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Kunst an der Kunsthochschule

Kunst an der Kunsthochschule oder: Wie Didaktik durch Wettbewerb ersetzt wird

Die Wettbewerbe an einer ostdeutschen Kunsthochschule werden so aufgebauscht, dass ungefähr einmal pro Woche irgend eine Mail dazu verschickt wird. Aber die wirklich wichtigen Sachen, Seminare z.B., von denen es nur eine Handvoll gibt – wenn überhaupt, sollen sich die Studenten selbst raussuchen, da sollen sie von einem Hochschul-Gebäude (Hochschule wird im Folgenden mit HS abgekürzt) zum anderen dallern, am besten täglich, damit sie die Aushänge finden.
Oder Verwaltungspolitisches: dafür gibt es keine Zeit, das öffentlich zu machen. Darum soll man sich selbst bemühen.
Wettbewerbe dagegen, die von einer Jury entschieden werden, die mehrheitlich keine Ahnung von Kunst hat, sind überall präsent; man ist vollkommen darüber im Bilde ohne auch nur eine Sekunde an der HS anwesend zu sein.

Wettbewerbe sind nämlich der Ersatz für die mangelnde Fähigkeit zur intrinsischen Motivation der Studenten. Weil Westdt nicht in der Lage sind, jeden Studenten entsprechend seinen Anlagen zu fördern, ersetzen sie einfach intrinsische Motivation durch extrinsische. Dann geht es nicht mehr um Qualität sondern um Mehrheitsentscheidungen.

Wettbewerbe werden überall veranstaltet, die in der Jury Leute sitzen haben, denen das Recht fehlt, sich über Kunst ein Urteil zu bilden. Sie sind beispielsweise Bauherren, Unternehmensführer, Architekten oder auch Politiker. Es reicht auch nicht, dass in solchen Jurys auch professionelle Kunstinteressierte ihren Standpunkt zum Besten geben. Der Gewinner ist ein Kompromiss aus Ahnungslos-Urteil und bestenfalls Ahnungs-Urteil, also gewinnen solche Wettbewerbe definitiv niemals die, die tatsächlich etwas können. Für mich ist das logisch, für Westdt ist das dagegen wahrscheinlich differentiell zu betrachten. Ich halte das kritisch-objektive Urteilsvermögen von Westdt über Relevanz und Qualität für relativ gering. Westdt selbst behaupten einfach, es gäbe keine Relevanz oder Qualität oder man könne nicht wissen, was richtig oder falsch ist und belügen sich damit schlicht selbst. Entscheidend ist nicht, ob oder ob nicht man Qualität beurteilt, sondern WIE und nach WELCHEN KRITERIEN man Qualität beurteilt. Diese Einsicht lässt Wettbewerbe etwa vom Museum Ritter (Unternehmen Ritter Sport) schon per se als irrelevant erkennen.

Mich macht nicht die Tatsache selbst so wütend, dass es diese nutzlosen Wettbewerbe überhaupt gibt. Mich macht erst so rasend vor Wut, dass diese Wettbewerbe auch noch an HS veranstaltet werden. An HS, wo es darum geht, eine Ausbildung zu bekommen, etwas zu LERNEN, wo Werte vermittelt werden, eine Richtschnur für das zukünftige professionelle Urteil gelegt wird. Was lehren uns denn solche Wettbewerbe? Dass man sich niemals auf so ein Wettbewerbsurteil einer HS verlassen darf, weil sie viel zu sehr innerhalb der Gesellschaft verhaftet ist und dadurch den objektiven Überblick verloren hat, den sie für eine ehrliche Kunstkritik bräuchte? Lehren sie uns, dass man sich auf Niemanden verlassen kann, weil die übrigen Menschen nicht nach Qualität streben? Lehren sie uns etwa, dass es sinnlos ist, an einer HS zu studieren, weil es dort nicht darum geht, etwas zu lernen, sondern darum, das Urteil von Menschen unterwürfig anzunehmen, die gar nicht die Absicht haben einem etwas beizubringen?

