//
Poststraße
Armut, Ausgrenzung, Humor, Kultur, Unsortiert

Erbärmliche Weihnacht

Erbärmliche Weihnacht

Heute geh’n sie in die Mette,
Richter, Anwalt, lauter nette
Leute, die sich freu’n auf fette
Weihnachtsgans, die’s in sich hätte.

Auf dem Weg dorthin ein Bettler
spielt den Christ-Gewissensretter,
kriegt ‘nen Euro von dem Städter,
der ihn zwang zum Stadtrand-Settler.

Doch ham’s die nicht überrissen,
warum’s dem geht so beschissen.
Weil die Räumung ihr Gewissen
nicht berührt hat, war’s verschlissen.

Bei den Möbel-Packereien
waren sie nicht selbst dabei, denn
hörten sie das Kinderschreien,
würden sie sich’s nicht verzeihen.

Draußen liegt was in der Krippe
wie ein röchelndes Gerippe:
Kindlein klein mit schmaler Lippe
einer armen Sinti-Sippe.

Nein, die durften da nicht wohnen,
musste das Gericht betonen.
Um das Eigentum zu schonen,
soll Vermieten sich doch lohnen.

Wer den Mietzins nicht begleichen
kann und will, muss eben weichen.
Weil Sanierung für die Reichen
nur gebührt auch ihresgleichen.

Nun am Tag des Weihnachtsfriedens
ist genug des Urteil-Schmiedens
und des Hausbesitz-Verschiebens.
Heut’ ist Tag des Nächstenliebens.

Draußen auf dem Mittelmeere
sitzen wie auf der Geleere
hoffnungsbange Menschenheere,
zu entfliehen der Misere.

Bleibt für diese Armuts-Flotte
nur ein Machtwort von dem Gotte,
der Europa die bigotte
Hoffnung leiht auf Jesu Grotte?!

Nein, kein Gott zeigt da Erbarmen
weder hier noch dort den Armen.
Dafür wachen die Gendarmen,
dass die Festung sitzt im Warmen.

Auch wenn hier die Menschen frieren,
mag das Recht sich nicht genieren,
welches die exekutieren,
die sich weihnachtlich gerieren.

Wunderkerzenduft-Gezische
zieht verlogen durch die Frische.
Wenn sie sitzen dann bei Tische,
gibt es Butter bei die Fische.

Ach, wenn die sich doch erbrächen
an den Gräten, die sich rächen!
Wenn sie mit entleerten Mägen
hilflos vor der Schüssel lägen.

Um nur kurz einmal zu fühlen,
wie sich anfühl’n ihre kühlen
Sprüche in den Nacht-Asylen
ihrer Macht. Zum Runterspülen!

Nein, wie grau solch’ Phantasien
grad’ zur Weihnacht runterziehen!
Wo doch Friedensträume blühen,
wird mir sowas nicht verziehen.

Darum also, meine Lieben,
hab’ ich noch dazu geschrieben:
Ging’s gerecht zu, wär’ beschieden
allen Menschen Weihnachtsfrieden!

Wolfgang Blaschka • 12/2013
Advertisements

Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

4 Gedanken zu “Erbärmliche Weihnacht

  1. Zum Jahreswechsel ein Gedicht nur so für mich
    sonst die ganze krude Welt könnte sprengen ich

    Ludwig der Träumer, du bist ein Tropfen im Menschenfluß
    Laß‘ die anderen vorbeischwimmen im Überfluß

    Sie werden sich wiederfinden im Ozean der Sklaven
    im Hamsterrad der Göttern will fähigen Braven

    Laß meinen Tropfen Empathie verdampfen in der Sonne
    mein Nebel steigt als Regen nieder für manchen als Wonne.

    Dafür lohnt es sich zu leben.

    Traum, wohin hast du dich verkrochen?
    Für 2013 hattest du mir viel versprochen.

    Glück und Wohlstand, mehr Sein als Schein,
    daß ich besiege das innere Schwein,

    mehr Muse und Ruhe, statt Konsum und Arbeit pur.
    Wo ist sie geblieben, die Muse und Ruhe nur?

    Positiv denken, auch auf krummen Wegen,
    jederzeit Gelassenheit und Zuversicht hegen.

    Endlich zu finden mein Zuhause und mein Ziel.
    War es der Versprechen doch zu viel?

    Auch, wenn nur wenig eingetroffen,
    2014 will ich wieder hoffen.

    Traum, wohin hast du dich verkrochen?
    Trau dich wieder an meine Tür zu pochen.

    Ich, Siegfried Nagel, Waldmühle Rußheim

    Verfasst von Ludwig der Träumer | 31 Dezember, 2013, 7:19 pm
    • Ich bin entzückt und angetan,
      von klugen Worten in all dem Wahn.
      Ich frag ich werden wir es erleben,
      wird es ein bessres Morgen geben?
      Vom Sahnekuchen wollen alle ein Stück
      wir haben es verdient, das bisschen Glück.
      So steh ich hier ich armer Tor,
      dank deiner Worte schlauer als zuvor.
      Drum schenk ich dir die Wahrheit ein,
      hoffe und kämpfe – wir sind nicht allein.

      Verfasst von monopoli | 31 Dezember, 2013, 7:30 pm
  2. Klaus Linnenbrügger:Zu Erbärmliche Weihnacht: Weihnachten ist immer mit Traumatischen Erlebnissen belastet.Viel Freude kommt da an diesem Tag bei mir nicht auf.EMALIGES HEIMKIND-TEUFELSKIND-

    Verfasst von Klaus Linnenbrügger | 30 Dezember, 2013, 10:10 am
    • Ja das verstehe ich. Denk nicht zurück, denk nach vorn. Du hast es überlebt, aber wir sollten uns dafür einsetzen das sich auch das in unserer Gesellschaft ändert.

      Verfasst von monopoli | 31 Dezember, 2013, 2:29 pm

Was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archiv

NATO verlangt 2% des Haushaltes
für das Militär auszugeben,

das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
Militär-Etat USA 2015: 1839,53$
Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

Blog Stats

  • 724,736 hits
Follow monopoli on WordPress.com

Deutschland

Deutschland-DNA

Deutschland-DNA

RSS Pravdatvcom

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Lausitzer KlimaCamp

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.
%d Bloggern gefällt das: