//
Poststraße
Ausgrenzung, Überwachung, Bürgerrechte, Behörden, Brandenburg, Gefahren, Gesundheitsgefahren, Kinder, Linke, Lobby, Ostdeutschland, Partei-Einheitsbrei, Sozialrechte

Der BRD-Kinderknast hat einen Namen: Haasenburg

Vom Umgang mit Schwererziehbaren Kindern in der BRD

In den letzen 25 Jahren wurde viel über die Versäumnisse der DDR geschrieben, um so bestürzter sind wir über Berichte wie man heute noch mit Kindern umgeht. Begrenzung nennt man diese Form der modernen Kinderfolter. Und das in mittem unserem kinderfreundlichem Land.
Beschämend was Wessis hier aufgezogen haben und was von der ach so christlichen CDU und der ach so kinderfreundlichen Import-Wessi FDP gestützt und beschützt wird. Genehmigungsbehörde ist das Landesjugendamt Brandenburg.

Die Erzählungen dieser Kinder klingen wie Gruselgeschichten. In den Berichten ehemaliger Insassen der Haasenburg GmbH mit Kinderheimen in Neuendorf, Jessern und Müncheberg ist Drill vorherrschend. Eine der Methoden in Einrichtungen dieses profitorientierten Trägers: Antiaggressionsmaßnahmen und körperliche Begrenzung.
Laut Haasenburg GmbH geht es dabei ausschließlich um Gefahrenabwehr. Dabei kommt es auch zu Verletzungen. Tatsächlich wird das Verfahren großzügig zu Bestrafung aufmüpfiger Kinder eingesetzt.

Sitz des Unternehmens ist Neuendorf am See (Gemeinde Unterspreewald) in Brandenburg. Geschäftsführer war bis zum 31. Oktober 2013 Mario Bavar. Einziger Gesellschafter des Unternehmens ist Christian Dietz. Als Vorsitzender der internen Kontrollkommission bis Dezember 2012 und Vertreter des Unternehmens nach außen fungierte der Hamburger Rechtsanwalt und SPD-Funktionär Dr. Christian Bernzen. Sein Bruder, Hinrich Bernzen, ist Pressesprecher der Haasenburg.

Das Unternehmen betreibt drei Standorte: Neuendorf am See seit 2002 mit 60 Plätzen, Jessern mit 30 Plätzen und Müncheberg mit 24 Plätzen. Die Einrichtungen bieten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine „intensivpädagogische Betreuung“. Das Mindestalter für die Aufnahme beträgt vier Jahre. Die untergebrachten Personen werden von Jugendämtern sämtlicher Bundesländer hierhin entsendet. Die Unterbringungssätze betragen zwischen 300 bis 500 Euro pro Tag.

Von den 114 Plätzen in den drei Heimen sind 56 für eine geschlossene Unterbringung vorgesehen. Mitte 2013 waren 75 Plätze belegt.

Was tun mit Kindern, die immer wieder klauen, prügeln und rauben? Einige haben schon 40 Straftaten auf dem Gewissen. Doch die Polizei muss sie immer wieder laufen lassen, weil sie noch nicht 14 und strafmündig sind. Weil ein 13-Jähriger, der auf der Straße einen Raub begeht, juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, bleibt dem Jugendamt oft nur Eines: die Unterbringung des Kindes in einem Heim, wo es mehrere Monate oder Jahre nach strengen Regeln lebt und Werte vermittelt bekommt und ein Leben ohne Straftaten überhaupt erst lernt. Diese Chancen lässt Berlin zum großen Teil ungenutzt, beklagt sich der Springer-Konzern.
Zuständig für die Heimunterbringung ist das jeweilige Jugendamt. Die Entscheidung erfolgt entweder im Einvernehmen mit der Familie oder auf Beschluss des Familiengerichts. Ein Betreuer und zwei Kinder Bei den Einrichtungen mit Namen wie „Haasenburg“, „Weidenhof“ oder „Insel“ handelt es sich unter anderem um abgelegene Bauernhöfe, die von freien Trägern betrieben werden. Sie liegen an abgelegenen Orten, die Abhauen unattraktiv machen. Der Tagesablauf ist streng geregelt, die Bewohner werden „verbindlich betreut“. Der aus NRW importierte SPD Ex-Polizeipräsident von Berlin Dieter Glietsch wundert sich, dass die Jugendämter nicht stärker das Angebot nutzen. Er befürwortet ein Konzept „Menschen statt Mauern“, bei dem sich Sozialarbeiter um straffällige Jugendliche kümmern. „Kriminelle Kinder oder Jugendliche aus ihrem Milieu raus zu nehmen und weit weg in die Wallachei zu schicken, ist sehr sinnvoll“, sagt etwa Peter Schulz, zuständiger Fachbereichsleiter in Mitte. „Dies sollte aber sehr gezielt geschehen. Es geht nicht darum, die Kinder einfach wegzuschließen, sondern ihnen einen pädagogischen Bezug zu geben.“
Laut Schulz liegen die Kosten pro Monat zwischen 3 000 und 5 000 Euro. Im „Problembezirk“ Neukölln sieht man es ähnlich: „Einen Jugendlichen oder ein Kind unterzubringen, überlegt man sich schon genau“, sagt Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne).

Die Frage ist, ob diese Leute eigentlich auch mal in den Heimen nachschauen was da eigendlich den Kindern angetan wird? Es gibt viele Mittel die pädagogisch hervorragend funktionieren, wenn man es denn auch wollte. So wäre z.b. die Arbeit mit Tieren in vielen Fällen wesendlich erfolgversprechender als Psychiater und Gruppentherapie. Aber solche Heimkonzepte gibt es in Deutschland nicht. Es sei denn die Eltern sind entsprechend begütert. Doch davon sind diese Kinder und Jugendlichen meilenweit entfernt.

Nun hat die Jugendministerin  Martina Münch (SPD) die Schliessung der Haasenburg-Kinderheime in Brandenburg angeordnet.

Zuvor war eine Untersuchungskommission zu erschreckenden Ergebnissen gekommen. Ministerin Münch sagte, der Umgang des Betreibers mit einem erheblichen Teil der dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen sei „hochproblematisch“. Die eingewiesenen Minderjährigen stünden unter einer „latenten Gefährdung durch jederzeit mögliche körperliche Zwangsmaßnahmen“.

Münch hatte bereits den Aufnahmestopp im Juli damit begründet, wegen der Fülle und Schwere der Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime sei es nicht zu verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen. In Haasenburg-Heimen wurden von den Jugendämtern Minderjährige unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen untergebracht.

In der Debatte um die Haasenburg-Heime haben die Landtagsfraktionen von CDU und FDP unter CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski vom Havellandkreis und der aus Hessen importierte FDP-Fraktionschef von Brandenburg Andreas Büttner den Rücktritt von Jugendministerin Münch (SPD) gefordert. Die Ministerin verweigere angeblich die Aufklärung der Vorwürfe und sei nicht bereit, die politische Verantwortung zu übernehmen, sagte CDU-Fraktionschef Dombrowski im Potsdamer Landtag. Und der FDP-Fuzzi fügt hinzu: „Der Umgang mit dem Thema Haasenburg ist eine weitere Fehlleistung der Ministerin. Ihr gezeigter mangelnder Aufklärungswille im Fall der Haasenburg-Heime ist der entscheidende Anlass, bei dem sie politische Verantwortung übernehmen und ihr Amt zur Verfügung stellen muss.“

Leider lässt sich der Aufklärungswille der CDU oder FDP garnicht feststellen. Leider können wir uns diese Gründe nur denken, denn die mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik ist bei CDU und FDP völlig unterentwickelt, denn sonst würden sie sich ja die Frage stellen, wie sie es trotz Ablehnung des Volkes ins Landesparlament geschafft haben.
Erstaunlich ist das der importierte West-FDP-Fuzzi der zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehört und aus dem wirtschaftlich desaströsesten Landkreis Brandenburgs kommt (Uckermark) eine derart unchristliche Haltung an den Tag legt. Und auch der Ex-Häftling Dieter Dombrowski hat offenbar vergessen, was es heisst wenn Unrecht zu Recht wird, wo er doch selbst ein schwer erziehbarer DDR-Bürger war.

Die in den Medien berichteten Vorfälle aus den Haasenburg-Heimen reichen bis auf das Jahr 2005 zurück. Das mehrmalige Fliehen von Jugendlichen und die Berichterstattung führten zu einer Diskussion in den Medien und in der Politik über die Verhältnisse und Methoden in diesem Unternehmen.

  • Im Juni 2005 kam es zu einem Todesfall in Neuendorf. Eine 15-jährige Insassin wurde erhängt an einer Schranktür gefunden.
  • Im Juni 2007 attackierte ein 17 Jahre alter Jugendlicher einen Betreuer mit einer Nagelschere. Das Landgericht Cottbus wies den Täter in die geschlossene Psychiatrie ein und kritisierte zugleich die Heimleitung: Man habe dem Jungen gestattet, Porno- und Horrorvideos zu konsumieren, Betreuer seien nur unzureichend ausgebildet gewesen und ein pädagogisches Konzept habe die Heimleitung bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht nicht nachweisen können.
  • Am 31. Mai 2008 kam ein 16-jähriges Mädchen im Heim in Jessern durch einen Sturz aus dem Dachgeschoss zu Tode. Nach einem Bericht im Mirror vom 4. August 2013 soll es sich von einem Erzieher sexuell bedrängt gefühlt haben. Das Mädchen hatte wenige Wochen vor seinem Tod eine Strafanzeige gegen diesen Erzieher erstattet; das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen war eingestellt worden. Im Juni 2013 wurden Ermittlungen wegen des Todesfalls eingeleitet, nachdem wiederholt Zeitungen über Missstände berichtet hatten.
  • Im Jahr 2009 wurde der Stadt Hamburg bekannt, dass Erzieher bei einer Jugendlichen Telefongespräche mitgehört, private Post gelesen und Kleidungsstücke weggeschlossen hatten.
  • Im Zeitraum 2009 bis 2010 sei es laut internen Protokollen des Heimes durch „Anti-Aggressions-Maßnahmen“ bzw. bei einer „Situation“ bei drei Mädchen zu Knochenfrakturen insbesondere der Arme gekommen, berichteten die Zeitungen am 19. Juni 2013; dem Landesjugendamt lag eine Beschwerde einer behandelnden Physiotherapeutin vom Juli 2010 vor. Die Fixierliegen wurden 2010 verboten.
  • Anfang 2012 stellte eine ehemalige Insassin (von 2006 bis 2008 in der Haasenburg) Anzeige wegen Körperverletzung gegen Mitarbeiter.Nachdem das Fernsehn über die problematischen Verhältnisse in den Heimen der Haasenburg berichtet hatte, erklärte Ministerin Martina Münch im Juli 2012, die erteilten Auflagen seien „in allen Fällen zeitnah“ erfüllt worden.
  • Im Dezember 2012 gab es von den 15 jugendlichen Insassen aus Hamburg insgesamt neun Beschwerden; diese wurden im Hamburger Senat thematisiert.
  • Im Juni 2013 berichtete ein ehemaliger Insasse gegenüber einer Hamburger Zeitung aus seinem mehrjährigem Aufenthalt von monatelanger Isolation, stundenlangem Fixieren von Armen und Beinen, totaler Unterordnung und permanentem Drill.
  • Am 2. Juli 2013 flohen drei Jugendliche aus dem Standort Neuendorf am See. Die Jugendlichen berichteten von Demütigungen und Misshandlungen. Der jüngste von ihnen berichtete, er sei gezwungen worden, in eine Mülltonne zu steigen. Ein Junge aus Hamburg und ein Junge aus Saarbrücken wurden nach Neuendorf zurückgebracht; der dritte Junge wurde anderweitig untergebracht.

Die Sicherheit der Kinder stand angeblich auch im Vordergrund, als sie bis Oktober 2009 auf Fixierliegen festgeschnallt wurden. Ein Junge wendet sich wegen einer solchen Fixierung an die Staatsanwaltschaft Cottbus, die daraufhin Ermittlungen einleitet. Über die Durchsuchung von 50 Polizisten und vier Staatsanwälten war die Firma denn auch „sehr froh“. Die Behörden haben sich „ein umfängliches Bild vor Ort“ machen können, heißt es auf der Webseite. Offensichtlich weniger froh war das 15-jährige Mädchen, das sich 2005 in einem Heim des Betreibers in Neuendorf erhängte. Ein anderes Kind verunglückte 2008 tödlich. Die Staatsanwaltschaft Cottbus überprüft diesen Fall nun noch einmal. Mittlerweile fordert selbst die Linke als Regierungspartei in Brandenburg die sofortige Schließung.

Trotz allem hält Brandenburgs CDU und FDP an dieser Firma fest, die zum Teil Tagessätze von über 300 Euro pro Kind vom Staat kassiert.

Das Ministerium reagiert damit auf die Ergebnisse, die eine von Münch eingesetzte Untersuchungskommission zutage gefördert hatte. Laut dem Bericht stellten die Experten schwere Missstände in den Heimen fest: Es gebe erheblichen Reformbedarf in nahezu allen Bereichen, hieß es. „Ich halte die Einrichtungen der Haasenburg GmbH deshalb für nicht reformierbar“, sagte Münch. Nach gründlicher Prüfung gebe es „keine Alternative zu einer Schließung“.

Die Kommission einen „Wechsel der Trägerschaft“, ein „Ausscheiden aller Führungskräfte, die länger als vier Jahre in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH beschäftigt sind“, eine „dauerhafte Stilllegung der Einrichtung in Jessern“ sowie eine „rechtliche Prüfung, ob wegen des Verstoßes gegen Auflagen des Landesjugendamtes die Betriebserlaubnis für Einrichtungen zurückgenommen werden muss“.

In ihrem Bericht fordern die Experten zudem ein Verbot sogenannter Anti-Aggressions-Maßnahmen „und anderer körperlichen Zwangsmaßnahmen“. Es gebe Hinweise „auf die Verletzung von Grundrechten“ in den Heimen.

Der Untersuchungsbericht bescheinigt den Jugendämtern und dem Jugendministerium Versagen bei der Kontrolle der Heime. Die Behörden hätten nach ersten Berichten bereits früher und konsequenter gegen den Betreiber vorgehen können. Münch stellte eine Reform der Heimaufsicht in Aussicht.

Für die Aufsicht von über 400 Einrichtungen sind nur drei Menschen im Landesjugendamt Brandenburg verantwortlich. Und tatsächlich gab es seit 2010 lediglich eine einzige unangekündigte Prüfung in der  Haasenburg GmbH. Das Amt möchte den Kindern solche Untersuchungen ersparen, hieß es im Juni. Diese Prüfung, die dem Schutz der Kinder dienen sollte, wird als „unangemeldetes Eindringen Fremder“ bewertet, das „auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben“ sollte.

In einem internen Protokoll der Haasenburg GmbH heißt es am 6. Januar 2006: „Landesjungendamt kommt in den nächsten Tagen vorbei (alle AA-Maßnahmenprotokolle auf Korrektheit überprüfen)“. „AA“ bedeutet: Antiaggression. Die Firma konnte sich entspannt vorbereiten. Entging der Heimaufsicht deshalb zwölf Jahre lang, was inzwischen rund 20 Kinder berichteten und interne Protokolle und Ex-Mitarbeiter bestätigen?

Eine Zuständige weiß seit Jahren von Missständen. Schon 2006 erreicht das Landesjugendamt ein Beschwerdebrief, datiert auf den 16. Mai. Darin erläutert ein ehemaliger Mitarbeiter auf vier Seiten Haarsträubendes über die Haasenburg GmbH. Die Frau, an die das Dokument geschickt wird, heißt Anita Stöhr und ist auch heute zuständig für den „Schutz von Kindern und Jugendlichen in Heimen“.

Von katastrophalem Personalnotstand ist im Beschwerdebrief die Rede. Der Mann schrieb nicht nur an das Amt, er hakte später noch zweimal nach und telefonierte mit der Sachbearbeiterin. Das werde bearbeitet, habe Stöhr versprochen.

In seinem Brief schreibt der Ex-Mitarbeiter über Kinder, die neu in die Haasenburg GmbH kämen: Das Motto der ersten Tage sei „totale Unterwerfung“.

Auch ein internes Dokument aus einem sogenannten Neuaufnahmeordner lag vor. In diesem Ordner ist auch von „totaler Unterordnung“ die Rede. Auf Nachfrage schreibt die Haasenburg GmbH: Der ,Neuaufnahmeordner‘ ist weder in dieser noch in einer anderen Form in der Haasenburg gebräuchlich.“ Das Landesjugendamt schrieb auf Nachfrage zur „totalen Unterordnung“: „Der uns bekannte Neuaufnahmeordner enthält diese Passagen nicht. Es habe aufgrund der Beschwerde eine Prüfung gegeben, aber keine Hinweise für eine ,totale Unterwerfung‘ gefunden“.

