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Poststraße
Wissenschaft

Verleumnung des Ostens

Die Verleumnung des Ostens wird nicht nur fleissig von der Presse gepflegt, sondern auch von Wissenschaftlern, die – wen wunderts – das niemals erlebt haben. Sie waren nicht dabei, aber typisch Besserwessi wissen sie ganz genau wie es war. Naja, jedenfalls schreiben sie darüber hochwissenschaftliche Studien die nur einem Zweck dienen, die Wahrheit zu verleugnen.

DDR besetzt und mundtot

DDR besetzt und mundtot

So haben auch diese nette westdeutschen „Wissenschaftler“ 2010 mal wieder was ganz kluges geschrieben und die Tatsachen umgedreht. Sie behaupten in ihrer Studie 20 Jahre nach der Wende ernsthaft:

„Ausgehend von dem Erbe einer defizitären betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzpolitik diente Ostdeutschland nach der Wende auch als Teststrecke für Deregulierungsvorstöße, die die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Grunde beibehielten. Diese „Konstante“ setzt sich bis zu den heutigen Mängeln der betrieblichen Sicherheit und Gesundheit fort. Feststellen lassen sich neben einer immer noch bestehenden Einkommensdifferenz nachteilige Arbeitszeitregelungen und stärkere klassische Arbeitsbelastungen für die Beschäftigten bei erhöhter Arbeitsplatzunsicherheit aufgrund fehlender Arbeitsmarktoptionen. Diese aus arbeitswissenschaftlicher Sicht körperlichen Fehlbelastungen in Kombination mit den auf die Psyche wirkenden Gratifikationskrisen bestehen auch aufgrund weniger wirksamer Arbeitsschutzroutinen in den Betrieben, wie z. B. durch das Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben. Der Beitrag kennzeichnet den ostdeutschen Sonderweg im Arbeits- und Gesundheitsschutz und formuliert ein erweitertes Beteiligungsverständnis als Anspruch, um die betriebliche Fassadenpolitik zu überwinden.“

Autoren: Thomas Engel, Ulrich Brinkmann, Karina Becker
zur Studie

Sie kriegen angesichts dieser Formulierung Kopfsausen? Kein Wunder, ist ja auch hüpsch hinter Fachbegriffen verpackt.
Aber wir übersetzen das mal für sie.

Gerda Hasselfeldt CSUSie behaupten: die schlechte Gesundheitsschutzpolitik der DDR ist schuld an den heutigen Mängeln der betrieblichen Sicherheit und Gesundheit von 2010, unzwar 20 Jahre nach der Wende. Das begründen sie mit Ostdeutschen, die noch in Bahnen der 80iger Jahre denken.

Dafür sehen sie nicht etwa die Einkommensunterschiede, nachteilige Arbeitzeiten oder stärkere Arbeitsbelastung und schon garnicht Arbeitsplatzunsicherheit oder fehlende Arbeitsmarktmöglichkeiten – nein die untergegangene DDR ist 20 Jahre nach der Wende ist daran schuld, das in den Betrieben – sprich in den Firmen die sich Westdeutsche unter dem Nagel gekrallt haben und nur eine Fassadenpolitik zur betrieblichen Gesundheit betreiben.

Einkommen 2008

Unterschiede 2008 bis auf weiteres

Ja sagt mal, sind die noch ganz dicht?
Man möchte diesen Autoren doch pausenlos in den Hintern treten für diese faustdicke Tatsachenverdrehung.
Ausgerechnet im Osten wo die Ossis nur noch die unteren Ebenen in den Firmen innehaben – weil sie ja eh nur Ossis sind – diese unteren Ebenen sind also an schlechter Betriebsgesundheit schuld? Und die obere Leitungsebene die zu 99% eh aus dem Westen kommt ist natürlich völlig unschuldig. Was für eine Frechheit. Die sind doch wohl völlig allergiegeschädigt! Nicht einmal 1% der Betriebe in Ostdeutschland sind heute in der Hand von Ostdeutschen. Denen gehört garnichts mehr, die sind lediglich Arbeiter in den untersten Ebenen.

Aber wir wollen ja nicht nur etwas behaupten, wir beweisen es sogar.