Wie immer trifft alles, was passiert, auf die unterschiedlichsten nur möglichen Urteile. In einem System, das Mehrheitsentscheidungen zum Maß der Dinge macht, legitimiert die Wettbewerbe eine mehrheitliche Zustimmung. Zustimmung erhalten sie, weil es dafür Geld gibt und weil die Mehrheit über die gesellschaftliche Verantwortung einer HS überhaupt nicht nachdenkt. Außerdem findet sich eine mehrheitliche Zustimmung, weil die Jüngeren, Ungebildeteren immer leichter zu überzeugen sind – denn sie sind unterlegen, leichter zu lenken, nehmen das Urteil der Überlegenden leichter an, suchen nach Anerkennung der Überlegenden. Wenn die Überlegenden dann auch noch so sehr Unterwürfigkeit fordern wie Westdeutsche, ist der Grabstein der Qualität schnell aufgestellt. Gleichzeitig zur Forderung nach Unterwürfigkeit steht die Aussage, die Studenten sollten selbstbestimmt über die Art der Durchführung eines solchen Wettbewerbs urteilen. Unmöglich und damit eine absurde Lüge.

Unnötig zu erwähnen, dass solcherlei Praktiken die Dummheit des kapitalistischen Denken nach Ostdeutschland bringen. Denn Sie veranlassen die ostdeutschen Studenten damit zu stärkerem Konkurrenzdenken als sie von sich aus haben würden. Es ist KEIN Konkurrenzdenken nötig für bessere Leistungen, das ist ein Fehlurteil. Motivation erlangt man nicht nur durch Konkurrenz. Der Wettbewerb gegen sich selbst, intrinsische Motivation, ist ehrlicher, friedlicher, erfüllender und führt zu viel mehr Qualität. Motivation kommt aus dem individuell richtigen Verhältnis von Antworten und Fragen, die das Lernen im schnellstmöglichen Tempo ermöglichen. Dazu muss man nicht jedem Studenten Einzelunterricht geben. Die Erkenntnis, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten ALLE Studenten lernen müssen und welche individuell verschieden sind, würde schon reichen. Die Erkenntnis, dass HS vor allem dazu da sind erfolgreich zu lehren statt Scheinerfolg durch Urteile zu manipulieren, wäre auch schon viel wert.

Das Sprichwort lehrt: Bringst du im Kapitalismus einem Anderen bei, wie man einen Fisch fängt, verspielst du das Geschäft, ihm Fische zu verkaufen.

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Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

3 Gedanken zu “Kunst an der Kunsthochschule

  1. Reblogged this on Treue und Ehre.

    Verfasst von Runenkrieger11 | 8 Januar, 2014, 9:25 pm
  2. Genau so ist es. Nun sei mal junger Künstler und erklär deinen das Beste für dich wünschenden Eltern, warum du an solchen beschissenen Wettbewerben nicht teilnimmst.

    Verfasst von Crauseclucke | 8 Januar, 2012, 9:49 pm
  3. Das erinnert mich daran wie Kunstpreise heutzutage vergeben werden. Wenn du nen Preis willst musst du drei Dinge erfüllen:
    1) das ganze muss sich um einen armen Einwanderer drehen, Jude oder Moslem geht auch ganz gut, am besten große runde Augen, halbverhungert, kriegstraumatisiert, allein, typisches Opfer halt…
    2) der kluge Retter muss immer vom Rhein kommen, ab besten ein ehrlicher Fabrikantensohn von IG Farben
    3) es muss immer nen böser zurückgebliebener Stasi-Ossi dabei sein, der dick, doof und blond ist und eh nichts anderes tut als neonazistische Sprüche zu klopfen und mit sich nichts besseres anzufangen weiss als gemein auf kleine Kinder einzuschlagen

    Das funktioniert als Gemälde, als Foto, als Buch oder als Film. Da die Jury sich sowieso als Weltverbesserer verstehen, die im 150.000 Euro-Porsche herumfahren und 500 Euro für die dritte Welt spenden ist klar, das auch ihre Vorstellung von Innovation nicht viel weiter geht.
    Mit diesem Konzept gewinnt man jedenfalls jeden Preis, weil „man sich kritisch mit der Gegenwart auseinander setzt“. Naja zumindestens das, was so ne Jury als Gegenwart betrachtet die den Osten eh nur aus nem Bummel über die Friedrichstraße kennt.

    Das systematische Chaos bei dem am Ende immer das gleiche rauskommt, das ist die ökonomischste Art weil effizienteste Art von Kunst oder sagen wir besser Un-kunst.

    Verfasst von ich | 8 Januar, 2012, 9:30 pm

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das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
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Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

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