In seinem Brief beklagt der Mitarbeiter schon 2006 die Personalfluktuation: „Die fehlenden qualifizierten Kräfte werden durch sogenannte Pädagogische Stützkräfte ersetzt, also Quereinsteiger und fachfremde Arbeitnehmer“. Das Landesjugendamt unternimmt wohl nicht besonders viel. Denn 2012 folgt eine Parlamentsanfrage zur Personalsituation in der Haasenburg GmbH, weil in einem ZDF-Beitrag kritisch darüber berichtet wurde. Das Bildungsministerium muss einräumen, dass es „vier sozialpädagogische Fachkräfte weniger als in der Betriebserlaubnis festgelegt“ gegeben habe. Weiter heißt es: „Darüber hinaus hatte das Landesjugendamt bis zum Zeitpunkt des Fernsehbeitrags keine Informationen über eine unzureichende Personalausstattung.“ Tatsächlich moniert der Mann in seinem Beschwerdebrief schon 2006 die Personalausstattung: „Jeder Toilettengang von mir war eine eklatante Verletzung der Aufsichtspflicht.“ Offenbar hat das Bildungsministerium das Parlament falsch informiert.

Anstatt 2006 noch strenger zu prüfen, durfte die Haasenburg GmbH weiter auf angekündigte Besuche des Landesjugendamts hoffen. In einem Protokoll der Firma vom November 2008 steht: „Frau H. und Frau L. räumen Büros auf wegen Montag, wenn Landesjugendamt kommt.“

Rechtsanwältin Ellen Ernst kämpft für die Opfer

Am 11. Mai 2009 wendet sich schließlich auch eine Rechtsanwältin an die brandenburgische Heimaufsicht. Ellen Ernst betreute zu dieser Zeit ein Mündel, das in der Haasenburg GmbH in der Niederlassung Müncheberg interniert war. Sie schreibt, dass ihr bei einem Besuch Dinge aufgefallen seien, die sie „beunruhigen“. Sie schreibt, wie ihr Mündel die „körperliche Gewalt“ beklage. „Das wirkte doch sehr wie reiner Drill.“ Sie berichtet, dass ihr Mündel „Sport in Form von Liegestützen verordnet“ bekäme. Sie erhält Wochen später einen Brief von Detlef Daubitz vom Landesjugendamt. Er und „Frau Stöhr“ hätten am 18. Juni eine Prüfung in der Haasenburg GmbH durchgeführt. Der Träger sei „beauftragt“, zu den Problemen „schriftlich Stellung zu beziehen“. Die Rechtsanwältin ist empört, dass sich die Heimaufsicht so lange Zeit lässt. „Jeder Tag, der vergeht und an dem Kinder in ihrer Würde verletzt werden, ist ein Tag zu viel.“ Die Auskünfte des Landesjugendamts seien „völlig unzureichend“. Sie fragt nach den körperlichen Begrenzungen seitens der Haasenburg GmbH: „von wem sie überprüft werden und wer sie genehmigt“. Das Landesjugendamt verspricht, in einen „umfassenden fachlichen Dialog“ mit der Haasenburg GmbH zu treten. In einem Bericht an das Frankfurter Jugendamt beklagt die Haasenburg GmbH im September 2009, dass Anwältin Ernst „durch die erschwerte Zusammenarbeit“ die Tätigkeit des Heims behindere. Auch sei es nicht günstig, wenn das Mädchen „jederzeit mit ihr telefonieren kann“.

Ellen Ernst schreibt im Dezember 2009 erneut an Daubitz vom Landesjugendamt. Wieder geht es um die Begrenzungen: „Es handelt sich um massive Eingriffe in die körperliche Integrität.“ Sie kritisiert eine Antiaggressionsmaßnahme, bei der das Kind auch an den Beinen festgehalten worden sei. „Dass dies alles 80 Minuten gedauert hat, macht die Sache nicht besser.“ Es ist der Anwältin daran „gelegen, dass eine solche Einrichtung nach rechtstaatlichen Grundsätzen betrieben wird“. Ernst gelingt es später, das Mädchen aus der Haasenburg GmbH zu holen. Es habe nach der Beschwerde weitere Auflagen gegeben, schreibt das Bildungsministerium.