Die DDR betrieb eine Gesundheitspolitik der Vorsorge, dazu gehörte u.a. auch sowas Unwichtiges wie Erholung und Urlaubsreisen, Arbeitsplatzsicherheit, Urlaubstage, eine einigermaßen gerechte Bezahlung mit geringen Unterschieden zwischen Regionen oder Leitungs- und unteren Ebenen.
Zu dieser Gesundheitsvorsorge gehörten wie selbstverständlich auch Kulturangebote, Schulsport und Freizeitangebote an den Schulen und an Betrieben, Vorsorge wie Impfungen oder Fluorzusätze im Trinkwasser (sollte damals die Zahngesundheit erhöhen), eine kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, vom Transport über den Krankenhausaufenthalt bis zur Nachversorgung. Fazit die Gesundheit der Ostdeutschen war viel besser als der Ruf, dem ihn die Westpresse verpasst. Das gilt im großem und ganzem auch für die Gesundheitspolitik der Betriebe, die oft über eigene Betriebsärzte oder sogar Krankenstationen verfügte. Es gab fast in jedem Betrieb einen Arbeitsschutzverantwortlichen an dem man sich wenden konnte. Jeder Ossi hatte das Recht Beschwerde zu führen und sich der Arbeit zu verweigern wenn die Arbeitsschutzmaßnahmen nicht eingehalten wurden und der Arbeitsschutz gehörte grundsätzlich zur Ausbildung.
Paradisische Zustände von denen man im Westen träumen konnte. Und es sei auch darauf hingewiesen, das die alle den DDR-Arbeitsschutz überlebt haben, natürlich im Rahmen des damaligem Kentnisstandes.

Ist diese Behauptung wissenschaftlich beweisbar? Oh ja, sogar hochwissenschaftlich. Wenn sie dafür zahlen, können sie auch gern diese ganze Studie anfordern, die die Gesundheit von Ost- und Westdeutschen 1991 und 1992 genauestens verglichen hat.
Studie Allergensensibilisierung im Vergleich von Ost- & West unmittelbar nach der Wende in Englisch, „Increased prevalence of sensitization against aeroallergens in adults in West compared with East Germany“.

Wurde das veröffentlicht? Nein, jedenfalls nicht in deutscher Sprache.
Die Politik, Presse und Wissenschaft liess diese unangenehme Offenbarung unter dem Tisch fallen.

Ich erzähl hier also keinen Stuss! Was diese drei komischen Gestalten die sich als wissenschaftler ausgeben hier behaupten ist totaler Schwachsinn.

Dies ist nur ein Beispiel wie Wahrheit verdreht wird. Natürlich wusste man in den 70igern, 80igern und 90igern nicht das was man heute weiss. Man hat Fehler gemacht, aber die hat man im Westen auch gemacht und wie der Journalist Günter Wallraff eindrucksvoll über die Jahre demonstriert ist der Arbeitsschutz in vielen Westdeutschen Betrieben katastrophal. Und der Osten hat sich diesem Zustand in 20 Jahren nach der Wende nur angeglichen.
Das ist wirklich gesundheitsgefährdend & es ist made by Westdeutschen Unternehmern und Monopolisten.

Hier ein bisschen Literatur die diesen Quatsch ad absurdum führen:


Warum viele junge Ostdeutsche den Kapitalismus wieder loswerden wollen.

Und auch hier eine Studie junger Ostdeutscher die von 1987 bis 2010 begleitet wurden.
Zwei Jahrzehnte nach der deutscher Einheit ist die Generation der Mittdreißiger tief gespalten in Gewinner und Verlierer!

13 unerwünschte Reportagen
Neuausgabe: In Sachen Wallraff. Von den „Industriereportagen“ bis „Ganz unten“. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986.
Bei Wahlen macht ‚Bild‘ immer Politik für die Rechten aus: taz 21.11.2005
Ausgebeutet: Günter Wallraff als Niedriglöhner aus: DIE ZEIT magazin 01.05.2008
Notunterkunft für Obdachlose: „Ich will da nie wieder hin“, Frankfurter Allgemeine 2009

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Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Verleumnung des Ostens

  1. Reblogged this on Treue und Ehre.

    Verfasst von Runenkrieger11 | 13 Dezember, 2013, 11:03 pm
  2. Rat an alle Westdeutschen: wollt ihr was vom Osten lernen, dann lest auch Ostdeutsche! Wenn ihr was über Biologie wissen wollt, dann lasst ihr euch das ja auch nicht von einem Physiker erzählen.

    Verfasst von monopoli | 13 Januar, 2012, 4:44 pm

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