//
Poststraße
Amerika, Euromarkt, Europa, Geld, Lobby

USA verbietet Bankenrun – dürfen wir eigentlich noch unser Geld abheben?

Die Änderung der Geldmarktfonds-Regeln gemäß Regierung ist wohl der letzte Sargnagel für diese sichere und jederzeit liquide Anlageklasse ist! Allerdings sind wir nicht sicher, ob die Maßnahme den gewünschten Effekt haben wird oder die neuen Anleihenblasen befeuern werden.
Es ist daher durchaus ratsam, ihr Geld in so „greifbare“ und schnell liquidierbare Dinge umzumünzen wie Bargeld unter der Matraze oder eben Gold und Silber!

Es ist wohl ein revolutionärer Vorgang, wenn die beiden ersten Versprechen „höchste Liquidität, jederzeitige Verfügbarkeit“ gemäß Gesetzesplänen der US-Regierung und der SEC demnächst formal und „legal“ abgeschafft werden.
Dies selbstredend wie immer unter aktiver Ignoranz der Mainstream-Medien …
Um was geht es? Geldmarktfonds sind neben Staatsanleihen die direkte Konkurrenz zu Gold und Silber.
Wir sprechen also von den Dollars, die Millionen von Kleindepotbesitzern, Lebensversicherten und Pensionsfonds-Berechtigten gehören.

Gesetzespläne der US-Regierung

Es geht also um die unfassbare neue Regelung der SEC, US-Geldmarktfonds-Anlegern unter bestimmten Umständen ihr gesetzliches Recht auf jederzeitige Liquidierung -also die Einlösung ihrer Fondsanteile gegen Cash(Bargeld)- zu nehmen!

Damit erklären die SEC und die US-Regierung nichts weniger als die Illegalität von Geldabhebungen, denn die Auflösung der aktuell 3.300 Mrd. Dollar schweren US Money Market Fondskonten wäre eine Voraussetzung für höhere Cash-Abhebungen durch Kunden.
Die Begriffe „jederzeitige Liquidierbarkeit“ und „Sicherheit“ sind für Geldmarktfonds-Anleger ab sofort höchst relativ: Sie kommen im Falle eines auch nur ansatzweise sich entwickelnden elektronischer Bankruns gesetzlich „legitimiert“ nicht mehr an ihr Geld!

Zur Erinnerung: Ein solcher Bankrun war im September 2008 bereits in vollem Gange – man höre dazu dieses eindrückliche Statement des US-Abgeordneten Kanjorski:

„Wir hatten an diesem Tag einen elektronischen Run auf die Bank. … 550 Mrd. Dollar wurden in einer Stunde aus Geldmarktkonten abgezogen! Das US-Schatzamt schätzte damals, dass bis 14 Uhr 5500 Mrd. Dollar aus den Geldmarktfonds abgezogen worden wären … Innerhalb von 24 Stunden wäre die Weltwirtschaft kollabiert und es wäre das Ende unseres Wirtschafts- und Finanzsystems gewesen!“

=> Und nun wurde also 2010 per SEC-Dekret verfügt werden, dass solche Bank Runs künftig illegal sind und daher durch die „gesetzlich-legale“ Schließung der Geldmärkte ausgeschlossen werden sollen.

Und das, obwohl sich doch diese Krise auf Basis der seit 2008 getroffenen Regulierungs-Maßnahmen „nie mehr wiederholen kann“ und wir doch längst wieder im Boom leben… Honi soit qui mal y pense…

Der nun folgende Teil dieses Blogeintrags ist ein schamloses Plagiat.
Leider wollten oder konnten die deutschen Mainstream-Medien die Brisanz dieser Veränderung auch Monate nach der Veröffentlichungen durch den investigativen US-Journalisten Geoffrey Batt noch immer nicht erkennen.

PS: Im Originalartikel finden Sie noch viele interessante Details – auch zur Urheberschaft der vorgeschlagenen Regulierungs-Änderungen. Dinge geschehen nicht zufällig. Und auch nicht „unpersönlich“. Es sind immer interessierte Parteien mit interessierten natürlichen Personen im Spiel. In diesem Fall liegt die Urheberschaft bei der „Group of 30“. Lesen Sie bitte im Originalartikel, woher offenbar die SEC und die US-Regierung ihre Anweisungen bekommen…

****************************
An dieser Stelle fein durchaus lesenswerter Exkurs zur Rolle eines „privaten“ Thinktanks „Group of 30“, der volle 6 Monate vor der Veröffentlichung der Regierungs- und SEC-Pläne zu Geldmarktfonds diese schon sinngemäß und in Teilen fast wörtlich vorweggenommen hat. So heißt es zB hier (S. 9) : „Those institutions remaining as money market mutual funds should only offer a conservative investment option with modest upside potential at relatively low risk … with no explicit or implicit assurances to investors that funds can be withdrawn on demand at a stable NAV“

=> Wir stellen fest: Diese „private“ Männer-CEO-Runde mit so illustren Denkern wie Mario Draghi (Banca d´Italia & EZB ), Paul Volcker, Jean-Claude Trichet (EZB ), Zhou Xiachuan (People´s Bank of China), Yutaka Yamaguchi (BoJ), William Rhodes (Citibank), Jacob Frenkel (AIG), Ernest Stern (JPM), Gerald Corrigan (Goldman Sachs), usw. usw. formulierte bereits 6 Monate vor der US-Regierung genau jene Gesetze, die nun die Revolution des Geldmarkts herbeiführen werden.

Da war es aus „Group of 30“-Sicht sicher nützlich, mit dem US-Finanzminister Tim Geithner gleich den entsprechenden Exekutor mit am Tisch sitzen zu haben. Und natürlich auch die „wissenschaftlichen“ Claqueure und „Vordenker“ wie Martin Feldstein & Kenneth Rogoff (Harvard) sowie die unvermeidlichen Paul Krugman & Lawrence Summers. Ein deutscher Banker darf hier übrigens nicht mitreden – nicht einmal der DeutschBank-Schweizer Ackermann. Dafür ist jedoch die Schweiz mit SNB-Chef Philipp Hildebrand in diesem internationalistischen Gremium ausreichend vertreten und „incentiviert“…

Ab hier sehr freie Übersetzung des Artikels von Geoffrey Batt: „This is your Government: Your Legal Right to redeem your Money Market Account has been denied“

Ihre Regierung verwehrt Ihnen die Auflösung Ihres Geldmarkt-Kontos

… 2008 war der „elektronische Run auf die Bank“ über die Geldmarktfonds die moderne Form zum Bankrun während der Großen Depression 1929. Hätte der Vertrauensschwund ins System im September 2008 auch nur einige wenige Stunden länger angehalten, wäre das gesamte Weltfinanzsystem durch die elektronischen Abhebungen zusammengebrochen.
Ironischerweise sollten eben die Geldmarktfonds eigentlich das Bollwerk der Sicherheit inmitten des Meeres anderer globaler Anlagealternativen sein.

… Der Hauptzweck einer Geldmarktanlage sollte der kurzfristige Zugang zu risikofreien Anlagen sein. Der typische Geldmarktanleger sucht minimales Risiko, keine Volatilität seiner Anlage und sofortige Liquidierbarkeit . Auf diesen drei konstitutiven Säulen ruht der gesamte 3.300 Mrd. Dollar schwere US-Geldmarkt.

Eine dieser Säulen soll durch eine neu vorgeschlagene Regulierung der US-Regierung und der chronisch inkompetenten SEC nun aus dem Fundament des Geldmarkts gesprengt werden, indem die einschlägige Marktregel „2a-7“ verändert werden soll:
Der schlichte aber fundamental brisante Änderungsvorschlag besagt, dass Geldmarktfonds-Manager künftig die Option haben sollen, „Auszahlungen auszusetzen, um eine geordnete Veräußerung von Fondsvermögen zu gewährleisten“.
Ja, Sie lesen richtig: diese neue Regelung bezieht sich NICHT auf Hedge Fonds, sondern auf die Anlageklasse „Geldmarktfonds“, die bislang als die sicherste und liquideste angesehen wurde!

Wenn Sie also beim nächsten Marktcrash versuchen, bei der Bank Ihres Vertrauens Ihr „absolut sicher“ in Geldmarktfonds angelegtes Kapital abzuheben, wird Ihnen ein Angestellter freundlich mitteilen:
„Sorry, Ihr Geld wurde eingefroren. Der Bankenrun ist illegal geworden“.

