wälder getragen werden.

Nicht umsonst laufen diese und ähnliche Versuche vorwiegend im bevölkerungsschwachem Osten Deutschlands. Hier erwartet man wenig Widerstand und so kämpfen die Grabower auf verlorenem Posten, so wie sie überall in Ostdeutschland gegen die Gentechnik setzen. Ostdeutschland verkommt immer mehr zur Freiland-Versuchsanstalt der Gentechnik und was einmal im Herzen Europas in die Umwelt gelangt, hat Auswirkungen auf ganz Europa. Es dauert nur einige Jahre.
Die Agakröte war auch mal so ein Freilandversuch mit verheerenden Folgen, nur ist die 2000 x größer als ein Bakterium
und nicht mit genetischen Waffen ausgestattet worden.

Am 1. April soll es losgehen. Auf dem Gestüt im mecklenburg-vorpommerschen Grabow sollen dann junge Pferde einen Impfstoff gegen eine Lungenentzündung injiziert bekommen. Das Besondere daran: Der Impfstoff enthält gentechnisch manipulierte Bakterien.

Drei Fohlenjahrgängen soll der Impfstoff verabreicht werden, heißt es in der Versuchsbeschreibung. Der in der Natur vorkommende Typ des Bakteriums verursache bei den Fohlen eine Lungenentzündung – ältere Pferden sind dagegen immun. Um die Fohlen zu impfen, wurden daher vier Gene des Bakteriums entfernt. Man arbeite schon länger mit dem Pharmaunternehmen Intervet zusammen, das den Impfstoff testen wolle, so Marc Lämmer, Leiter des Gestüts.

Intervet mit Sitz im niederländischen Boxmeer ist die Tiersparte des US-Chemie- und Pharmakonzerns Merck & Co. Einen ersten Freisetzungsantrag stellte das Unternehmen bereits Ende 2010. Im folgendem Jahr wurden daraufhin in den Niederlanden 40 Fohlen mit den Impfbakterien behandelt.

Der neue Freisetzungsstandort, das Pferdegestüt Lewitz, gehört dem mehrmaligen Europameister im Springreiten, Paul Schockemöhle. Auf rund 3.000 Hektar werden dort etwa 3.500 Pferde gehalten. Weil es auf dem Hof die für eine Untersuchung notwendige hohe Zahl an Pferden gebe, habe man eingewilligt, den Versuch durchzuführen.

Schließlich müsse eine Wirkung des Impfstoffs mit einer Vergleichsgruppe nicht geimpfter Tiere mit gleichen Haltungsbedingungen verglichen werden. Später soll unter anderem mit den Daten aus der Untersuchung eine Zulassung des Impfstoffs beantragt werden.

Doch die Anwohner in Grabow protestieren seit Wochen gegen den Versuch. Über 400 Einwendungen schickten Bürger und Vereine an den Landkreis und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das über die Zulassung entscheidet, auch die Gemeinde beteiligte sich.

„Niemand weiß, was mit den manipulierten Bakterien passiert“, formuliert Anwohnerin Gisela Welke ihre Befürchtungen. „Die Krankheit ist auch auf Menschen übertragbar“, sagt Bürgermeister Ulrich Schult. Und eine Wohnsiedlung liege direkt nebenan.

Noch Ende Januar hatten verschiedene Medien fälschlicherweise berichtet, dass der Impfversuch aufgrund der Proteste abgesagt werden soll. Paul Geurts, Sprecher von Intervet, widerspricht: Man warte nur auf die Genehmigung des BVL.

Gesundheitliche Gefährdung für andere Arten von Säugetieren (inkl. Mensch) nicht ausgeschlossen

Im Genehmigungsantrag für den Versuch wird eingeräumt, dass das Bakterium in seiner nicht manipulierten Form auch bei anderen Säugetieren und Menschen eine Lungenentzündung hervorrufen kann.

Weiter heißt es: „Der Impfstamm gelangt nach der Impfung kurzzeitig mit dem Kot der geimpften Tiere in die Umwelt.“ Und: „Wir können (…) nicht ausschließen, dass der Impfstamm bei immuneingeschränkten Personen Infektionen verursachen könnte.“

Das sieht Anja Sobczak vom Umweltinstitut München ähnlich: Eine gesundheitliche Gefährdung könne nicht ausgeschlossen werden. „Daher muss die Freisetzung von Gen-Lebend-Impfstoffen grundsätzlich verboten werden“, fordert sie. Lämmer widerspricht: „Wir sehen keine Gefährdung für unseren Bestand und auch nicht für die Umgebung, sonst würden wir den Versuch nicht durchführen.“

Was er sich von der Versuchsreihe verspricht, will er nicht sagen: Man plane, sich im März gemeinsam mit dem Hersteller des Impfstoffs zu äußern. Derzeit gibt es noch keine Impfung gegen die Erkrankung. Betroffene Fohlen werden bislang mit Antibiotika behandelt. Ohne Behandlung liege die Sterblichkeit meist über 80 Prozent, sagt Katja Roscher, Veterinärmedizinerin an der Klinik für Pferde der Universität Gießen.

In Lewitz ist das Interesse an einer Alternative groß: Mehr als die Hälfte der Fohlen auf dem Gestüt erkrankt durch das Bakterium, heißt es in dem Antrag für den Versuch – eine ungewöhnlich hohe Anzahl. „Auf mehr als der Hälfte der Gestüte erkranken weniger als 10 Prozent der Fohlen“, sagt Roscher. Bei Einzelbeständen könne sich der Anteil auf bis zu 100 Prozent erhöhen.

Kommerzielle Interessen stehen im Vordergrund

„Die Krankheit tritt vor allem dann auf, wenn sehr viele Tiere in einem Betrieb sind und sie dicht stehen“, sagt Johannes Handler, Professor für Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin. Das müsse nicht gegen die Haltungsbedingungen sprechen.

Das Umweltinstitut und auch der Umweltverband BUND kritisieren trotzdem, kommerzielle Interessen würden über den Tierschutz gestellt, denn „ein Pferd, das einmal eine Lungenentzündung hatte, lässt sich nicht mehr als Sportpferd verkaufen.“
Die Impfung sei daher nicht im Interesse der Tiere, sondern ausschliesslich der wirtschaftlichen Verwertbarkeit.

Handler bestätigt auch, dass der natürliche Immunschutz der Tiere sich mit zunehmendem Alter verbessere. Dennoch könne die Entwicklung einer Impfung grundsätzlich sinnvoll sein.
Das BVL (Bundesamt für Verbraucher- und Lebensmittelsicherheit) geht davon aus, dass es bis Mitte April die Entscheidung über eine Genehmigung des Versuchs fällt. „Dabei werden die Argumente aus den Einwendungen berücksichtigt“, sagt BVL-Sprecher Andreas Tief.

Wer dagegen protestieren will kann sich direkt an das Gestüt wenden oder an das BVL
lewitz@schockemoehle.com oder BVL

http://gmoinfo.jrc.ec.europa.eu/gmp_browse.aspx

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Merck & Schockemöhle setzen Genbakterien frei

  1. Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

    Verfasst von Arcturus | 5 April, 2014, 5:39 pm
  2. Hat dies auf LichtWerg rebloggt.

    Verfasst von LichtWerg | 5 April, 2014, 2:14 pm

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