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Poststraße
Bildung, Euromarkt, Uni

Bewerbungsgespräche

Gelegentlich halt ich mal nach einem neuen Job Ausschau und bin immer wieder erstaunt wie weltfremd die Unternehmer sich hier präsentieren. Gesucht wird da nämlich nicht etwa ein Mensch, sondern eher eine Art 18jährige Wollmilchsau,
eine altruistisch kapitalhingewandte Sklavenkreatur in menschlicher Form. Befehle ausführen ja, aber bitte nicht Denken, denn das kann nur ihr Chef. Man nennt das Teamfähigkeit.

18 weil man hier erstmal ein halbjähriges Praktikum anbieten kann, mit etwas Glück gefolgt von einer Einstellung mit halbjähriger Probezeit zum Mindestlohn, wobei man natürlich von Aufstiegschancen redet, die nur leider nie eintreffen.
Pünktlich zum letzten Tag der Probezeit geht dann die Firma Pleite und überreicht ihnen ein „Hilfsangebot“ mit Adressen dutzender Leiharbeitsfirmen, die allerdings alle nur Mindestlohn zahlen.

Sehr vorteilhaft ist es, wenn sie Auslandserfahrung anzubieten haben, also perfektes chinesisches Mandarin steigert ihren Wert erheblich. Schlechter sieht es aus wenn sie nur billiges Englisch können.

Abitur setzt man heutzutage schon für Putzfrauen vorraus und sollten sie bei einer Sicherheitsfirma anfangen, empfehlen sich Kampftraining und Waffenschein.

Allgemeinbildung ist eh abhängig vom Arbeitgeber, bei den Millionären alá Wollnys sollten sie schon wissen, wer in Monaco regiert. Beim Tischler um die Ecke sollten sie zumindestens Grundkenntnisse über unsere Politkaste haben.
Wichtig, bitte erwähnen sie niemals ihre Lieblingspartei und vermeiden sie besser auch proletarisches Aussehen.
Ein Gucci-Anzug, ja damit machen sie selbst bei der Bewerbung in Drückerkolonnen eine gute Figur.

Der ideale Bewerber sollte am besten aus Westdeutschland kommen, die 25 noch nicht überschritten haben und ein skrupellos weltmännisch gebildeter Akademiker sein, der völlig „happy“ ist in einer grenzwertigen Spelunke aus Bleckbaracke und Holzverschlag zum Minilohn zu arbeiten um nachher zum Arbeitsamt zu rennen um Aufstockerleistung zu beantragen die man ihnen mangels Alter nur unter erheblichen Auflagen, sogenannten „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ (auch Eingliederungsvereinbarungen genannt) zukommen lässt.

Erwartet wird andererseits von ihnen voller Einsatz, Rufbereitschaft rund um die Uhr und große Spendenbereitschaft für den Geburtstag des Chefs.

“Ein guter Job” ist heutzutage so unerreichbar wie eine Fata Morgana.
Die Durststrecke durch die Talsohle ist der Weg und der Weg ist das Ziel.
Nach Jahren der gewohnten Ablehnung beschreibt man sich immer noch “HOCHMOTIVIERT & FLEXIBEL”

Doch wer ist das schon?

Warum soll man bei einem Vorstellungsgespräch so lügen wie man es im Bewerbungstraining gelernt hat?
Warum nicht einfach ehrlich sein? (an der Stelle gibt es immer Lacher)
Beim Vorstellungsgespräch muss man auch mal kreativ sein: “Ich kann meinen Namen furzen, soll ich?”

Oder erreichen Sie das emotionale Zentrum der Personalchefs und Human Researcher indem Sie ihre Bewerbung auf Zwiebelschalen schreiben.
Und ganz wichtig, markieren Sie nach dem Vorstellungsgespräch ihr neues Revier, so sorgen Sie dafür dass man Sie immer in Erinnerung behält.

Auf die Frage “Wie hoch ist Ihre Gehaltsvorstellung?” antworten sie: ” Zweimetervierzehn.”
Ich nenne das, die neue Ehrlichkeit. Weg von dem Geschleime beim bewerben, hin zur Offenbarung des wahren Selbst.

Auf die Frage “Was für Hobbies haben Sie?” antworten sie ehrlich: “Fernsehen, fressen, saufen.”

Also viel Glück bei der Suche nach einem Job.

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NATO verlangt 2% des Haushaltes
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das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
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Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
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