GENAU das bedeutet die hier von der Regierung vorgeschlagene neue Regel. Im Prinzip ist damit der gesamte US Kapitalmarkt ein einziger riesiger Hedge Fund, in dem selbst Ihr sicherstes Investment Ihrer Kontrolle entzogen werden kann, sobald die (allgegenwärtigen) „außerordentlichen Umstände“ eintreten. Sie werden genau in der Sekunde eintreten, in der das aktuell stattfindende Marktstützungsspiel endet und in der auch die Geldmärkte als die „Ponzi Investments“ entlarvt werden, die sie nun einmal sind. Und damit genau in der Sekunde, in der Sie entscheiden, Ihr Geld abzuziehen… Well – Sie werden genau dann Pech haben. So sagt es das Gesetz!

Im September/Oktober 2008 konnten nur die Garantieerklärungen der Fed [und in Deutschland die Kontengarantien durch Kanzlerin Merkel vom 5.Oktober 2008] sowie die nachfolgenden Gelddruckmaßnahmen („quantitative easing“) und die Billionen-schweren Rettungen der „systemrelevanten“ Banken eine Rückkehr der Finanznormalität erzwingen.
Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis diese temporären Notfallmaßnahmen als solche entlarvt und damit ihren Dienst versagen werden; und ein neuer, „verbesserter“ elektronischer Bankrun auftreten wird! Es ist EXAKT dieser Fall, auf den sich die Regierung und die SEC „vorbereiten“, indem sie Geldmarktfonds-Managern künftig das Aussetzen von Auszahlungen erlauben.

Geldmarktfonds werden von den Systemträgern und Banken schon lange [über Niedrigstverzinsung] massiv benachteiligt. Was sind sie schließlich anderes als eine Möglichkeit für Anleger, NICHT in Aktien oder Anleihen zu investieren, sondern in „Papier“, das alle Eigenschaften von Bargeld hat [bzw. ab sofort dann mangels der wegregulierten sofortigen Verfügbarkeit nicht mehr.

Nachdem die Geldmarktfonds-Mittel fast 40% der Gesamtvolumen aller mutual funds umfassen und damit Zweiter nur knapp hinter den Aktienfonds sind, versteht man schnell, warum die Regierung alles tut, um sie unattraktiv zu machen: schließlich muss die nächste Aktienblase kreiert werden, die Staats-Anleihen müssen verkauft werden.

Alleine der Satz „… ohne explizite Garantie für Investoren, dass Gelder jederzeit nahe pari abgehoben werden können“ sollte genügen, um die Haare jedes eingefleischten Geldmarkt-Fans ergrauen zu lassen!
Aber die SEC treibt die Regulierung dieser „sichersten“ Anlageklasse noch einen Schritt weiter:

Es wird künftig nicht nur keine explizite Garantie für eine volle Geldauszahlung geben.
Nein – der Stop von Auszahlungen würde im Fall von „außerordentlichen Umständen“ sogar gesetzlich legitimiert!

Angesichts dessen ist es wohl zu erwarten das auch im EU Parlament ähnliches diskutiert oder gar schon mehr oder weniger heimlich legitimiert wird/wurde.
Die Frage ist also nicht, ob wir noch Geld abheben können, sondern seit wann wir es nicht mehr können?

Über monopoli

Nobody rules us but we ourselves.

Diskussionen

5 Gedanken zu “USA verbietet Bankenrun – dürfen wir eigentlich noch unser Geld abheben?

  1. Es reicht eine ganz kleine Änderung aus: Der Bürger bleibt Eigentümer des Geldes auf seinem Girokonto.

    Derzeit ist es doch so, daß das Geld auf dem Girokonto im Eigentum der Bank steht und der Bürger nur einen Anspruch auf Auszahlung gegen die Bank hat. Damit kann die Bank dieses Geld eigentlich bilanziell wie Eigenkapital werten und dagegen steht die Forderung des Bürgers.

    Derzeit ist bei einer Insolvenz der Bank das Geld auf dem Girokonto „futsch“ und der Girokonto-Inhaber hat in Höhe seines Guthabens einen Anspruch gegen die Insolvenzmasse der Bank. Und damit es bei einer Bankenpleite keinen Volksaufstand gibt (zuletzt Hertie-Bank, usw), wurden die verschiedenen Sicherungssysteme für einen Grundbetrag des Bürgers eingerichtet.