Ein Haasenburg-Mitarbeiter beklagt beim Landesjugendamt „erhebliche Missstände“. Er bittet um Vertraulichkeit – und verliert seinen Job.

Es gab aber weitere Klagen. Am 2. November 2010 erreicht Detlef Daubitz um 10.24 Uhr eine anonyme Mail. Ein ehemaliger Haasenburg-Mitarbeiter beklagt „erhebliche Mißstände“. In der Betreffzeile steht: „Kindeswohlgefährdung“. Der Mann, der auspacken will, hat Angst. Er arbeitet noch in der Firma: „Ich benötige unbedingt ein Ansprechpartner, dem ich zu 100 % vertrauen kann.“ 50 Minuten später antwortet Daubitz: „Natürlich sichere ich Ihnen Vertraulichkeit zu.“ Daraufhin nennt der Mitarbeiter seinen Namen und beklagt in einer zweiseitigen Mail den Umgang mit den Kindern, warnt gar: „Immer mehr Jugendliche äußern suizidale Absichten.“

Daubitz antwortet am 9. November 2010: „Aus unserem Bereich würde ich Frau Stöhr, die zuständige Sachbearbeiterin, hinzuziehen.“ Der Mitarbeiter ist verunsichert, „da ich erfahren habe, dass Frau Stöhr einige Beschwerden wohl schon hatte“. Er vertraut der Sachbearbeiterin zunächst nicht, lässt sich jedoch von Daubitz überzeugen.

Am 13. Dezember 2010 schreibt er wieder eine Mail an Daubitz. Darin beklagt er den Druck auf kritische Kollegen. „Solch eine Handlungsstrategie verängstigt die Mitarbeiter und macht viele wütend. Wer hat dann noch Mut, gegen solche Zustände sich zu wehren“, fragt er. Daubitz antwortet drei Tage später. Die Situation sei „so gravierend, dass ich nach Absprache mit der Leitung eine weitere anonyme Bearbeitung nicht gewährleisten kann“.

Im weiteren Verlauf erfährt die Haasenburg GmbH von der Identität des Mannes. Am 3. Januar 2011 schreibt Geschäftsführer Mario Bavar: „In Ausübung meines Weisungsrechts als Arbeitgeber fordere ich Sie auf, am 05. 01., 15.00 Uhr im Landesjugendamt Brandenburg bei Frau Stöhr vorstellig zu werden.“

Es kommt zu dem Treffen. Einen Tag später, am 6. Januar, schreibt Mario Bavar wieder einen Brief. Darin heißt es: „hiermit kündigen wir das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis außerordentlich und fristlos, hilfsweise ordentlich, wegen ihrer Anzeigen ggü. dem Landesjugendamt Brandenburg“.

Die Beschwerde des Mannes habe, so das Bildungsministerium, zu weiteren Auflagen geführt.

Versagen bei der Kontrolle der Heime

Die Untersuchungskommission kritisiert das rigide pädagogische Konzept der Einrichtungen, die Erziehungsmethoden und die Personalausstattung. So seien bis 2013 teilweise weniger pädagogische Mitarbeiter eingesetzt gewesen als in der Betriebserlaubnis vorgesehen.

Der Untersuchungsbericht bescheinigt den Jugendämtern und dem Jugendministerium Versagen bei der Kontrolle der Heime. Die Behörden hätten nach ersten Berichten bereits früher und konsequenter gegen den Betreiber vorgehen können. Münch stellte eine Reform der Heimaufsicht in Aussicht.

Bereits seit längerem gibt es schwerwiegende Vorwürfe wegen Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in den Heimen. Mehrere Ausreißer berichteten von Demütigungen und körperlicher Gewalt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen.

Ministerin Münch sagte, der Umgang des Betreibers mit einem erheblichen Teil der dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen sei „hochproblematisch“. Die eingewiesenen Minderjährigen stünden unter einer „latenten Gefährdung durch jederzeit mögliche körperliche Zwangsmaßnahmen“.

Münch hatte bereits den Aufnahmestopp im Juli damit begründet, wegen der Fülle und Schwere der Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime sei es nicht zu verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen. In Haasenburg-Heimen wurden von den Jugendämtern Minderjährige unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen untergebracht.

In einer Stellungnahme auf der Website der Haasenburg GmbH heißt es, man begrüße die Fertigstellung des Berichts der Untersuchungskommission. Das Unternehmen bedaure jedoch, den Text noch nicht zur Einsicht bekommen zu haben. „Es ist uns daher nicht möglich, zum Inhalt im Allgemeinen oder zu Details zum jetzigen Zeitpunkt Stellung zu nehmen.“

Der Linke-Landtagsabgeordnete Torsten Krause „Ich bin beschämt, betroffen und bestürzt“

Der Linke-Landtagsabgeordnete Torsten Krause, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Jugend, hielt im Landtag am 20. November diese Rede zu den Vorgängen in den Haasenburg-Heimen. Sie wurde auch aus der Opposition als außergewöhnlich bezeichnet.

„Spätestens seit dem 15. Juni 2013 ist jedem aufmerksamen Brandenburger die Haasenburg GmbH ein Begriff. An jenem Tag berichtet die Berliner Tageszeitung unter der Überschrift „Die Firma am Waldrand“ über unzulässige Praktiken des pädagogischen Personals gegenüber Kindern und Jugendlichen. Seitdem gab es Dutzende Zeitungsartikel und andere Medienberichte, in denen Kinder über ihre verletzenden Erlebnisse berichtet haben. Rund 70 Verfahren werden bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Cottbus dazu bearbeitet. Übereinstimmend berichten die jungen Menschen von Erniedrigungen, von Isolation in karg eingerichteten Zimmern, von Verweigerung des Toilettengangs sowie üblicher Hygienemaßnahmen, von der Missachtung des Postgeheimnisses ebenso wie vom Mithören von Telefonaten; sie beschreiben Erfahrungen körperlicher Gewalt, kritisieren die Missachtung ihres Schamgefühls sowie ihrer Privatsphäre und schildern die Verabreichung von Medikamenten gegen ihren Willen. Viele Schicksale wurden öffentlich dokumentiert. Renzo Rafael Martinez berichtet von mehreren Suizidversuchen aufgrund seiner Erfahrungen; Swenja gab an, eine rektale Leibesvisitation sowie Isolierung erlebt zu haben; Jan sagt, er wurde drei Tage ununterbrochen auf einer Liege fixiert; Julia berichtet, sie habe monatelang ohne Kontakt zu anderen Kindern gelebt, ihr Zimmer war zumindest in den ersten drei Monaten nur mit einer Matratze versehen; Susanne beschreibt Erfahrung körperlicher Gewalt, monatelange Isolierung, die Verweigerung medizinischer Versorgung; Lena wurde zum steten Tragen von Sturzhelm, Knie- und Ellenbogenschonern zu ihrem eigenen Schutz genötigt, dennoch verstirbt sie am 31. Mai 2008 in der Einrichtung nach einem Sturz aus dem Fenster; wenige Wochen zuvor hatte sie Strafanzeige gegen einen Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. Die Vorwürfe reichen Jahre zurück, aber sie beziehen sich eben nicht nur auf die Vergangenheit. So berichtet Harkan, erst im Juli 2013 aus einer der Einrichtungen entlassen, von einer sechswöchigen Isolierung auf dem Zimmer, dem Verbot, aus dem Fenster zu schauen, der Verweigerung des Toilettengangs, von Provokation durch das Personal und von lediglich fünf Minuten am Tag an der frischen Luft. In der Retrospektive ist es gut, den Untersuchungsbericht zu haben. Dennoch empfinde ich es als sehr schwierig, dass den Kindern und Jugendlichen, die ihre Beschwerden bereits seit Monaten äußern, nicht ausreichend Glauben geschenkt wurde. Hätten Kinder aus vermeintlich normalen Familien nur einen solcher Vorwürfe gegen ihre Eltern erhoben, wären sie von der Polizei oder dem Jugendamt in Obhut genommen worden. Anschließend wäre man den Aussagen nachgegangen. Auf jeden Fall hätte an erster Stelle die Sicherung des vermeintlich gefährdeten Kindeswohls gestanden. Im Fall der Haasenburg-Kinder wurde dies unterlassen. Die Fachabteilung und die zuständige Ministerin entschieden sich, erst zu prüfen und dann zu handeln. Dies führte zu einer nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung der Kinder und Jugendlichen, die in der Haasenburg GmbH betreut werden. Diese Entscheidung war falsch. Am 9. Juli 2013 verhängte die Ministerin einen vorläufigen Belegungsstopp sowie Beschäftigungsverbote. Damit schlug sie einen anderen Weg ein, als von unserer Fraktion und von Oppositionsfraktionen gefordert wurde. Die Linke plädiert von Anfang an für eine Schließung der Heime.

Statt Kontrolle wurde über Jahre versucht, den Träger mittels Beratung davon zu überzeugen, dass Menschen-, Kinder- und Grundrechte einzuhalten seien. Vor 24 Jahren tagte in New York die Vollversammlung der Vereinten Nationen. Am 20. November 1989 wurde die Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet. Gegen zahlreiche Bestimmungen der Konvention wurde in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH verstoßen. Die zuständige Aufsicht wollte oder konnte dies nicht zur Kenntnis nehmen.
Niemals hätte ich geglaubt, dass solche Zustände in Einrichtungen unter Kontrolle unseres Bundeslandes möglich wären. Ich bin beschämt, betroffen und bestürzt, dass in unserem Bundesland in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH über Jahre hinweg Kinder und Jugendliche erniedrigt, verletzt und eingesperrt wurden. Ich bin empört, dass bisher niemand, der Verantwortung für diese Situation trägt, die Kraft aufgebracht hat, sich bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen für dieses Unrecht zu entschuldigen. Wir können heute noch nicht mit Gewissheit sagen, wer dafür Verantwortung übernehmen muss und welche Veränderungen in Abläufen und Strukturen vonnöten sein werden. Klar ist bisher nur, dass es so wie bisher nicht bleiben kann.“

Um die Fortexistenz der Haasenburg-Heime in Brandenburg droht nun eine erbitterte Auseinandersetzung vor den Gerichten. Jugendämter aus der ganzen Bundesrepublik holen bereits Kinder aus den Heimen zurück, in denen Kinder gequält worden sein sollen.

Derzeit befinden sich in den Haasenburg-Heimen in Müncheberg und Neuendorf noch 37 Kinder und Jugendliche, davon zwei aus Brandenburg, 35 aus vierzehn Bundesländern, vom Saarland bis Schleswig-Holstein. Der einzige Berliner ist ebenfalls schon zurückgeholt.

Doch Jugendämter aus der ganzen Bundesrepublik, die bislang schwer erziehbare, kriminell auffällige Kinder und Jugendliche in brandenburgische Haasenburg-Heime geschickt haben, beginnen mit dem Rückzug ihrer Schützlinge.

So wird etwa das Jugendamt der Stadt Neuwied, unweit von Koblenz in Rheinland-Pfalz, zwei Jugendliche zurückholen, bestätigte Wolfgang Hartmann, Leiter des Amtes für Jugend und Soziales, am Montag. Auch Hamburg will nach eigenen Angaben für zwei Jugendliche „so schnell wie möglich“ ein anderes Heim finden. Und das Jugendamt Helmstedt, das derzeit noch ein 15-jähriges Mädchen in der Haasenburg untergebracht hat, hofft in Abstimmung mit Brandenburgs Landesjugendamt nach einer anderen Lösung, möglichst in Brandenburg.

„Was sollen wir machen, wenn wir keine Jugendlichen mehr zu betreuen haben?“, fragt Hinrich Bernzen. „Da braucht man irgendwann auch keine Betreuer mehr.“ Bernzen ist Sprecher der Haasenburg GmbH. Auch der langjährige Geschäftsführer Mario Bavar hat das Unternehmen verlassen. „Wir haben Herrn Bavar nicht entlassen, sondern uns einvernehmlich getrennt“, so Bernzen. Es ist wie immer, die Ratten verlassen das sinkende Schiffe.

Empfehlungen:
Tabuthema Kinderarbeit und dumme Schulen
Und Leonie Wichmann und ihr Kampf gegen Willkür von Jugendämtern
Advertisements

Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Was sagst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archiv

NATO verlangt 2% des Haushaltes
für das Militär auszugeben,

das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
Militär-Etat USA 2015: 1839,53$
Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

Blog Stats

  • 747,669 hits
Follow monopoli on WordPress.com

Deutschland

Deutschland-DNA

Deutschland-DNA

RSS Pravdatvcom

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Lausitzer KlimaCamp

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.
%d Bloggern gefällt das: