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Mythen & Märchen XI – Arbeit & Wohnen

„Die DDR war ein Arbeiterstaat“

Westpresse: Die angeblich herrschenden Arbeiter waren von allen wichtigen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 90% der Befragten in der Politik des Landes kaum vertreten.

Wenn man bedenkt wieviel Menschen da richtig vollbezahlte Arbeit hatten, war die DDR das Paradebeispiel eines Arbeiterstaates. Die Zielvorgabe lautete:

“In der DDR wurde eine Gesellschaft geschaffen, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist, in der sich die schöpferischen Kräfte des Volkes voll entfalten können, in der soziale Sicherheit für alle, Vollbeschäftigung, gleiche Bildungschancen für alle Kinder, zunehmender Volkswohlstand, soziale Gerechtigkeit und die Demokratie des Volkes in wahrer Freiheit gewährleistet sind.” (Zitat aus der Doktorarbeit des Prof.Dr. jur. Jörg Arnold)

Da aber die SED-Bonzen das irgendwie alles per Planung organisiert haben, hat sich der normale DDR-Bürger praktisch nicht für die Politik seines Landes interessiert. Politisch war er desillusioniert. Ihn interessierte daher nur, was er nicht hatte und das sah er jeden Abend in der Glotze. Der goldene Westen war das mythische unerreichbare Paradies, es wurde völlig unrealistisch glorifiziert. Mit den selben Augen sehen arme Afrikaner nach Westeuropa. Das Erwachen kommt jedoch immer danach. Würde man hier eine Umfrage in einem der Betriebe starten, wäre das Ergebnis der gleichen Frage noch verheerender. Deshalb geht ja auch keiner rum und fragt die Leute ob sie sich durch Merkel, Wulff & Consorten vertreten fühlen. Ehrlich gesagt kenn ich weder im Osten noch im Westen irgendeinen, der sich noch von dieser Clique vertreten fühlt. Die Wahlbeteiligung einiger Regionen liegt sogar schon unter 35%. Man kreuzt ja nur noch das kleinere Übel an.

 

Man stellt die DDR so dar als hätten wir alle nur in Ruinen gelebt, kaum was zum Anziehen, nur jeder 100derste Ossi wäre Besitzer eines Autos gewesen. Aber das stimmt so nicht. Sehen so zerlumpte Menschen aus, sehen so heruntergekommene Städte aus. Und warum stehen soviele Autos auf den Bildern herum? Alles gestellt? Schaut es euch an, so sah Karl Marx Stadt (heute Chemnitz) 1983 aus.

Aber was verdiente eigentlich ein DDR-Bürger?

Löhne für unterschiedliche Berufe

Löhne für unterschiedliche Berufe

Erstmal muss man wissen, das fast alle mind. eine Lehre machten. Bei 8 Klassen waren dies 3 Jahre Lehre, bei 10 Klassen nur 2 Jahre. Cirka 95% der Jugendlichen machten eine solche Lehre und bekamen zum Abschluss ihren “Facharbeiter” oder gingen studieren, natürlich kostenlos.
Nunja die Einstiegslöhne waren nicht immer gleich, sie stiegen auch im Osten mit dem wachsendem Wohlstand, etwa um 2% pro Jahr, was in 10 Jahren etwa 200 Mark ausmachte. Dabei wurde der Arbeiter alle paar Jahre etwas höher gestuft bei gleichbleibender Arbeit. Daher gab es 8 Gehaltsgruppen, er fing also bei der untersten Gehaltsgruppe an und stieg dann langsam in der Gehaltsgruppe auf, ganz so wie es heutzutage bei Beamten ist.
Der Lohn bestand aus einem Grundgehalt, was für den Westen sehr niedrig erscheint, obwohl, seit der Leiharbeitswelle und dem Euro hat sich das inzwischen auch erledigt. In den 70igern lag der Lohn eines Arbeiters bei cirka 700 Mark, Mitte der 80 bekam ein durchschnittlicher Arbeiter aber auch schon seine 900 bis 1000 Mark, dazu ein 13. Monatsgehalt, Zuschäge für Schichtarbeit und Leistungsprämien für Auszeichnungen usw. Die Streubreite in den Gehaltsgruppen innerhalb eines Berufes konnte etwa 130 bis max. 200 Mark betragen. Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gab es kaum, jedenfalls nicht wenn sie die selbe Arbeit machten. Natürlich waren die Frauen im Bergbau vergleichsweise unterrepräsentiert, aber in vielen anderen Jobs hatten sie recht gute Aufstiegschancen, was teilweise an der Einführung von Quoten lag. Nur in der Führungsschicht waren sie naturgemäß unterrepräsentiert, was eher an der patriachalen Einstellung der Männer lag. Daher führte die DDR recht früh schon die Frauenquote ein und verbesserte damit wesendlich die Aufstiegschancen in höhere Positionen.

DDR Löhne

DDR Löhne ermittelt 1988 anhand von Auswertungen von Gehaltsabrechnungen.

In der Industrie erhalten die Produktionsarbeiter (Facharbeiter) auf einheitlicher Zeitbasis einen monatlichen Bruttolohn von 1110 Mark. Das durchschnittliche Gehaltsniveau der Meister liegt bei 1370 Mark.
Der Maximale Bruttolohn eines Hoch- und Fachschulkaders betrug 1988 demnach 1477 Mark und stieg pro Jahr um etwa 2%.
Mit 1532 Mark weisen die Bereiche Chemie und Kohle/Energie die höchsten Bruttogehälter auf, begründet durch die für sie vorgesehenen höheren Tariftabellen.
Der Lohnunterschied zwischen Ost und West lag etwa um 200 Mark, wobei im Osten naturgemäß die niedrigeren Löhne weitaus häufiger gezahlt wurden als im Westen. So bekamen etw 50% der Arbeiter und Angestellten im Westen zwischen 1800 und 2200 DM, während im Osten nur 0,8% mit mehr als 1800 Mark entlohnt wurden.
Der gelernte DDR-Bürger kam also auf durchschnittlich nur 70-80% des Gehaltes was er im vergleichbarem Job im Westen bekam.
Andersrum muss man bedenken, das man im Osten mind. 20% weniger für die normale Haushaltsführung, Energie, Miete, Lebensmittel usw. pro Monat ausgab. Um nur ein Beispiel zu nennen, die Miete einer 65 qm großen Vier-Raum-Wohnung im Plattenbau von Ost-Berlin betrug etwa 75 Mark, im Westen war diese unter 350 DM garnicht zu bekommen. Die gesparten 225 Mark tauschte er 1:20 gegen Westgeld um, um sich nach 2 Monaten davon eine gute West-Jeans für 24 DM zu kaufen. Alternativ stand es ihm auch frei sich eine Ost-Jeans für 100 Mark zu kaufen, die nicht wirklich modisch war, aber auch ihren Zweck erfüllte. Das sozialistische System hatte durchaus seine eigenen Spielregeln.

Sein Sparschwein war daher weitaus besser genährt, als im Westen und der Ostler ging damit weitaus sorgloser um. Er war dementsprechend bei Öffnung der Grenzen auch mehr oder weniger leichtsinnig gleich im Kaufrausch gefangen und ein williges ideales Opfer für gierige Geschäftemacher.
Da diese Ansparungen (insbesondere Westgeld) auch nicht unbedingt auf DDR-Bankkonten herum lag und zudem seine DDR-Mark mit der Währungsunion halbiert wurde, entstand im Westen der Eindruck, die Ossis hätten kaum über 5.000 DM angespart. Das war schon richtig, denn sie ergriffen natürlich bei erster Gelegenheit die Chance sich mit Jeans und Bananen einzudecken, sich durchs Warenangebot zu futtern und fielen dabei auch auf zahlreiche Gauner herein die ihnen billigen Trödel für teures Geld aufschwatzten. Wohl jeder Ossi hat so eine “Kaufrausch-Leiche” irgendwo erworben, das reicht von Magnet-Matratzen, über Topfgeschirr bis hin zu Küchenmaschinen mit denen sie garnicht umgehen konnten.

Aber auch da glich sich vieles im Leben aus. Die DDR bildete ihre Menschen aus um von ihnen zu profitieren, dementsprechend gab sie ihm Werte in die Hand, mit die man im Westen erst nach Jahrzehnten arbeiten darf.
Die DDR hatte z.b. schon in den 60igern mit 24 Jahren den jüngsten Hochsee-Kapitän weltweit und der fuhr nicht einen alten Klapperkasten, sondern ein nagelneues großem Schiff aus der volkseigenen Werft. Und wann immer er damit an Kiel vorrüber fuhr, riefen ihm die Wessis zu “Hey, gibt doch zu den Kahn habt ihr bei uns gekauft”. Die Bevölkerung im Westen traute dem Osten einfach nicht zu, selbst ein hochseetaugliches Schiff zu bauen. 1961 eröffnete der Osten seinen ersten Überseehafen und wurde nachdem es bereits eine große Fischfangflotte aufgebaut hatte, nun auch zu einer großen Handelsflotte. Dabei muss man auch wissen, das von 3 Schiffen in den DDR-Werften zwei als Reparation nach Russland gingen. Die russische Fischfangflotte fuhr also mit DDR-Schiffen auf den Weltmeeren herum und sie waren nicht die einzigen.
Quelle: Lohnstruktur und Lohndifferenzierung in der DDR, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg 1990

„Die Planwirtschaft der DDR ermöglichte einen hohen Lebensstandard“

Westpresse: Auf eine Wohnung mussten Familien in der Regel fünf Jahre lang warten, auf ein Telefon zehn Jahre, auf einen „Wartburg“ 15 Jahre. Die Mangelwirtschaft war das Markenzeichen von 40 Jahren Wirtschaftsentwicklung in der DDR.

Was ist denn das für ein Blödsinn? Also ich hab ziemlich schnell eine Wohnung bekommen, ohne Vitamin B und Auto, naja auch wir hatten einen privaten Automarkt, wo man durchaus täglich gebrauchte Autos kaufen konnte. Allerdings waren wir auch noch nicht so verwöhnt, das jeder in der Familie ein eigenes Auto braucht. Gewöhnlich hatte in den 80igern jede Familie ein Auto, da waren also maximal 2 Mio Autos auf der Straße. Im Vergleich zu heute, sind 30 Mio Autos auf der Straße.
Ich kann auch nicht behaupten das ich jemals Obdachlose im Osten gesehen habe, im Westen leben tausende auf der Straße. Aber fragen sie mal einen Studenten in München was die für einen Stress damit haben eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Da leben Menschen haufenweise in Notunterkünften und in vielen anderen Städten, insbesondere den Unistädten im Westen sieht es nicht anders aus. Da herrscht echt Not an bezahlbaren Wohnungen. Diese Blechbaracken sind ja wohl kaum mit den Plattenbauten vergleichbar! Ich hab Wohnungen im Westen gesehen da würd ich nichtmal einen Hund reinstecken. Dazu kommen die Frechheiten der Vermieter, Vorrauszahlungen, Nachforderungen, Nebenkosten, unverschämte Mieten und das Theater bis man so eine Wohnung bekommt, grauenhaft. Also dagegen war nen Antrag stressfrei und nen Plattenbau der totale Luxus. Die Mühlen des Gesetzes waren nicht die schnellsten aber sie führten immer zum Erfolg. Das Wohnungsbauprogramm sollte nicht nur den Mangel beheben, es sollte allen auch gute Wohnungen zur Verfügung stellen. Heute werden viele von ihnen abgerissen, weil die jungen Leute hier zwar eine Wohnung aber keine Arbeit finden.

Dazu kommen billige Preise der öffentlichen Verkehrsmittel die entsprechend viel benutzt wurden. Verkehrsmittel waren günstig, da konnte man problemlos auch ohne Fahrzeug leben. Apropos Mangel, auf eine Eintrittskarte im Pergamonmuseum wartet man locker mal 2 Stunden. Kein Wunder das die Wessis keine Kultur haben, sie wird viel zu wenig angeboten und dann zu horrenden Preisen. Ein Besuch des Zoos mit einer vierköpfigen Familie kostet richtig viel Kohle. In meiner Kindheit hätten wir uns den Spass jeden Tag leisten können unzwar inklusive Eis und Bratwurst für alle. Ach ja, Telefon hatten wir auch, ohne Parteimitgliedschaft und das schon 1975. Es existierte auch ein Automarkt in der DDR und Mopeds waren ab 16 schon Standart. Und mit 18 meldete man sich sowieso schon für Wohnung und Auto an, ist also alles nur eine Frage der Organisation. Also meine Familie hatte nacheinander Trabbi, Mosquitsch, Wartburg, Lada und noch eine Simson, meine Freundin ihre Familie fuhr Trabbi, Skoda, Wartburg und hatte ne Schwalbe. Wir waren der Durchschnitt oder wie es ein Stasibericht formulierte: “mangelndes Interesse am sozialistischem Gedankengut”.

Die Bundesrepublik ist auch eine Mangelwirtschaft, es mangelt den Menschen an Geld und an Moral. Beides kann man das nicht allein durch Schlangestehen erwerben. Aber mit etwas Glück werden hier sogar Großmütter für den schnöden Mammon verhöckert. Sowas wäre im Osten undenkbar gewesen.

„In der DDR gab es bezahlbare Wohnungen für alle“

Westpresse: Ende 1989 stapelten sich in der DDR bei den entsprechenden Ämtern 781.000 Anträge auf eine Wohnungszuweisung. Das Neubau-Programm der DDR war angesichts der immer knapperen Ressourcen in der Wirtschaft nicht einzuhalten.
ehrenrunde
Würde es ein solches Amt in der Bundesrepublik geben, würden sich da locker mal 3 Mio. Anträge auf bezahlbare Wohnungen stapeln oder mehr. Es soll ein paar Wohnungsgesellschaften geben, da kann man Anträge stellen und wartet jahrelang, das gilt auch für Laubenpieper. Ich hab übrigens 51 Mark für meine Wohnung bezahlt. Plattenbau, 2, Zimmer, Küche, Bad. Und dann hab ich mal in einem Altbau gewohnt, das hatte überall schiefe Wände, war aber ansonsten riesig, nur der TV Empfang war scheisse. Die hat mich glaube ich 43 Mark gekostet, auch 2 Zimmer, Bad und eine Gemeinschaftsküche, das war echt toll. Gegenüber war ne Kneipe da haben wir massenweise Schnitzel mit Pommes (selbstgeschnitzt) und Champions gefuttert. Ach ja das war auch so ne Mangelware. Komisch, ist mir garnicht aufgefallen…

Aber durch Zufall fiel mir neulich mal eine Auswertung in die Hände die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Unzwar wie sich drei Städte entwickelten, Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main.
Sie ahnen es schon, Frankfurt am Main wurde reicher, in Berlin griff die Armut von Kreuzberg nunmehr auf Mitte über und in Leipzig nahm sie zu. Die Millionen DM und Euro an Transferleistung haben offenbar den Weg nach Frankfurt am Main genommen, sie haben nur eine kleine Ehrenrunde über Ostberlin und Leipzig genommen.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Mythen & Märchen XI – Arbeit & Wohnen

  1. Diese o.g.Angaben (Zahlen/Summen …)stimmen aber nicht.

    Verfasst von EISEL | 23 März, 2014, 4:20 nachmittags

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