    Wenn jedoch das Geld auf dem Girokonto im Eigentum des Bürgers bleiben würde, die Bank nur dessen Verwalter ist, dann würde auch im Falle der Insolvenz der Bank dieses Geld dem Bürgre zu 100% zur Verfügung stehen.

    Doch diese Vorgehensweise ist nicht im Interesse des internationalen Finanzkapitals (und der von denen beauftragten Regierungen in Deutschland, in Europa und in der Welt), weil dann erhebliche Summen an „Spielgeld“ entzogen werden würden.

    Verfasst von Gehilfe-fürs-delikate | 16 Juni, 2013, 12:08 pm
    • Ich sehe du denkst mit. Aber Vorschläge gäbe es genug.
      Du sagst es bereits selbst, es ist nicht im Interesse des internationalen Finanzkapitals und ihrer Marionettenregierungen.

      Daher müssen wir diesem System unser Geld entziehen und die Verwaltung selbst wieder in die Hand nehmen.
      Solang wir einem anderen die Kontrolle unseres Geldes gestatten wird es immer einen geben, der diese Macht missbraucht.
      Also müssen wir erstmal diese Macht beenden, indem wir ihnen die Kontrolle über unser Geld entziehen.
      Das macht Banken überflüssig.

      Verfasst von monopoli | 1 Juli, 2013, 7:49 pm
  2. Super! Diesen Artikel habe ich sofort in meine Linkliste aufgenommen!

    Egal wie viel Sie einkaufen, das materielle Edelmetall MUSS sich unter Ihrer Obhut befinden. ETF als Papiergold und auch Minenaktien sind für uns kleine Investoren tabu! Bestände in Schließfächern werden konfisziert. Papieroptionen auf Auslieferungen werden wertlos. So bilden Sie Vermögen wie ein internationaler Konzern und zahlen trotzdem nur wenige oder gar keine Steuern. Ein Investor verzichtet auf Konsum und spart. Er lebt nicht von der Hand in den Mund, sondern denkt und handelt langfristig. Frei ist, wer weniger Geld ausgibt, als er einnimmt. Warum? Gold und Silber dienen dem Werterhalt, Sachvermögen und Papiervermögen verfallen.

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

    Verfasst von Hans Kolpak | 16 Juni, 2013, 9:19 am
  3. Banken haben schon immer entsetzlich viel Macht! Jeder Arbeitnehmer muss ja ein Konto besitzen, deswegen brauchen wir Banken. Es wird ja alles auch bargeldlos überwiesen. wenn dann Reiche schnell viel Geld abziehen, kann es brenzlich werden. Ich wäre für ein Schutzgesetz für den Normalbürger, dass der sein Geld immer bekommt. Da fließen ja sozusagen vom Mund abgesparte Beiträge ein Leben lang ein , für ein sicheres Rentenleben. Wenn das nicht mehr gewährleistet ist, wird keiner mehr sparen, wozu denn auch!

    Verfasst von re56nates | 16 Juni, 2013, 2:50 am
    • Schutzgesetze lösen das Problem nicht, wir müssen selbst die Kontrolle über unser Geld in die Hand nehmen.
      Dann haben wir auch die Macht, die Bedingungen zu diktieren. Und davon mal abgesehen,
      das meisste Geld der Banken stammt vom kleinen Mann, selbst wenn er nur Hartz-IV Empfänger ist.
      Die Masse machts. Reiche haben gewöhnlich ihr Geld in den Steuerparadiesen, das ist also garnicht hier.

      Verfasst von monopoli | 1 Juli, 2013, 7:59 pm

Archiv

NATO verlangt 2% des Haushaltes
für das Militär auszugeben,

das wären 65 Mrd. Euro jährlich
derzeitiger Militär-Etat: 36,6 Mrd.$
Militär-Etat USA 2015: 1839,53$
Militär-Etat Ger 2017:... 488,09$
Militär-Etat Rus 2015:... 466,44$
(Angaben pro Einwohner des Landes.)

Blog Stats

  • 903.853 hits
Follow monopoli on WordPress.com

Deutschland

Deutschland-DNA

RSS www.tlaxcala-int.org

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Pravdatvcom

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

RSS Lausitzer KlimaCamp

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.
%d Bloggern gefällt das: